Corona-Daten-Newsletter | Montag, 29. November 2021 Wie gefährlich ist die Omikron-Variante?

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Was Sie über die neue Omikron-Virusvariante wissen müssen und wie es jetzt weiter geht. Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Coronamodelle und ein Stempel mit Omikron Schriftzug liegen nebeneinander.
Die neue Virus-Variante Omikron breitet sich in der Welt aus. Bildrechte: Imago

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

vielleicht haben Sie auch gedacht "Bitte nicht schon wieder", als die ersten Berichte über die neue Coronavirus-Variante Omikron auftauchten. Denn inmitten neuer Rekord-Inzidenzen, überlasteter Krankenhäuser und mangelndem Tempo bei den Booster-Impfungen bräuchten wir eigentlich nicht noch weitere Hürden im Kampf gegen das Virus. Doch so funktioniert eine Pandemie nicht.

Umso wichtiger ist es jetzt, so schnell wie möglich zu verstehen, wie die Krankheitsverläufe der Omikron-Variante aussehen und ob die Impfungen weiterhin wirken. Wir schauen uns deshalb im heutigen Update an, was man bereits über die Mutante weiß und wie das weitere Vorgehen aussieht. Einen ersten Überblick bekommen Sie schon einmal im folgenden Audio. 

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 29. November 2021 bundesweit 29.364 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 7:10 Uhr). Das sind 1.279 weniger als am Montag vor einer Woche.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Bayern (+7.179), Sachsen (6.148) und Baden-Württemberg (+3.957)

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Sachsen (1284,8), Thüringen (895,2) und Brandenburg (725,6). Die bundesweite Inzidenz liegt bei 452,4.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 103.063 ↗ (+855 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 6,48 (+2,1)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 566, davon 285 beatmet, 44 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58,1 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 28,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 67,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 79,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.991 (+27)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 35.755 ↘ (-525 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 18,21 (+0,61)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 199, davon 116 beatmet, 30 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 32,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 71,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 82,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.013 (+5)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 27.984
  • Hospitalisierungsrate*: 11,1 (-1,47)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 143, davon 69 beatmet, 19 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 64,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 30,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 67,0 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.792

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Das wissen wir über die Omikron-Variante

Die neue Virus-Variante B.1.1.529 breitet sich in der Welt aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie auf den Namen "Omikron" getauft und als besorgniserregend eingestuft. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren globalen Ausbreitung sei groß und es sei mit steigenden Covid-19-Fallzahlen zu rechnen. Die EU-Gesundheitsbehörde (ECDC) spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringert und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Bei allem, was es zu Omikron bereits zu sagen gibt, gilt: Die Datenlage ist dünn. Vieles ist noch unsicher und wird gerade erst untersucht. Das Wichtigste habe ich Ihnen im Folgenden zusammengestellt.

Woher kommt die neue Variante?

Omikron wurde erstmals in Botswana nachgewiesen und hat sich zuletzt vor allem in Südafrika verbreitet. Dort sind nach Daten des Statistischen Bundesamts gerade einmal 24 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Dass der Impfstoff in der Welt ungleichmäßig verteilt ist, ist nichts Neues. Schon vor Monaten kritisierten Experten, dass diese Ungerechtigkeit langfristig allen schadet und die Pandemie zusätzlich verlängern könnte. Denn: Solange weite Teile der Weltbevölkerung ungeimpft bleiben, kann das Virus weiter mutieren. Mit jeder neuen Variante steigt das Risiko, dass sie ansteckender und tödlicher sein kann. Bereits im Sommer hatte in Deutschland die ansteckendere Delta-Variante den Wildtyp des Coronavirus abgelöst.

Erste Hinweise deuten zudem darauf hin, dass Omikron in einem HIV-Patienten entstanden sein könnte. Coronaviren können in einem Menschen mit geschwächtem Immunsystem über Wochen überleben und sich vermehren.

