Corona-Daten-Newsletter | Montag, 30. August 2021 Vierte Welle trifft vor allem die Jüngeren

Im multimedialen Corona-Daten-Update von Montag: Seit Anfang Juli stecken sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus an. Unter den Neuinfizierten sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Mit Blick auf den bevorstehenden Schulbeginn warnen Expertinnen und Experten, dass die Schulen nicht ausreichend auf die vierte Welle vorbereitet sind.

Ein Lehrer am Gymnasium, gibt Matheunterricht an einem Bildschirm.
Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend!

In Deutschland stecken sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus an – und dieses Mal trifft es vor allem die Jüngeren. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres könnte die Zahl der Neuinfektionen unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiter steigen. Virologen und Bildungsexperten warnen daher vor einer starken Ausbreitung des Virus an den Schulen – und kritisieren die Versäumnisse der Politik über die Sommerferien.

Bevor es darum geht, wie sich die Infektionszahlen bei den Zehn- bis 24-Jährigen zuletzt entwickelt haben, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland und unseren drei Ländern.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, dem 30. August 2021, bundesweit 4.559 neu positiv Getestete gemeldet worden. Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um 891 höher.

Die 7-Tage-Inzidenzen in unseren drei Ländern sind laut RKI weiterhin auf niedrigem Niveau. Sachsen-Anhalt verzeichnet eine Inzidenz von 15, Sachsen von 20 und Thüringen von 22.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 2.005 ↘ (- 5 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 24, davon 13 beatmet
  • Intensivbetten: 1.185 belegt, 281 frei, davon 123 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 55,1 Prozent (Erstimpfung), 51,7 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 10.241 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 277.570 (+100)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 289.816 (+95)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 759 ↘ (- 41 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 9, davon 2 beatmet
  • Intensivbetten: 505 belegt, 140 frei, davon 51 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 58,3 Prozent (Erstimpfung), 55,6 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.445 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 125.757 (+79)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 130.961 (+38)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 556 ↘ (- 35 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 7, davon 4 beatmet
  • Intensivbetten: 595 belegt, 131 frei, davon 47 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 60,6 Prozent (Erstimpfung), 57,5 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.496
  • Schätzung der genesenen Patienten: 96.688
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 100.740 (+84)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Hohe Inzidenzen bei den Jüngeren

Aktuell stecken sich besonders die Jüngeren mit dem Coronavirus an. Aus dem aktuellen Bericht des RKI geht hervor, dass es gerade unter den Zehn- bis 24-Jährigen hohe Inzidenzen gibt. Unterteilt in die jeweiligen Altersgruppen zeigt sich folgendes Bild:

  • Unter den Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 14 Jahren gab es Mitte August die meisten Neuinfektionen. Hier lag die Inzidenz laut RKI bei 143 und hat sich verglichen mit dem Wert der Vorwoche (70) verdoppelt.
  • Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet das RKI für die 15- bis 19-Jährigen. Hier lag die Inzidenz Mitte August bei 140 und in der Vorwoche bei 87.
  • In der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen lag die Zahl der Neuinfektionen im gleichen Zeitraum bei 125 (Vorwoche: 96).

Diese Zahlen übersteigen deutlich den bundesweiten Vergleichswert in der Gesamtbevölkerung, der Mitte August bei 59 lag.

Ein Grund für die hohe Zahl der Ansteckungen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die bislang geringe Impfquote in dieser Altersgruppe. Da die Impfung erst seit Mitte August von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird, ist die Impfquote verglichen mit den anderen Altersgruppen entsprechend gering. Laut RKI sind aktuell 72 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen nicht geimpft. In Mitteldeutschland liegt die Impfquote bei den vollständig geimpften Jugendlichen bei:

  • 12,8 Prozent in Sachsen
  • 11,7 Prozent in Sachsen-Anhalt
  • 16,2 Prozent in Thüringen

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass die Impfquote in unseren drei Ländern deutlich unter der in anderen Ländern liegt. Die höchste Impfquote bei den Zwölf- bis 17-Jährigen verzeichnet Schleswig-Holstein mit 24 Prozent.

Experten kritisieren: Politik hat über die Ferien geschlafen

Da sich derzeit vor allem Jüngere mit dem Coronavirus anstecken, stellt sich die Frage, wie sich das neue Schuljahr entwickeln wird. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass es keine Schulschließungen mehr geben soll. Virologen und Lehrkräfte kritisieren diese Aussage und warnen davor, dass es zu einer rasanten Verbreitung in den Schulen kommt.

Virologe Martin Stürmer von der Uni Frankfurt sagte: "Es sind genau die, die in Schulen und Kindergärten am wenigstens Schutz haben. Weil keine vernünftigen Maßnahmen getroffen worden sind in vielen Bundesländern."

Kritik an den Vorbereitungen der Schulen übt auch der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Ihm zufolge sind die Schulen vielerorts ungenügend auf die vierte Welle vorbereitet. Bund und Länder hätten es erneut versäumt, ein einheitliches, wirksames Testkonzept an den Schulen zu installieren. Zudem kritisiert Meidinger die neuen Quarantäne-Regeln. So müssen in manchen Ländern von nun an nur noch die infizierten Kinder in Quarantäne – so auch die Regel in Sachsen für Schülerinnen und Schüler bis zwölf Jahre. Ob diese noch vereinheitlicht werden, wird sich zeigen. Zumindest sprach sich Bundesgesundheitsminister Spahn heute für einheitliche Quarantäne-Regeln der Schulen aus.

Dennoch werden sich laut dem Virologen Christian Drosten Infektionen an Schulen nicht vermeiden lassen. "Man wird nicht jegliche Verbreitung an Schulen unterbinden können, aber möglichst eine unkontrollierte Ausbreitung", so Drosten. Ein "kontrolliert schwelendes Geschehen" müsse man akzeptieren.

Was sonst noch los war

  • In Sachsen soll es zum Start des Schuljahres möglich sein, sich auch an Schulen impfen zu lassen. Das sächsische Gesundheitsministerium will damit das freiwillige Impfangebot ausweiten und vor allem junge Menschen auf dem Land und in Kleinstädten erreichen. Wie das Ministerium weiter mitteilte, richtet sich das Angebot an alle Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren sowie an deren Eltern und an das Schulpersonal. Die Aktion soll ab 13. September starten.
  • Ab Oktober sollen in Sachsen-Anhalt vor allem die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte die Impfungen gegen das Corona-Virus übernehmen. Die Impfzentren werden daher Ende September geschlossen, die Außenstellen des Impfzentrums im Salzlandkreis sind es bereits. In Sachsen schließen die Impfzentren ebenfalls im September.

Zum Schluss

Sie haben bis zum Ende durchgehalten – und das, obwohl es im heutigen Update um ziemlich viele Zahlen ging. Zum Schluss verlinke ich Ihnen daher noch ein Video, in dem es ganz sicher nicht um Zahlen geht, sondern um Träume. Der Arbeiter-Samariter-Bund erfüllt schwerkranken Menschen nämlich Wünsche, die sie sich anders nicht mehr erfüllen können. Und so konnte Kevin aus Sachsen-Anhalt in einem Sportwagen über eine Rennstrecke rasen.

Am Mittwoch schreibt meine Kollegin Julia Heundorf das Corona-Update für Sie.

Beste Grüße
Sarah Peinelt

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 29. August 2021 | 20:35 Uhr

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