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Neue Impfstoffe gegen Covid-19 wie Valneva sind derzeit in der Entwicklung. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Der RedakteurLohnt sich das Warten auf den Totimpfstoff?

von Thomas Becker, MDR THÜRINGEN

Stand: 16. Dezember 2021, 16:42 Uhr

Viele Menschen sind skeptisch, was die neuen mRNA-Impfstoffe gegen das Corona-Virus betrifft. MDR THÜRINGEN-Hörerin Jutta Stieber aus Probstzella fragt: Lohnt sich das Warten auf den Totimpfstoff?

Die ersten Daten bei den "herkömmlichen Impfstoffen" sind ermutigend, wenngleich Omikron noch die große Unbekannte ist. Die Kandidaten, auf die viele Wartende setzen, sind Novavax und Valneva.

Infektiologe plädiert für Impfen statt Warten

Wobei Novavax kein Totimpfstoff ist, wie häufig zu lesen ist, sondern ein Protein-Impfstoff. Valneva hingegen arbeitet tatsächlich mit abgetöteten Viren. Alles hat Vor- und Nachteile. Wären diese Impfstoffe bereits verfügbar, spräche nichts gegen eine Impfung, das Warten darauf ist aber durch gar nichts zu rechtfertigen. Denn angesichts der derzeitigen Infektionslage wird einfach die völlig falsche Frage gestellt, sagt Prof. Mathias Pletz, Infektiologe am Uniklinikum Jena.

Mit dem Warten entscheidet man sich mit ziemlicher Sicherheit nicht für einen Impfstoff, sondern für eine Infektion. Und das ist immer die schlechtere Wahl: "Es geht nicht um die Frage: Totimpfstoff oder Proteinimpfstoff oder mRNA? Sondern es geht nur darum: Impfen oder Infizieren?"

Es geht nicht um die Frage: Totimpfstoff oder Protein-Impfstoff oder mRNA? Sondern es geht nur darum: Impfen oder Infizieren?

Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jena

"Gegenargumente" betreffen alle Impfstoffe

Das Warten verlängert einfach nur die Pandemie. Und sämtliche "Gegenargumente" von Unfruchtbarkeit über schädliche Zusatzstoffe, Chips, Nebenwirkungen, unerforschte Langzeitfolgen, Autoimmunreaktionen, Todesopfer und Allergien sind allesamt entweder frei erfunden, wissenschaftlich komplett widerlegt oder treffen auf jeden Impfstoff zu, der auf dem Markt ist.

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Welche Impfstoffe sind aktuell in der Zulassungsphase?

Insgesamt sind fünf Impfstoffe in der Zulassungsphase der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), darunter drei Kandidaten, auf die viele Menschen warten. Das ist der russische Impfstoff Sputnik V, das ist der Protein-Impfstoff von Novavax (Nuvaxovid NVX-CoV2373 aus den USA und Schweden) und das ist der Totimpfstoff von Valneva (VLA2001 aus Frankreich und Österreich). Bei Novavax und Valneva wird eine Zulassung in der EU im ersten Quartal 2022 erwartet. Laut Mitteilung der EMA von Anfang Dezember wird der Impfstoff beschleunigt geprüft und wohl früher zugelassen, als zu dem von Valneva selbst angepeilten Termin April 2022. Die Bewertung von Novavax durch die EMA läuft seit November 2021. "Novavax hat gerade eine Pressemitteilung herausgegeben, dass sie nicht wissen, ob der Impfstoff gegen Omikron wirkt. Das wird gerade geprüft. Die Zulassung dürfte das aber nicht beeinflussen", sagt Prof. Mathias Pletz.

Novavax hat gerade eine Pressemitteilung herausgegeben, dass sie nicht wissen, ob der Impfstoff gegen Omikron wirkt. Das wird gerade geprüft. Die Zulassung dürfte das aber nicht beeinflussen.

Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jen Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jena

Wie funktioniert der Protein-Impfstoff Novavax?

Dafür wird das Spike-Protein in einer Zellkultur hergestellt. Dieses Eiweiß wird zusammen mit einem Immunverstärker gespritzt. Das ist ein sogenannter Spalt-Impfstoff, der eben nur einen Teil des Virus enthält, in diesem Falle das Spike-Protein, gegen das sich die Immunreaktion richtet. Allerdings geht es ohne Verstärker nicht. Das sind in der Regel Naturstoffe, zum Beispiel Aluminiumsalze, die uns auch sonst im Alltag begegnen, Stichwort Nahrung oder Deos. Allerdings ist die Dosierung im Impfstoff sehr gering.