Mittlerweile wurden erste Omikron-Fälle in den Niederlanden, Großbritannien und Italien gemeldet. Auch in Deutschland konnte die Variante bereits nachgewiesen werden – unter anderem in Bayern und Hessen. Teilweise trat sie auch bei Nichtreisenden auf. Experten vermuten deshalb, dass die Virusvariante bereits seit einigen Wochen unter dem Radar unterwegs gewesen ist. Da nun weltweit gezielt danach gesucht wird, werden fast stündlich neue Fälle gemeldet.

Was macht Omikron besonders?

Erste Analysen zeigen, dass Omikron mehr Mutationen als jede andere Variante des Coronavirus aufweist. Etwa 80 Verschiedene sind bereits bekannt. Einige davon begünstigen eine Aufnahme des Virus in Zellen, weshalb Omikron ansteckender sein könnte. Die in Südafrika festgestellte Übertragungsrate liege bei zwei, so Susan Hopkins vom Imperial College in London. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Schnitt zwei Menschen ansteckt.

Christian Drosten geht derzeit davon aus, dass es sich bei Omikron um eine Immunescape-Variante handelt könnte, die eine gegen Sars-CoV-2 aufgebaute Immunabwehr umgeht. Denn die aktuellen Omikron-Patienten hatten häufig schon eine Corona-Infektion durchgemacht oder waren geimpft.

Was sind die Symptome?

Die Menschen, die sich in Südafrika mit Omikron infiziert haben, sind nach Angaben der dortigen Mediziner-Vereinigung (SAMA) bisher nicht schwer erkrankt. Die Untersuchungen dazu befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Es scheint aber so, als ob Omikron sich schneller verbreite und vermehrt auch bei bereits Geimpften auftrete.

"Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen", so Angélique Coetzee, Vorsitzende von SAMA. Es handele sich nicht um Patienten, die direkt ins Krankenhaus eingeliefert würden. Zudem erleiden die Betroffenen, anders als bei anderen Varianten, keinen Geruchs- oder Geschmacksverlust.

Die Symptome der neuen Variante seien zwar ungewöhnlich, aber bisher mild. Coetzee war die erste südafrikanische Ärztin, die auf die neue Variante aufmerksam gemacht hatte, als Anfang November Patienten mit ungewöhnlichen Covid-19-Symptomen in ihre Praxis in Pretoria gekommen sind.

Die Erkenntnisse aus Südafrika lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen, da wir hier eine andere Altersstruktur haben. Hinzu kommt, dass sich in Südafrika größtenteils Menschen infizierten, die schon von einer anderen Variante genesen waren, also schon einen gewissen Immunschutz haben. Auch Coetzee gibt zu bedenken, dass die neue Variante ältere Menschen härter treffen könne. Aussagen über den Krankheitsverlauf sind deshalb noch nicht wirklich möglich.

Und die Impfung?

Noch ist unklar, wie gut oder schlecht die bisherigen Impfstoffe gegen Omikron schützen. Der Pharmakonzern Biontech kündigte bereits an, mögliche Anpassungen seines mRNA-Impfstoffes innerhalb von sechs Wochen realisieren zu können, sollte dies erforderlich sein. Erste Chargen könnten dann innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Das Unternehmen habe bereits begonnen, den Impfstoff für den Fall der Fälle anzupassen. Auch Moderna arbeitet bereits seit vergangener Woche an einem Vakzin.

Zunächst gilt es herauszufinden, wie gut die Impfungen noch schützen. Der Hacken: Omikron unterscheidet sich deutlich von den bisherigen Varianten, da sie zusätzliche Mutationen am Spike-Protein hat. Mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen wird das Immunsystem darauf trainiert, das Spike-Protein zu erkennen. Wenn sich dieses Protein jedoch stark verändert, könnte das die Wirksamkeit der Impfungen reduzieren.

Trotzdem gehen Experten bislang davon aus, dass die aktuellen Impfstoffe auch gegen die neue Variante wirken – gerade gegen schwere Krankheitsverläufe. Mit genaueren Ergebnissen der Impfstoffhersteller ist allerdings erst in etwa zwei Wochen zu rechnen. Die Booster-Impfung sei deshalb jetzt besonders wichtig.

Erkennen Schnelltests die Omikron-Variante?

