Corona-Daten-Newsletter | Montag, 20. Juni 2022 Neue Debatte um die Maskenpflicht

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Eine Debatte über die Rückkehr zur Maskenpflicht ist entbrannt. Kommt sogar eine allgemeine Maskenpflicht von Oktober bis Ostern? Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Masken hängen an Leine
Aktuell ist eine generelle Maskenpflicht von Oktober bis Ostern im Gespräch. Bildrechte: IMAGO / C3 Pictures

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

tragen Sie aktuell noch eine Maske im Supermarkt? Als die Maskenpflicht beim Einkaufen Anfang April weggefallen ist, wollten viele Menschen in Mitteldeutschland freiwillig das Maskentragen beibehalten. Jetzt, fast zweieinhalb Monate später, sieht das Bild in den Innenstädten anders aus. Die Mehrheit scheint sich an die neuen Freiheiten und einen Sommer ohne Masken zu gewöhnen. Die Empfehlungen von Experten und Virologen, die Schutzmaßnahmen weiter einzuhalten, um eine Sommerwelle zu verhindern, zeigen kaum Wirkung – so ist zumindest mein Eindruck. 

Dabei ist die Debatte über eine Rückkehr zur Maskenpflicht gerade wieder entbrannt. Die Bundesregierung erwägt eine allgemeine Maskenpflicht von Oktober bis Ostern. Die wichtigsten Meinungen zum Thema lesen Sie im heutigen Update. Außerdem soll es um die psychische Belastung von Kindern in der Pandemie gehen. Und ich teile mit Ihnen neue Erkenntnisse zu Long Covid, die tierisch interessant sind. 🐕

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Maske auch im Sommer? Neue Debatte um Maskenpflicht entbrannt

Die 7-Tage-Inzidenz steigt wieder stark und dieses Mal sind besonders junge Erwachsene betroffen, die auf Festivals und Reisen gerade das nachholen, was sie in den vergangenen zwei Jahren verpasst haben. Die neue Omikron-Variante BA.5 wird zudem dominant und gilt als noch ansteckender als ihre Vorgänger. Gleichzeitig lässt die Immunität in der Bevölkerung nach. Keine gute Kombination. 

Entwicklung der Sommerwelle noch offen

Ein Team der Technischen Universität Berlin geht in Modellrechnungen davon aus, dass die Sommerwelle Inzidenzen wie im Frühjahr 2022 erreichen könnte. Noch sei die Situation in den Krankenhäusern zwar vergleichsweise entspannt, doch es bleibt offen, wie sich die Sommerferien auf die Corona-Lage auswirken werden. 

Dr. Thomas Grünewald, Vorsitzender der Sächsischen Impfkomission sieht die Lage "unaufgeregter". Die Entwicklung und ob es wirklich zu einer echten Sommerwelle kommen wird, hänge vom Verhalten aller ab, sagte er dem MDR Gesundheitsmagazin Hauptsache Gesund. Um im Sommerurlaub auf Nummer sicher zu gehen und das Virus nicht mit nach Hause zu tragen, empfiehlt er weiter Masken zu tragen und die Kontaktbeschränkungen einzuhalten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte bei einem Lagebericht zusammen mit dem RKI, dass man zwar "nicht in Panik geraten" müsse, da BA.5 bei Geimpften und Genesen milder verlaufe, jedoch nehme das Risiko für Long Covid weiter zu. Auch er rät deshalb weiter zum Maskentragen in Innenräumen.

Petra Köpping 4 min
Bildrechte: dpa

Maskenpflicht von Oktober bis Ostern?

Im Sommer wollen Gesundheits- und Justizministerium ein angepasstes Infektionsschutzgesetz vorlegen, um eine weitere Welle im Herbst einzudämmen. Die aktuell geltenden Regeln laufen zum 23. September aus. Dafür ist in der Ampel-Koalition laut "Welt am Sonntag" die sogenannte O-O-Regel im Gespräch, die man vor allem vom Autoreifenwechsel kennt. Von Oktober bis Ostern könnte dann eine weitreichende Maskenpflicht gelten. 