Die mögliche Folge dieser Verstärker: Besonders bei jüngeren Menschen kann es zu einer stärkeren Impfreaktion kommen. Also: Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle und Abgeschlagenheit. Diese Impfstofftechnologie wird zum Beispiel bei Hepatitis B angewandt und auch bei einigen Grippe-Impfstoffen. "Es gibt etwas stärkere Impfreaktionen, die führen aber auch zu einem höheren Antikörperspiegel", so der Infektiologe.

Die Wirksamkeit liegt bei über 90 Prozent, ist also vergleichbar mit der Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe. Allerdings sind viele Studiendaten noch aus der "Alpha-Zeit" des Virus, die Wirkung auf die Delta-Variante wird im Labor aktuell untersucht, ebenso auf Omikron.

Novavax ist ein sogenannter Protein-Impfstoff. Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

Wie funktioniert ein Totimpfstoff wie Valneva?

Hierfür nimmt man das komplette Virus, das in einer Zellkultur vermehrt wird. Dieses wird mit unterschiedlichen Verfahren zum Beispiel durch Bestrahlung oder chemische Stoffe inaktiviert, es ist also nicht mehr vermehrungsfähig, die Erbinformation ist damit zerstört. Diese Bruchstücke werden dann verimpft, allerdings auch wieder mit einem "Verstärker" wie Aluminiumsalzen. "Der Vorteil einer solchen Impfung ist, dass man dem Körper die komplette Virusstruktur anbietet", erklärt Pletz.

Woran klemmt es aktuell bei Sputnik V?

Sputnik V hat aus der Sicht von Prof. Pletz keinen Mehrwert gegenüber Astrazeneca, weil dieser Impfstoff ähnlich aufgebaut ist. Das Problem ist die Datenlage. Die Zulassungsverfahren in den westlichen Ländern unterscheiden sich deutlich von dem, was in Russland nötig ist. Zumindest haben Wissenschaftler, die - wie bei uns üblich - die Rohdaten von den russischen Entwicklern angefordert haben, also die Patientenakten zum Beispiel, diese nicht erhalten.

Prof. Pletz vergleicht die Vorgehensweise der europäischen Überwachungsbehörden mit der der Steuerfahndung. Die Studien müssen absolut transparent und nachvollziehbar entstehen und das wird auch unangemeldet überprüft. Das gestaltet sich schwierig in Russland – und übrigens auch in China.

"Klinische Studien in der westlichen Welt sind extrem reguliert. Sie müssen jederzeit damit rechnen, dass lokale oder auch internationale Behörden unangemeldet bei Ihnen anklopfen und sagen: Zeigen Sie mir jetzt die Dokumente der Patienten", so der Professor.

Diese sogenannten Audits fanden in Russland offenbar nicht statt, zumindest nicht durch die internationalen Behörden. Die EMA lehnt es aus guten Gründen ab, andere Maßstäbe anzulegen, als bei den Herstellern aus Deutschland, England oder den USA.

Klinische Studien in der westlichen Welt sind extrem reguliert. Sie müssen jederzeit damit rechnen, dass lokale oder auch internationale Behörden unangemeldet bei Ihnen anklopfen und sagen: Zeigen Sie mir jetzt die Dokumente der Patienten

Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jena

Warum gibt es Impfdurchbrüche?

Dieser Punkt erschwert im Alltag die Diskussion über die Impfungen. Dabei gehen viele Menschen von völlig falschen Vorstellungen aus. Natürlich baut ein Impfstoff keine Schutzhülle auf, natürlich kann das Virus auch die Schleimhäute von Geimpften erreichen und somit für positive Testergebnisse sorgen. In den allermeisten Fällen spüren die Betroffenen nichts oder haben etwas Husten. Wegen des Hustens bräuchten wir aber keine Pandemie auszurufen. "Das ist nicht das, was unser Gesundheitssystem belastet", sagt der Immunologe.

Es geht darum, die schweren Fälle und die Todesfälle zu verhindern und das – so Prof. Pletz – tun die Impfstoffe sehr zuverlässig. Allerdings haben wir nur eine – übrigens verglichen mit Grippeimpfstoffen sehr hohe – Wirksamkeit von 95 Prozent. Das heißt aber nicht, dass der Impfstoff bei fünf Prozent der Menschen gar nicht wirkt, sondern nur eben nicht so gut.

Persönliche Dispositionen, gerade im Bereich des Immunsystems, spielen hier eine große Rolle. Wenn bei rund 60 Millionen vollständig geimpften Personen fünf Prozent keinen ausreichenden Schutz haben, sind das rechnerisch drei Millionen Menschen. Dazu kommen die, bei denen der Impfschutz schneller nachlässt, als man gehofft hat und denen die Booster-Impfung dringend empfohlen wird. In der Summe sind wir also bei einer Größenordnung, die im Alltag sichtbar ist. Sie ist aber eben kein Beweis dafür, dass die Impfung nicht wirkt. Die Empfehlung von Prof. Pletz: Nicht nur auf die drei Leute im persönlichen Umfeld schauen, die trotz Impfung Symptome haben, sondern auf die vielen anderen, die eben nicht erkranken. Drei zu 60 rechnerisch.

