Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 21. Dezember 2021 Nur die Jahreszahl ist neu

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
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Im multimedialen Corona-Daten-Update: nichts Neues 2022. Eine neue Corona-Variante, mal wieder Schulen, mal wieder Diskussionen um Schnelltests und ungenaue Daten. Marcel Roth wundert sich nicht, dass sich 2022 kaum anders anfühlt als das vergangene Jahr.

Vor einem gelben Hintergrund sind vier Holzklötze aufgestellt, auf denen jeweils die Ziffern zwei-null-zwei und eins stehen. Eine Hand bewegt den letzten Stein von einer eins auf eine zwei.
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Einen schönen guten Abend!

Ich hoffe, 2022 hat für Sie gut begonnen. Wesentlich anders als das vergangene Jahr fühlt es sich vermutlich nicht an. Trotzdem freue ich mich, dass ich Ihnen ab heute wieder an drei Tagen in der Woche die wichtigsten Corona-Nachrichten in Ihr E-Mail-Postfach liefern darf.

Heute will ich Ihnen einen kurzen Rundumschlag bieten: Omikron, Schulen, Schnelltests und die Daten. Und ich befürchte schon jetzt, dass wir am Ende feststellen werden, das so einiges ein Unding ist im dritten Jahr der Pandemie.

Warnungen, Befürchtungen, Sorgen und Angst – all das leiten manche aus den Modellberechnungen der Wissenschaftler ab.

So auch Anfang Dezember. Da hatte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) davor gewarnt, dass über Weihnachten deutlich mehr als 5.000 Menschen auf den Intensivstationen liegen würden. Der bisherige Höchstwert lag am 7. Dezember bei 4.917. Die Prognose ist also nicht eingetreten.

Jessica Brautzsch hat für ihren Radiobeitrag bei MDR AKTUELL bei Experten nachgefragt, warum die Prognose nicht eingetreten ist. Der Grund ist ein schlimmer: Es lagen insgesamt nicht so viele Menschen auf Intensivstationen, weil sie häufiger gestorben sind.

Wie die Lage auf den Intensivstationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gerade ist, können Sie hier hören.

Im Radiobeitrag sagt der Chef der Klinik für Intensivmedizin an der Uniklinik Jena, man würde absehbar in eine Überlastungssituation kommen und er rechne damit, dass ein Drittel des Personals ausfällt. In den Kliniken würde man gerade tief Luft holen – von richtig durchatmen ist keine Rede, sagt MDR AKTUELL Reporterin Raja Kraus.

Omikron

Heute kamen deutschlandweit 5.162 neue Omikron-Fälle hinzu.

Moderna hat heute angekündigt, einen an Omikron angepassten Impfstoff bald in die klinische Entwicklung zu bringen.

In Großbritannien sind mehr Kinder mit Omikron im Krankenhaus als vorher. Das kann aber auch daran liegen, dass Kinder weniger geimpft sind und die Variante eben deutlich ansteckender ist: das altbekannte exponentielle Wachstum.

Nichts Neues in den Schulen

Nach Thüringen und Sachsen hat heute auch in Sachsen-Anhalt die Schule wieder begonnen. Richtiger: Die von Menschen live vermittelte Bildung im Schulgebäude hat wieder begonnen.

Das ist für viele ein Aufreger (siehe Omikron), für viele andere ein Segen (psycho-sozial).

Die Quote der vollständig geimpften 12- bis 17-Jährigen beträgt in Deutschland 54,5 Prozent. In unseren Bundesländern sind es:


  • Sachsen 35 Prozent,
  • Sachsen-Anhalt 38 Prozent
  • und Thüringen 41 Prozent

82 Prozent der Über-18-Jährigen in Deutschland sind zweimal geimpft, 50 Prozent sind bereits geboostert.

Die deutschen Bildungsminister sagen, sie würden "alles" tun für den Präsenzunterricht. Er habe "höchste Prioriät".

Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber bei einem "alles" tun und "höchste Priorität" fallen mir zwei Dinge ein, die gerade nicht Standard sind:


  • Luftfilter in ALLEN Räumen (nicht nur in denen, die nicht gelüftet werden können)
  • Die Fähigkeit, JEDERZEIT auf Wechsel- oder Distanzunterricht umzuschalten

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sagte heute, eine Ausfallplanung müsse jetzt auch ins Schulmanagement integriert werden, in Quarantäne geschickte Lehrer sollten zugeschaltet werden und so weiter unterrichten können, Schüler in Quarantäne sollten weiter in den Unterricht eingebunden werden.