Das sei jedoch nur eine der Möglichkeiten, heißt es aus dem Kanzleramt. Bis zu einem endgültigen Beschluss wolle man noch einen Expertenbericht zu den aktuellen Schutzmaßnahmen abwarten, der am 30. Juni kommen soll. 

FDP zweifelt am Nutzen der Maskenpflicht

Justizminister Marco Buschmann (FDP) äußerte sich zuletzt allgemein kritisch zum Thema Masken. "Will der Staat Masken vorschreiben, etwa in Innenräumen, muss das evidenzbasiert und verhältnismäßig sein." Ob das der Fall ist, werde erst besprochen, "wenn alle Gutachten vorliegen", sagte Buschmann der "Rheinischen Post". Dabei ist die Studienlage in den vergangenen Monaten bereits eindeutig gewesen. Etliche Untersuchungen konnten beweisen, dass Masken in Innenräumen vor Ansteckungen mit Covid-19 schützen.

FFP2 Masken Wirksamkeit Zahlen
Bildrechte: MDR

Buschmann begründet seine Aussage allerdings auch damit, dass eine Maskenpflicht nicht nur evidenzbasiert, sondern auch verhältnismäßig sein müsse. Hier geht es nun also wieder darum, wo genau die Maskenpflicht festgeschrieben werden könnte. In Schulen? Im Unterricht? Im Krankenhaus? Oder auch wieder beim Einkaufen?

Die Entscheidung dazu können am Ende nicht die Sachverständigen treffen, sondern nur die Politiker. Der Vorsitzende des Weltärzteverbundes, Frank Ulrich Montgomery, kritisiert die FDP aber bereits in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe für ihre Zögerlichkeit bei der Maskenpflicht. Er fordert einen schnellen Maßnahmenplan, der nicht erst im September beschlossen wird.

Was halten Sie von einer Maskenpflicht zwischen Oktober und Ostern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an corona-newsletter@mdr.de.

Mehr Kinder und Jugendliche durch Corona in psychotherapeutischer Behandlung

Kinder gelten schon jetzt als Verlierer der Pandemie. Sie haben nicht nur etliche Schulstunden verpasst und Lernstoff versäumt, sondern auch im Alltag lange auf Kontakte mit Gleichaltrigen, Sport, Spielen und Kultur verzichten müssen. Die altbekannten Möglichkeiten zur Stressbewältigung sind damit weggefallen. Welche Spuren das hinterlassen hat, zeigt sich erst nach für nach. Die Sächsische Ärzteschaft forderte nun bei ihrer Kammerversammlung in Dresden die Landesregierung auf, das Wohl der Kinder und Jugendlichen bei Entscheidungen im weiteren Pandemieverlauf mehr zu berücksichtigen.

Pandemie für Kinder eine Belastung

Im Frühling 2020 haben sich 70 Prozent der Kinder belastet und 40 Prozent kränker als zuvor gefühlt. Zu diesem Ergebnis kommt die COPSY-Studie. Angst war zu diesem Zeitpunkt ein großer Faktor. Befunde zu Depressionen ließen sich noch nicht machen. Das hat sich im Laufe der Pandemie verändert. Im Herbst 2021 waren Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden der Kinder besser als zu Beginn der Pandemie, aber schlechter als vor der Pandemie. Man geht davon aus, dass sich Schulöffnungen und die Möglichkeit, wieder Freizeitangebote wahrzunehmen, positiv ausgewirkt haben. Kinder aus stabilen Verhältnissen werden Psychologen zufolge gut durch die Pandemie kommen. Trotzdem geht es nicht allen Kindern und Jugendlichen gleich gut.

"Vor allem ab dem Grundschulalter haben die psychischen Belastungen zugenommen und es sind vorrangig Kinder und Jugendliche betroffen, die während der Schulschließungen vor bevorstehenden Übergängen standen", so Prof. Dr. Philip Heiser, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Südharz Klinikum in Nordhausen. Mädchen seien tendenziell häufiger betroffen, ebenso Kinder und Jugendliche aus wirtschaftlich schlechter gestellten Familien. Psychische Erkrankungen, Essstörungen, Diabetes im Kindes- und Jugendalter oder Fettleibigkeit nähmen aktuell zu. Immer mehr Kinder und Jugendliche müssen in psychotherapeutische Behandlung. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz werden länger.

