Corona-Daten-Newsletter | Montag, 19. April 2021 Modellprojekte im Check

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Shoppen, Restaurant- und Hotelbesuche: Wie das wieder funktionieren kann, wird in Modellversuchen getestet. In Thüringen ist gerade einer zu Ende gegangen, in Sachsen-Anhalt läuft er noch. Erste Bilanzen.

Ein Schild, das in Richtung einer Bar weist.
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

heute soll es um Modellversuche gehen. Im Kreis Nordhausen in Thüringen wurde und im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt wird derzeit getestet, wie ein Leben mit geöffnetem Einzelhandel und Gastronomie funktionieren könnte. In Sachsen-Anhalt wird sogar der Betrieb in zwei Hotels getestet. Mit Saunagang, offenem Fitnessstudio und allem was dazu gehört. Wie das gelaufen ist und wie lange solche Modellversuche noch laufen könnten, dazu später mehr.

Jetzt erst einmal ein Blick in die Zahlen vom Wochenende und Montag

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 19. April 2021, bundesweit 11.437 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:15 Uhr). Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um etwa 1.700 gesunken.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+2.853), Bayern (+2.151) und Baden-Württemberg (+1.410). Die niedrigsten Werte wurden aus dem Saarland (+24) und Bremen (+91) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Thüringen (246) und Sachsen (237).

Und so sieht es in unseren drei Bundesländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt im Detail aus. Die Angaben beziehen sich auf die Werte der Sozialministerien und Landkreise. (Die Zahlen weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 20.234 (+104 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 393, davon 233 beatmet
  • Intensivbetten: 1.285 belegt, 176 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.850 (+23)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 218.350 (+400)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 247.434 (+527)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 11.485 (-207 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 216, davon 118 beatmet
  • Intensivbetten: 616 belegt, 91 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.688 (+2)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 93.392 (+393)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 108.565 (+188)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 7.087 ↗ (+8 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 146, davon 76 beatmet
  • Intensivbetten: 704 belegt, 108 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.981 (+39)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 73.991 (+464)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 84.059 (+511)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Wie Modellversuche in Thüringen und Sachsen-Anhalt laufen

Shoppen, im Restaurant essen gehen oder ein Wellness-Wochenende in einem Hotel verbringen. Das alles scheint sehr weit weg zu sein und klingt mittlerweile fast wie aus einem Fantasy-Roman, der in ferner Zukunft spielt. Doch Modellprojekte testen genau das. Wie kann so ein Leben aktuell aussehen? Welche Maßnahmen bräuchte es dafür? Zwei aktuelle Beispiele aus Thüringen und Sachsen-Anhalt möchte ich Ihnen vorstellen.

Modellversuch in Thüringen

Im Kreis Nordhausen in Thüringen durften die Menschen Anfang April für einige Tage einkaufen, ins Museum oder Gedenkstätten besuchen. Dazu musste ein negativer Corona-Test vorgelegt und die Luca-App benutzt werden. Mit der App soll die Kontaktverfolgung erleichtert werden. Zehn Teststationen wurden dazu im Landkreis aufgemacht. Dort waren kostenlose Corona-Tests möglich. Mit einem negativen Ergebnis durften die Menschen dann 24 Stunden Geschäfte und Co. aufsuchen.

Ergebnis

An den Teststationen bildeten sich teilweise lange Schlangen – vor allem in der Nordhäuser Innenstadt. Insgesamt haben sich während des Modellversuches laut Landrat 15.000 Menschen testen lassen, 37 Tests fielen dabei positiv aus. Das Modellprojekt kann in dieser Woche nicht weitergeführt werden, da die Inzidenz in der Region den Wert von 100 überschritten hat. Laut Landratsamt ist die Inzidenz aber nicht wegen des Einkaufsverhaltens im Zuge des Modellversuchs gestiegen, sondern aufgrund von Infektionsclustern in Schulen und Unternehmen.

Das Feedback der Menschen auf den Modellversuch ist unterschiedlich. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN haben sich vor Ort umgehört. Zwar fanden einige Kunden und Kundinnen es schön, Waren vor dem Kauf wieder ansehen und anfassen zu können, allerdings störte sie das ständige Eintragen in der Luca-App. Wieder andere hätten sich statt des Modellversuchs einen härteren Lockdown gewünscht.

