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Eine Studie des RKI kommt zu dem Ergebnis, dass die Fallzahlen in den kommenden Tagen und Wochen noch deutlich steigen können, eine Überlastung des Gesundheitssystems dennoch eher unwahrscheinlich ist. Bildrechte: IMAGO / Everett Collection

Modellierung des RKIWelchen Verlauf die Omikron-Welle in den kommenden Wochen nehmen könnte

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 04. Februar 2022, 18:11 Uhr

Anhand der verfügbaren Corona-Fallzahlen lassen sich oftmals nur vergangene Trends und Entwicklungen des Infektionsgeschehens nachvollziehen. Eine Modellierung wagt den Blick in die Zukunft und zeigt, was in den kommenden Wochen passieren könnte – die Modellierung ist aber keine exakte Vorhersage des Infektionsgeschehens.

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Die Omikron-Welle in Deutschland baut sich immer weiter aus. Gemessen an der Zahl der registrierten Corona-Fälle ist das Infektionsgeschehen aktuell so hoch wie nie zuvor währen der Pandemie in Deutschland. Am Freitag lag die 7-Tage-Inzidenz bundesweit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei einem Wert von 1.349,5:

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In Sachsen-Anhalt stieg der Inzidenzwert am Freitag erstmals über den Wert von 1.000 und liegt aktuell bei 1.014,6. In Sachsen (859,1) und Thüringen (647,2) liegen die gemessenen Werte deutlich niedriger, sind zuletzt aber ebenfalls deutlich angestiegen.

Modell simuliert möglichen Verlauf der Omikron-Welle

Bis auf welche Werte die täglich registrierten Infektionen und die damit verbundene Auslastung der Krankenhäuser noch steigen könnten, damit hat sich eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des RKI und der HU Berlin beschäftigt. Ziel der Forschungsarbeit war es, mögliche Verläufe der Omikron-Welle in Deutschland im Zeitraum von Anfang Januar bis Ende März zu modellieren. Damit soll abgeschätzt werden, welche Größenordnungen und Verläufe die Omikron-Welle unter verschiedenen Annahmen erreichen könnte.

Die Forschenden kamen in ihren Modellberechnungen zu dem Ergebnis, dass bis zum Höhepunkt der Omikron-Welle – den wir zwischen Mitte Februar und Anfang März erreichen könnten – die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Mittel bei rund 300.000 liegen könnte:

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Dass laut Modellierung auch deutlich niedrigere und auch höhere Fallzahlen möglich sind, liegt an zahlreichen Größen, die Einfluss auf den Pandemieverlauf haben und dementsprechend mit berücksichtigt werden mussten. Wichtige Einflussfaktoren sind beispielsweise die Geschwindigkeit, mit der sich Omikron von einer infizierten Person zur nächsten verbreitet und wie gut Booster-Impfungen tatsächlich gegen eine Infektion schützen.

Großen Einfluss hat auch das Kontaktverhalten der Bevölkerung. Je nachdem, wie stark die Kontakte aufgrund allgemeiner Vorsicht oder politischer Maßnahmen eingeschränkt werden – oder eben auch nicht, verändert sich der Verlauf der Infektionswelle.

Überlastung der Kliniken unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen

Neben der Entwicklung der Fallzahlen haben die Forscherinnen und Forscher auch modelliert, wie sich die Lage in den Kliniken und insbesondere auf den Intensivstationen in den kommenden Wochen weiterentwickeln könnte. Die meisten Simulationen kamen zu dem Ergebnis, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle nicht auch zu neuen Höchstwerten bei der Intensivbetten-Auslastung führt:

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Das Modell ist allerdings auf Deutschland als Ganzes angelegt. Regional kann es dennoch passieren, dass Krankenhäuser an ihr Limit kommen. Sei es durch zu viele Patienten oder aber auch, weil gleichzeitig ein Großteil des medizinischen und pflegerischen Personals aufgrund von Covid-19-Erkrankungen ausfällt oder in Quarantäne muss.

Modellierung ist explizit keine Prognose

Nach RKI-Angaben handelt es sich bei der Studie explizit um keine Prognose des Infektionsgeschehens. Denn dafür gibt es zu viele Einflussfaktoren, die eine exakte Vorhersage unmöglich machen. Eine Modellierung hingegen geschieht immer anhand einer Reihe von Annahmen und Vereinfachungen. Beispielsweise wurde in der Studie keine separate Betrachtung der verschiedenen Altersgruppen vorgenommen.

Aktuell liegen die tatsächlichen Fallzahlen trotz täglicher Schwankungen nah am modellierten Mittelwert. Ähnliches gilt für den modellierten Verlauf der Intensivbetten-Auslastung:

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Die Ergebnisse der Modellierungen sind nach RKI-Angaben bereits mehrfach dem Bundesgesundheitsministerium vorgestellt worden und auch Bestandteil der Beratungen zur Pandemie-Politik.

7-Tage-Inzidenz zeigt nur Ausschnitt des realen Geschehens

Angesichts der immer weiter steigenden 7-Tage-Inzidenzen wird es in den kommenden Tagen und Wochen immer wichtiger zu verstehen, dass die Inzidenz-Angaben zunehmend mit Limitationen behaftet sind, von denen drei besonders relevant sind:

  1. Die 7-Tage-Inzidenz gibt nur Auskunft über die Corona-Fälle, die mittels PCR-Test registriert wurden. Nach RKI-Angaben gehen Wissenschaftler davon aus, dass nur etwa jede zweite Corona-Infektion registriert wird, weil viele Infektionen auch symptomfrei oder so mild verlaufen, dass kein Test durchgeführt wird.
  2. Das Ergebnis eines PCR-Tests muss zeitnah in offizielle Statistiken eingepflegt werden. Andernfalls wird der Fall nicht in die aktuelle 7-Tage-Inzidenz eingerechnet. Laut Daten des RKI erhöht sich eine am Tag vermeldete Inzidenz-Angabe nachträglich noch um zehn bis 20 Prozent.
  3. Die Zahl der registrierten Fälle allein gibt keine Auskunft über die Belastung des Gesundheitssystems. Aktuell sind beispielsweise die Infektionszahlen so hoch wie nie zuvor, die Auslastung der Krankenhäuser hingegen liegt deutlich unter den Werten der vergangenen Wellen.

Wichtig ist also, sich ständig vor Augen zu führen, dass die reale Zahl der Infektionen in der Bevölkerung deutlich höher sein dürfte als der offiziell vermeldete Inzidenzwert. Gleichwohl ist es für das Einschätzen der Gesamtlage wichtig, auch Werte wie die Hospitalisierungsrate und die Belegung der Intensivbetten zu betrachten, die zusammen die Belastung des Gesundheitssystems abbilden.

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MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 04. Februar 2022 | 11:00 Uhr

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