Die Sächsische Ärzteschaft fordert deshalb, Schulschließungen in Zukunft verantwortungsvoller abzuwägen. Die Aufarbeitung der Sekundärschäden bei Kindern und Jugendlichen und deren Familien müsse hohe Priorität haben. Nötig seien Programme, um die Folgen abzumildern oder auszugleichen, vor allem für sozial schwache Familien. Zudem müsste das Ehrenamt in Vereinen und Verbänden gestärkt und gefördert werden.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 20. Juni 2022 bundesweit 6.941 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 6:45 Uhr). Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 416 – am Montag vor einer Woche lag sie bei 331,8. Am Wochenende ist die Übermittlung durch Gesundheitsämter gesetzlich nicht verpflichtend, weshalb die Zahlen nicht das aktuelle Infektionsgeschehen widerspiegeln können.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Schleswig-Holstein (681,2), Niedersachsen (655,4) und Hessen (563,5). Die niedrigste Inzidenz hat im Moment Thüringen mit 167,2 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner pro Woche.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Hospitalisierungsrate*: 1,26 (+0,32)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 38, davon 9 beatmet, 73 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 64,6 Prozent (grundimmunisiert)
  • 12-17 Jahre: 43,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 66,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 84 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 49,1 Prozent

Thüringen

  • Hospitalisierungsrate*: 3,82 (+0,66)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 15, davon 3 beatmet, 49 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 69,4 Prozent (grundimmunisiert)
  • 12-17 Jahre: 51,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 71,3 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,8 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 52,4 Prozent

Sachsen-Anhalt

  • Hospitalisierungsrate*: 2,75 (+0,23)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 17, davon 8 beatmet, 40 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 73,4 Prozent (grundimmunisiert)
  • 12-17 Jahre: 51,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 76,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 91,2 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 55,7 Prozent

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Neue Erkenntnisse zu Long Covid

Eine Corona-Infektion mit Omikron führt seltener zu Long Covid. Laut britischen Daten erkranken 4,4 Prozent der Omikron-Patienten an Long Covid. Bei der Deltavariante waren es über zehn Prozent. Aufgrund der stark gestiegenen Zahlen von Ansteckungen insgesamt, hat aber auch die Zahl der Long Covid-Fälle deutlich zugenommen

Hunde riechen nicht nur, ob jemand das Coronavirus in sich trägt. Gut trainierte Hundenasen erkennen auch Long Covid-Patienten. Das zeigt die jüngste Studienarbeit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Damit können die Hunde, wenn es um die Erkennung von Long Covid geht, mehr als bisherige Testverfahren.

Zum Schluss ...

möchte ich Ihnen noch einen schönen Veranstaltungs-Tipp mit auf den Weg geben. Nach zwei Jahren Pandemie findet morgen wieder das kostenlose Ein-Tages-Festival Fête de la Musique statt. In vielen Städten in Mitteldeutschland gibt es Konzerte und Veranstaltungen – jeweils mit verschiedenen Hygieneauflagen. Hier können Sie nachlesen, was für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geplant ist.

Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen!

Viele Grüße

Sarah-Maria Köpf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. Juni 2022 | 19:30 Uhr

30 Kommentare

astrodon vor 4 Tagen

Kritische Menschen stellen immer wieder Behauptungen in Frage, so wie Ihre. Sie dürfen sich natürlich gern sicher sein. Beweise oder zumindest Indizien, welche Ihre Behauptung stützen, bleiben Sie natürlich schuldig.

Thommi Tulpe vor 5 Tagen

Ich bin sicher, copecle.
Es gibt aber auch immer wieder Leute, die alles infrage stellen. Für jene ist meine Sicherheit eine These.
Wollen wir jetzt philosophisch werden?

lulu2020 vor 5 Tagen

Normalbuerger
Schön für Sie, dass es in Ihrem privaten Bereich so glimpflich verlaufen ist.
In meinem privaten Bereich gab es auch noch keine schweren Verkehrsunfälle, trotzdem halte ich mich an Grschwindigkeitsbegrenzungen und schnalle mich an. Das nennt man wohl Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.

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