Modellversuch in Sachsen-Anhalt

Im Harz in Sachsen-Anhalt war in einem Modellversuch zunächst in neun Gemeinden die Außengastronomie geöffnet worden. Seit Freitag sind in Stolberg sogar zwei Hotels für Besucher geöffnet. In den Hotels werden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen alle 48 Stunden getestet. Jeder Gast muss einen aktuellen, amtlich beglaubigten Corona-Test vorlegen. Wer länger als zwei Tage bleibt, muss alle 48 Stunden nachtesten. Außerdem wird beim Einlass Fieber gemessen. Danach kann im Hotel alles gemacht werden: im Restaurant speisen, die Sauna besuchen oder die Fitnessstudios benutzen. Dabei muss bei der Bewegung innerhalb des Hotels eine FFP2-Maske getragen werden.

Ergebnis

Da der Versuch in den Hotels erst angelaufen ist, gibt es da noch keine Ergebnisse. Aber Clemens Ritter von Kempinski, der eins der beiden Hotels betreibt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass sich die Gäste bisher an alle Regeln hielten. Und auch die Gäste im Hotel fühlen sich nach eigenen Angaben wohl und sicher.

Bei der geöffneten Außengastronomie kann allerdings schon Zwischenbilanz gezogen werden. Der Landrat im Landkreis Harz, Thomas Balcerowski (CDU), sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es wurden tausende zusätzlicher Corona-Tests gemacht und mehrere Infizierte ohne Symptome herausgefischt." Die Gastronomen seien froh über die Chance, ihre Läden öffnen zu können. Insofern sei das Ergebnis zur Halbzeit durchweg positiv. Balcerowski kündigte an, beim Wirtschaftsministerium eine Verlängerung des Modellprojekts zu beantragen und es möglicherweise auszuweiten. Es lägen bereits Konzepte für den Einzelhandel sowie für die Beherbergungsbranche vor.

Kritik

Auch wenn die beschriebenen Modellversuche zu funktionieren scheinen, gab und gibt es Kritik an ihnen. Nicht zuletzt weil deutschlandweit die Inzidenzwerte gerade wieder steigen. In Sachsen-Anhalt warfen beispielsweise die Grünen Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vor, nicht genug zu tun, um die Gesundheit der Menschen in der Pandemie zu schützen und stattdessen an den Modellprojekten festzuhalten.

Wie lange sind Modellversuche noch erlaubt?

Sollte der Bundestag in dieser Woche die bundesweite Corona-Notbremse beschließen, würde dies sehr wahrscheinlich das Aus für die meisten Modellprojekte bedeuten. Dann dürften nur noch Versuche in Regionen mit einer Inzidenz unter 100 stattfinden. Die Werte in den Regionen der oben beschriebenen Modellversuche liegen derzeit darüber und wären dann nicht mehr erlaubt.

Kurz erklärt

Um die Schnelltests ranken sich einige Gerüchte. Sind sie krebserregend, verunreinigt und unzuverlässig? Einige dieser Fragen beantworten wir Ihnen in unserem aktuellen #MDRklärt.

Was heute außerdem los war

  • Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich heute in eine vorsorgliche Quarantäne begeben müssen. Zwei Mitarbeiter seines Sicherheitspersonals wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Haseloff selbst hat einen PCR-Test gemacht, der negativ ausgefallen ist. Dennoch wird der Ministerpräsident drei Tage in Isolation bleiben.
  • In Sachsen ist der Impfstart in der Priorisierungsgruppe 3 doch noch nicht erfolgt. Eigentlich hatte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) den Start dafür letzte Woche angekündigt. Ein genaues Datum kann das Ministerium noch nicht nennen. Zur Priogruppe 3 gehören Menschen mit Berufen in der kritischen Infrastruktur. Also zum Beispiel Personen, die im Lebensmittelhandel oder Verkehrswesen tätig sind. In den kommenden Tagen will das Sozialministerium eine genaue Liste mit den betroffenen Berufsgruppen veröffentlichen.

Bis morgen

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch eine Geschichte meiner Kollegin Luise Kotulla ans Herz legen. Sie hat sich mit der Ärztin Ute Schnell getroffen. Ute Schnell hat im vergangenen Jahr ihren Ehemann verloren. Er starb zu Beginn der Pandemie an Corona. Einfühlsam und trotzdem mit journalistischer Distanz wird das Schicksal in Wort und Bild erzählt. Wenn Sie mögen, können Sie sich die Geschichte hier ansehen.

Wir lesen uns dann morgen wieder.

Fabian Frenzel

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 19. April 2021 | 11:00 Uhr

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