Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Rettungsschwimmer fehlen wegen Corona in Mitteldeutschland

Die diesjährige Badesaison liegt noch in der Ferne. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Es fehlen immer mehr Rettungsschwimmer in Mitteldeutschland. Wegen der Corona-Pandemie gibt es auch weniger Trainingsmöglichkeiten. Wie sieht es in den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus und wie gehen DLRG und Wasserwacht die Probleme an? Ein Überblick.

Rettungsschwimmerin übt ihre Einsatzfähigkeit. Sie krault mit einem gelben Gegenstand mit der Aufschrift "DLRG" durchs Wasser.
Regelmäßiges Üben ist auch beim Schwimmen wichtig, in der Pandemie aber schwierig. Bildrechte: Erik Hoffmann

Die Corona-Pandemie stellt die Ausbildung von Rettungsschwimmerinnen und -schwimmern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor große Herausforderungen. Wie der sächsische Landesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) dem MDR mitteilte, fehlen der Gesellschaft allein in Sachsen mehr als 800 ehrenamtliche Einsatzkräfte. Auch unter den 1.900 qualifizierten Rettungsschwimmern seien nicht alle wirklich einsatzfähig, sagte Landesgeschäftsführer Sebastian Knabe. Grund seien die aktuellen Notverordnungen und Schwimmhallenschließungen. Rettungsschwimmern fehle deshalb der Nachweis ihrer Rettungs- und Einsatzfähigkeit, der alle zwei Jahre erneuert werden müsse.

DLRG Vorstand Sebastian Knabe
Bildrechte: Sebastian Knabe

Zwar hat der Bundesverband der DLRG hier entsprechende Übergangsregelungen mit Bezug auf den Lizenzfortbestand getroffen, dennoch macht es einerseits das theoretische Wissen und andererseits die sportliche Fitness der Einsatzkräfte nicht besser.

Sebastian Knabe Landesgeschäftsführer der DLRG Sachsen

DLRG: Bäder-Infrastruktur in Sachsen unzureichend

Nach der aktuellen Corona-Notverordnung dürfen die Rettungsschwimmer zwar zu Trainings- und Ausbildungszwecken in die Schwimmhallen. "Badbetreiber können aufgrund der Verordnung aber nicht mehr kostendeckend öffnen, wenn andere Gruppen nicht reindürfen", erklärte Knabe. Die Folge von mangelnden Trainingsmöglichkeiten sei auch ein Mitgliederschwund. Allein die Ortsgruppe in Zittau habe innerhalb eines Jahres etwa 100 Mitglieder verloren.

Ein weiteres Problem ist laut Knabe neben der Abwanderung von jungen Leuten in die Großstädte die Infrastruktur in Sachsen. "Die 118 Schwimmhallen in Sachsen reichen nicht für alle Nutzergruppen aus". Die sächsische Landesregierung müsse endlich reagieren und mehr in den Bau und die Sanierung von Schwimmbädern investieren verlangt der DLRG-Landesgeschäftsführer. "Schwimmen ist Daseinsvorsorge".

Wasserwacht: Nur zehn Prozent der Mitglieder können trainieren

Auch die DRK-Wasserwacht Sachsen beklagt fehlende Einsatz- und Trainingsmöglichkeiten für ihre Rettungsschwimmer. Der Landesverband zählt derzeit nach eigenen Angaben knapp 5.500 Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer in 59 Ortsgruppen. "In zehn Prozent der sächsischen Ortsgruppen ist aktuell das Training der Wasserwacht für alle Mitglieder unter Auflagen möglich," wie der DRK-Landesverband mitteilte. In einigen Ortsgruppen sei lediglich das Trainieren für Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren möglich. Für gut ein Drittel aller Gliederungen bestehe aktuell jedoch keine Möglichkeit, sich im Schwimmen fit zu halten.

Jedes Jahr sind auch Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer aus Sachsen an Urlaubsorten an Nord- und Ostsee im Dienst. Das fehlende Training stellt damit nicht nur für die Bäder und Badestellen in Sachsen ein Problem dar.

Joachim Weiß Landesreferent der Wasserwacht Sachsen

Bereits in der Saison 2021 erhielt die Wasserwacht Sachsen nach eigenen Angaben viele Anfragen von Bad- und Badestellenbetreibern, die Rettungsschwimmer gesucht haben. Doch die Ausbildung stocke. Schon für die Jahre 2019/2020 seien rund 30 Prozent weniger Rettungsschwimmabzeichen abgenommen worden. Die Wasserwacht fordert deshalb wieder flächendeckend Trainingsmöglichkeiten. "Nur so kann die Einsatzfähigkeit der Rettungskräfte, insbesondere in kommunalen Bädern und Strandbädern, sichergestellt werden."

Lange Wartelisten für Schwimmausbildung in Thüringen

Mit ähnlichen Problemen wie in Sachsen hat auch der DLRG-Landesverband in Thüringen zu kämpfen.

Die Pandemie mit den monatelangen Schließungen und Einschränkungen bei der Nutzung der Schwimmhallen und Bädern hat massiv unsere Ausbildung sowohl in der Schwimm- als auch Rettungsschwimmausbildung beschnitten.

Harry Sloksnat Präsident des DLRG-Landesverband Thüringen

Die Wartelisten für die Anfänger- Schwimmausbildung sind dem Verband zufolge lang. "Die uns zur Verfügung stehenden Wasserzeiten werden in aller Regel voll ausgelastet und auch abgesichert", sagte Präsident Harry Sloksnat dem MDR. Zudem habe es in den Ferien zusätzliche Lehrgänge gegeben, die den Nachholbedarf mildern konnten. Im Thüringer Landesverband gibt es den Angaben zufolge 600 ausgebildete Rettungsschwimmer.

In Sachsen-Anhalt fehlen Schwimmmeister

In Sachsen-Anhalt sind es weniger die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer, die dem DLRG-Landesverband Sorge bereiten. Der Verband geht davon aus, dass auch in diesem Sommer wieder genug Rettungsschwimmer zur Verfügung stehen. Aktuell gebe es etwa 800 Ehrenamtliche mit entsprechender Ausbildung. Das Problem bei der Absicherung von Bädern: Es gebe zu wenig Schwimmmeister, sagte Geschäftsführer Holger Friedrich dem MDR. "In vielen Bädern fehlen diese Fachkräfte. Die dadurch entstehende Lücke kann durch ehrenamtliche Arbeit nicht geschlossen werden." Das Berufsbild und die Ausbildungszahlen bei den Schwimmmeistern müssten dringend verbessert werden.

Auch in Sachsen-Anhalt wurden nach Angaben der DLRG aber pandemiebedingt weniger Rettungsschwimmer ausgebildet, durch zusätzliche Projekte im Sommer sei die Ausbildungslücke verringert worden. "Ganz wichtig ist, dass keine für die Schwimmausbildung tauglichen Bäder geschlossen werden dürfen, damit die Lücke nicht wieder größer wird." Friedrich geht davon aus, dass Ausbildungsdefizite noch länger bestehen, "denn leider ist die Pandemie noch nicht zu Ende."

Quelle: MDR/kb

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