Deutlich mehr Fälle erwartet Omikron-Variante jetzt auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen dominant

Manuel Mohr
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Wie stark die Omikron-Variante des Coronavirus nun auch hierzulande verbreitet ist und was passiert, wenn aufgrund fehlender Kapazitäten nicht mehr alle Menschen einen PCR-Test bekommen können: Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Eine junge Frau mit Mund-Nasen-Schutz steht an einer U-Bahn-Haltestelle und blickt frontal in die Kamera.
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Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Deutschland verzeichnet in der mittlerweile fünften großen Infektionswelle bislang nie da gewesene Fallzahlen. Am Freitag wurden mehr als 140.000 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Zum Vergleich: Zu Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 vergingen fast zwei Monate, bis insgesamt etwa 140.000 Corona-Fälle in Deutschland registriert waren.

Maßgeblichen Einfluss auf die derzeit rasant steigenden Fallzahlen hat die Omikron-Virusvariante, die im Vergleich zu allen bisherigen Varianten deutlich ansteckender ist. Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern ist die Omikron-Variante in allen Bundesländern nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mittlerweile die dominante Variante:

Inzidenzen im Osten noch am niedrigsten

Nach RKI-Angaben hat sich die Omikron-Variante vor allem vom Norden aus nach und nach in Deutschland verbreitet. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen wurde der Übergang von der Delta- hin zur Omikron-Dominanz einige Wochen später vollzogen als beispielsweise in Schleswig-Holstein oder Bremen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass auch hierzulande die aktuell noch vergleichsweise niedrigen Inzidenz-Werte in den kommenden Tagen und Wochen wieder deutlich steigen.

In Sachsen-Anhalt ist dieser Kipp-Punkt offenbar schon erreicht. Seit wenigen Tagen ist dort wieder eine deutliche Zunahme der neu registrierten Corona-Infektionen zu beobachten.

PCR-Test-Kapazität bald ausgeschöpft

In der vergangenen Woche wurden deutschlandweit rund zwei Millionen PCR-Tests durchgeführt. Damit konnten zwar die Laborkapazitäten im Vergleich zu den Vorwochen nochmals erhöht werden, viel mehr ist aber aktuell nicht möglich. Das führt dazu, dass bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht mehr alle neuen Fälle mittels PCR-Test registriert werden können.

In den kommenden Tagen soll daher auf politischer Ebene über eine Anpassung der Teststrategie diskutiert werden. Denkbar ist, dass PCR-Tests priorisiert werden und beispielsweise Menschen aus dem Medizin- und Pflegesektor zuerst getestet werden. Das allein würde die Auslastung der Labore aber nicht mindern. Möglich ist daher auch, dass zeitweise nur noch Menschen mit klaren Corona-Symptomen getestet werden können.

Das wiederum hätte allerdings zur Folge, dass die täglich vermeldeten 7-Tage-Inzidenzen zunehmend ungenauer würden. Dessen ist sich das RKI auch bewusst. Im aktuellen Corona-Wochenbericht wird daher skizziert, wie die kommenden Wochen aussehen könnten, wenn die neuen Fälle die Testkapazitäten tatsächlich übersteigen sollten.

Allgemeiner Trend statt genauer Fallzahl

Um die Lage weiterhin möglichst genau einschätzen zu können, sollen verschiedene – bereits etablierte – Überwachungssysteme im Gesundheitswesen stärker in den Fokus rücken. Dazu gehören unter anderem das "GrippeWeb". Einmal wöchentlich werden dort mehrere Tausend Freiwillige aus der Bevölkerung nach kürzlich aufgetretenen Atemwegserkrankungen befragt. Zudem gibt es eine Reihe von Arztpraxen in Deutschland, die fortwährend den Anteil der Atemwegserkrankungen unter ihren Patientinnen und Patienten melden und auch die gerade im Umlauf befindlichen Viren analysieren.

Zudem werden auch bei Krankenhauseinweisungen Daten zu etwaigen Atemwegserkrankungen gemeldet, dass DIVI-Intensivregister gibt darüber hinaus einen weiteren Einblick zur aktuellen Situation im Gesundheitswesen. Laut RKI sollen alle diese Instrumente zusammen "einen sehr guten Eindruck zum Trend symptomatischer Infektionen verschiedener Schweregrade der Erkrankung und zur Belastung des Gesundheitswesens" vermitteln. Genaue Fallzahlen sind damit zwar nicht ermittelbar, eine gute Bewertung der aktuellen epidemischen Lage und deren Trends sei so aber gewährleistet.

Offen lässt das RKI aber, wie das regional häufig sehr unterschiedliche Infektionsgeschehen möglichst zeitnah und genau nachvollzogen werden kann, da die aufgeführten Überwachungsmetriken vor allem auf Bundes-, aber weniger auf Landesebene funktionieren. Zudem sind immer ungenauere Fallzahlen kontraproduktiv für politische Entscheidungen, die bestenfalls basierend auf einer Vielzahl klarer Kennzahlen gefällt werden.

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelne Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 21. Januar 2022 | 17:00 Uhr

87 Kommentare

Anita L. vor 16 Wochen

Sorry, O.B., aber bedanken oder beschweren Sie sich bei Erichs Rache für diese Metapher, ich persönlich wäre im Leben nicht auf die Idee gekommen, ein hochaggresives Virus mit einem Lebensmittel zu vergleichen. Im Übrigen sollten Sie vorsichtig sein: Lebensmittelallergien sind nicht ansteckend und man kann sich recht "einfach" gegen sie schützen, indem man die Lebensmittel meidet. Das heißt, wir bekommen im Alltag gar nicht mit, wie selten oder häufig wir jemanden mit einer Lebensmittelallergie treffen.

Anita L. vor 16 Wochen

"Ich sprach nicht von 20% erkrankte 80+ Jährige.
Sondern davon das 20% der erkrankten 80+ Jährigen versterben.

Das ist ein signifikanter Unterschied."

Ich weiß aber immer noch nicht, was Sie uns mit diesen zwanzig Prozent eigentlich mitteilen wollen? Wer verharmlost denn diese zwanzig Prozent, will ich wissen. Mir fallen da ehrlich gesagt nur die Impfgegner ein, die ja gern mit dem "Recht auf Sterben", dem "natürlichen Lauf der Dinge" oder der "freiwilligen Isolation" der vulnerablen Gruppe argumentieren. Und diese "Argumente" erachte ich schon von Anfang an als einfach unterirdisch und nicht akzeptabel, die nehme ich noch nicht einmal zur Kenntnis.

Also, erklären Sie doch bitte einmal, was genau Sie uns mit den 7 Prozent Begegnung und 20 Prozent Todesfälle eigentlich mitteilen wollen.

Anita L. vor 16 Wochen

Shantuma, das ist nicht schwach, sondern eine Regel, die Ihnen im Grundlagenseminar zu qualitativen und quantitativen Methoden beigebracht wird. Und wie Sie es richtig sagen: Zu Omikron können wir noch nichts abschließend sagen, weil (Sie nennen es zeitliche Verzögerung) die Daten noch im Prozess sind. Man kann also Prognosen errechnen und Wahrscheinlichkeiten, aber ganz bestimmt nicht die vorliegenden Zahlen wie jene abgeschlossener oder weit breiter untersuchter Prozesse (wie Influenza) behandeln oder sogar ihnen gleichsetzen.

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