Dass sie so etwas sagt, liegt wohl daran, dass das bislang nicht so ist.

Stark-Watzinger sagt auch, jeder Schüler solle ein Impfangebot bekommen. Ich finde, jeder Schüler sollte vor allem ein Bildungsangebot bekommen – egal ob er oder sie ins Schulgebäude gehen will.

In Sachsen-Anhalts Schulen wird nun in den ersten beiden Schulwochen täglich getestet. Vermutlich werden nur wenige überrascht sein, dass deshalb in den nächsten Tagen die Zahl der Infektionen steigt. Mein Kollege, Datenjournalist Manuel Mohr, wollte heute jedenfalls nicht dagegen wetten.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 25.255 neue bestätigte Corona-Infektionen gemeldet worden (Stand 7:10 Uhr).

Die bundesweite Inzidenz beträgt 375,7. Unsere drei Länder liegen unter diesem Wert: In Thüringen beträgt die Inzidenz 358,0. In Sachsen 323,2. Und in Sachsen-Anhalt 270,1. Das ist der niedrigste Wert in Deutschland.

Deutschlandweit haben sich bisher 59.787.106 Menschen vollständig impfen lassen. Die Impfquote ist damit über 71,9, die Quote für die Auffrischungsimpfung ist auf 42,9 Prozent gestiegen.

Deutschlandweit sind laut RKI 52 Menschen gestorben.

Im Folgenden nun die Zahlen von Behörden und Landkreisen, auf die sich die Länderministerien beziehen. Diese Werte können unter Umständen von denen des RKI abweichen, da sie meist etwas aktueller sind.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 27.892 (-1.726 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 4,12 (+0,17)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 359 (-11), davon 212 beatmet, 75 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 61,2 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 35,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 63,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,1 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 33,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 13.510 (+43)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 22.179 (-1.210 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 7,22 (-2,26)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 174 (-5), davon 92 beatmet, 105 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 66,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 41,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 69,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,5 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 37,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.175 (+8)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 1.371
  • Hospitalisierungsrate*: 6,19 (-0,09)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 147 (+4), davon 100 beatmet, 78 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 68,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 38,0 Prozent
  • 18-59 Jahre: 72,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 86,6 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 36,2 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.409 (+13)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Und weiter mit dem Rundumschlag im ersten Newsletter des Jahres.

Alles bekannt bei Schnelltests

Schlagen sie gut genug bei Omikron an? Sind sie zuverlässig genug? Das wird gerade bezweifelt. Auch weil Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im "Bericht aus Berlin" gestern gesagt hat, dass das Paul-Ehrlich-Institut an einer Liste für Schnelltests arbeiten soll, die die Omikron-Variante schnell erkennen können.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das Listen mit den zugelassenen Schnelltests und ihrer Sensitivität schon länger veröffentlicht, sagt: Es gibt in Deutschland keine Schnelltests, die unzuverlässig sind. 80 Prozent der Tests würden Omikron erkennen.

Wenn Sie mich fragen, ich bin etwas verwundert, dass wir mal wieder über die Zuverlässigkeit von Tests reden. Denn wir wissen schon länger:

  • dass sie richtig angewendet werden müssen,
  • dass sie nicht zu 100 Prozent korrekt sein müssen,
  • dass sie das Virus erst ab einer bestimmten Menge nachweisen können
  • und dass sie deshalb keinen 100-prozentigen Schutz vor Ansteckung bieten.

Alles nichts Neues.

Nichts Neues bei Daten

Ich muss noch einmal schreiben: Vor 714 Tagen wurde der erste Corona-Fall in Deutschland entdeckt. Vor 380 Tagen hat eine Frau in Halberstadt die erste Corona-Impfung in Deutschland bekommen.