Die neue Variante wirft viele Fragen auf – auch bei Ihnen. Ein Leser möchte von uns wissen, ob die aktuellen Schnelltests die neue Corona-Variante erkennen können. Virologin Sandra Ciesek postete am Wochenende diesen Beitrag auf Twitter und hat gute Nachrichten: Die Antigentests funktionieren auch bei Omikron. Durchgeführt wurden demnach sowohl ein Nasen- als auch ein Rachenabstrich mit Tests der drei großen Hersteller Roche, Siemens und Flowflex.

Allerdings gilt zu beachten, dass Selbsttests sehr unterschiedlich sind. Bei einer Untersuchung des Paul-Ehrlich-Institus, die vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, ist jedes fünfte Produkt durchgefallen. Ist eine Person hochinfektiös, können die Tests das meist gut erkennen. In den ersten ein bis zwei Tagen, wenn Symptome da sind, ist das Virus gut nachweisbar, so Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Vorher und ohne Symptome seien aber nicht alle Tests zuverlässig.

Wie will die Politik auf Omikron reagieren?

Bereits am Freitag reagierte die Regierung mit Reisebeschränkungen, um die Ausbreitung von Omikron einzudämmen. Die Einreise aus acht Ländern im südlichen Afrika ist eingeschränkt. Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botswana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho sind seit Sonntag als Virusvariantengebiete eingestuft. Fluggesellschaften dürfen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Für alle Einreisenden gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht.

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer wollen zudem bereits morgen mit Bundeskanzlerin Merkel und ihrem Nachfolger Scholz über schärfere Corona-Maßnahmen beraten. Da zuvor das Bundesverfassungsgericht über die frühere Bundesnotbremse entscheidet, wird mit einer grundsätzlichen Debatte über mögliche Kurskorrekturen in der Corona-Politik gerechnet.

Neue Corona-Studie: Mit Virenlast lässt sich Sterblichkeit bestimmen

Die Menge viraler RNA von Sars-CoV-2 lässt Rückschlüsse darauf zu, wer die Krankheit überlebt und wer nicht. Das hat ein kanadisches Forschungsteam bei Untersuchungen von 279 Patienten herausgefunden. Die Ergebnisse sind wichtig, da immer noch Unsicherheiten bestehen, welche Patienten einem großen Risiko ausgesetzt sind, an einer Corona-Erkrankung zu sterben. Ob und wie der Test in Kliniken angewendet werden kann, ist derzeit aber noch offen.

Was heute außerdem los war

Zum Schluss ...

In den letzten Tagen hat es an einigen Orten in Mitteldeutschland bereits die ersten Schneeflocken gegeben. Der Winter rückt damit in großen Schritten näher und eingefleischte Wintersport-Fans fragen sich natürlich bereits, was unter den aktuellen Corona-Bedingungen dieses Jahr überhaupt möglich sein wird. Eine Antwort darauf liefert René Lötzsch, Geschäftsführer der Fichtelberg Schwebebahn GmbH im unterstehenden Audio.

Ich wünsche Ihnen jetzt erst einmal einen schönen Abend. Bleiben Sie gesund und wir lesen uns dann am Mittwoch wieder.

Beste Grüße

Sarah-Maria Köpf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 10. November 2021 | 06:05 Uhr

4 Kommentare

Soldaten Norbert vor 7 Wochen

Lustig, die Menschen in Südafrika haben von dem neuen Virus noch nichts erfahren. Omikron ist kein Thema dort. Dort gilt seit gestern wieder das niedrigste Risiko-Level.

Soldaten Norbert vor 7 Wochen

Was mich wundert ist die Tatsache, dass Omikron selbst in Australien angekommen ist. Und dass, obwohl dort nur Geimpft einreisen dürfen. Stellt sich ein weiteres mal die Frage nach der Wirksamkeit der Impfung. Und als interessante Info am Rande; eigentlich war Omikron erst für Mai 2022 vorgesehen. Ehrlich, das findet ihr in einem Papier des Johns Hopkins Institutes. Naja egal, das griechische Alphabet hat ja noch genug Buchstaben .

DER Beobachter vor 7 Wochen

Das schon strenger ist als hier, wenn mans ĺiest...

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