Ein Datum lässt sich leicht zählen. Ansonsten sind wir auch im dritten Pademiejahr in Deutschland mit dem Zählen nicht ganz so gut:


  • Nach wie vor wird die Zahl der Infizierten nicht immer aktuell ans RKI übermittelt.
  • Nach wie vor wissen wir nicht genau, wie viele Corona-Infizierte auf den Intensivstationen geimpft und ungeimpft sind.
  • Nach wie vor wird die Hospitalisierungsrate systematisch unterschätzt.
  • Nach wie vor ist nicht sicher, ob die Impfquote vielleicht sogar höher liegt.
  • Nach wie vor wird nur erfasst, wo die Menschen geimpft werden und nicht woher sie kommen (Bremen hat eine Impfquote von 100,1)
  • Nach wie vor wissen wir nicht, wie viele Schnelltests in den Testzentren durchgeführt werden und wie viele davon zu PCR-Nachtestungen führen.

Achja: Und die Impfquote der Fünf- bis Elfjährigen gibt das RKI bislang nicht an, sondern nennt nur absoluten Zahlen (vermutlich weil die Impfung noch nicht so lange zugelassen ist).
Alles viel zu ungenau.

Manche Forscher setzen deshalb auf anonymisierte Mobilfunkdaten, um die Ausbreitung des Virus vorhersagen zu können.

Neues Jahr, aber nichts Neues

Es ist im dritten Pandemiejahr ein verheerendes Signal, wenn so vieles in Deutschland nicht funktioniert und Politiker oder Politikerinnen Maßnahmen beschließen, die auf ungenauen Zahlen beruhen. Das verspielt Vertrauen.

Der Chef des Beamtenbundes dbb wurde deshalb heute ziemlich deutlich: "Jeder Kindergeburtstag ist besser organisiert" als das staatliche Krisenmanagement, hat er gesagt. Die Verwaltung sei nicht krisenfest, 330.00 Mitarbeitende würde fehlen.

An vielen Stellen unterstützt die Bundeswehr – derzeit mit fast 7.000 Soldatinnen und Soldaten. 1.025 davon mit Mitteldeutschland (550 in Sachsen, 185 in Sachsen-Anhalt und 290 in Thüringen). Das sind 14 Prozent der eingesetzten Soldaten für 10 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Und die Männer und Frauen sind in Gesundheitsämtern im Einsatz, helfen beim Impfen, aber auch in Alten- und Pflegeheimen und in Krankenhäusern. Ein Sprecher des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr hat mir heute die genauen Zahlen geschrieben:

In Sachsen sind:

  • 245 Soldaten in Krankenhäusern,
  • 195 in Gesundheitsämtern,
  • 75 in Impfzentren und
  • 35 in Alten- und Pflegeheimen im Einsatz.

In Thüringen sind:

  • 120 Soldaten in Krankenhäusern,
  • 95 in Gesundheitsämtern,
  • 75 in Impfzentren und
  • 0 in Alten- und Pflegeheimen im Einsatz.

Und in Sachsen-Anhalt sind:

  • 95 in Impfzentren,
  • 65 in Gesundheitsämtern,
  • 15 in Alten- und Pflegeheimen und
  • 10 Soldaten in Krankenhäusern im Einsatz.

Ich glaube, daran lässt sich gut erkenne, in welchem Bundesland die Lage besonders kritisch ist – um nicht zusagen katastrophal. Denn die Bundeswehr kann ja nur im Katastrophenfall angefordert werden.

Dass die Bundeswehr in der Pandemie unterstützt – dafür können wir dankbar sein. Ihre Aufgabe ist es allerdings nicht. Und das macht dann eher wütend, 714 Tage nach dem ersten Corona-Fall in Deutschland.

Bei Ausbildung und Übung müssten bei der Bundeswehr deshalb längst Einschränkungen hingenommen werden, sagte der verantwortliche Generalleutnant der "Süddeutschen Zeitung". Sein Fazit außerdem: Beinahe alle relevanten staatlichen Instrumente müssen geschärft werden, und wir haben in vielen Bereichen großen Nachholbedarf.

Zum Schluss

Neu ist vielleicht doch etwas: die häufigeren Demonstrationen und auch die Reaktionen darauf. MDR AKTUELL hat gestern zum Beispiel über Halberstadt berichtet: Dialog statt Demo. Politiker und Politikerinnen, Ärztinnen und Ärzte haben dort Menschen eingeladen, um über die Impfung zu sprechen.

Alles Gute
Bis Mittwoch

Marcel Roth

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Dezember 2021 | 06:05 Uhr

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