Warum müssen wir nun sogar geboostert werden und wie oft?

Das ist ein Punkt, an dem die Kommunikation in der Pandemie etwas versagt hat. Das Schema, dem die meisten Corona-Impfstoffe folgen, ist das sogenannte 2+1 Schema. Das kennen wir von der Sechsfach-Impfung der Säuglinge, die gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B schützt. Die Empfehlung, die erste Impfung im Alter von acht Wochen zu geben und die folgenden Impfungen im Alter von vier und elf Monaten, erinnert stark an unsere Corona-Impfungen.

Zwar hatten viele Wissenschaftler die Hoffnung, dass die Immunantwort nach zwei Impfungen ausreicht und stabil genug ist, doch diese hat sich nicht erfüllt. Möglicherweise müssen wir auch immer mal wieder "nachfassen" also wie bei der Grippe nach einem Jahr, vielleicht reichen aber auch größere Abstände wie bei Tetanus. Vielleicht ist es aber auch nur noch bei bestimmten Bevölkerungsgruppen empfehlenswert. Wir wissen es noch nicht. "Dieses 2+1 Schema ist aus der Geschichte der Medizin entstanden. Das sind Erfahrungswerte", erklärt Pletz.

Hilft das Boostern auch gegen Omikron und weitere Varianten?

Die Antikörper wirken auf ein Virus nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Mutationen sorgen in der Regel dafür, dass beide immer weniger gut zusammenpassen. Allerdings lässt sich die Wirksamkeit eines Antikörpers gut beschreiben als das Produkt aus Passfähigkeit und der Höhe der Antikörperspiegel. Das heißt: Das Boostern gleicht das aus, was Omikron & Co. kaputtmachen.

Mutationen wie Omikron sorgen dafür, dass die Wirksamkeit von Imfpungen nachlässt. Bildrechte: imago images/NurPhoto

Warum bestimmt man vor einer Impfung nicht einfach den Antikörperspiegel?

Es gibt schlicht und ergreifend noch keinen Wert, bei dem man zuverlässig sagen kann, ab hier beginnt der Schutz. Es gibt Menschen, die haben mit einem sehr hohen Antikörperspiegel milde Verläufe. Andere sind komplett geschützt, ohne dass überhaupt Antikörper gemessen werden, weil sie eine hohe T-Zell-Antwort haben. Diese zellulare Antwort ist aber viel schwerer zu bestimmen.

Und es spielen weitere Faktoren hinein, wie das angeborene Immunsystem. Wegen dieser Unsicherheiten haben sich weltweit die Wissenschaftler noch nicht auf einen Wert einigen können, der zuverlässig auf die meisten Menschen zutrifft. Das bedeutet: Wir können zwar die Antikörper bestimmen, haben dann aber einen Wert, der alles bedeuten kann oder nichts.

Wie schlimm sind die Allergien beim Impfen?

"Allergien werden total überbewertet", sagt Prof. Pletz. Dazu trugen auch "Beweis"-Fotos und -Videos bei, die durch die sozialen Netzwerke kreisen, die in den allermeisten Fällen mit etwas Mühe auf Quellen zurückzuführen sind, die entweder nicht vertrauenswürdig sind oder ein Entstehungsdatum haben, das weit vor der Pandemie liegt.

Die schwerste Form einer Allergie ist der Allergieschock, der - besonders, wenn er erwartbar ist - auch gut beherrscht werden kann. Deswegen gibt es Mediziner, die die Impfung in der Apotheke oder gar durch Tierärzte durchaus kritisch sehen. "Wird der Allergieschock beherrscht, geht der Patient eigentlich ohne bleibende Schäden aus der Geschichte heraus, wenn man ihn nicht beherrscht, verliert er zum Teil sein Leben", erklärt der Professor.

Impfungen und Nebenwirkungen

Allerdings sind solche Allergieschocks sehr selten und können bei allem Möglichen auftreten. Wenn man Millionen Menschen Erdnussbutter gibt, so Prof. Pletz, wird es einige Menschen geben, die mit einem Allergieschock reagieren. Bei den mRNA-Impfungen sind diese Allergieschocks zwischen drei bis sieben Mal bei einer Million Impfungen aufgetreten.

Diese Wahrscheinlichkeiten unterscheiden sich nicht von anderen Impfstoffen. Auch nicht von den Totimpfstoffen. Denn oft richtet sich die Allergie gegen Zusatzstoffe, wie zum Beispiel Konservierungsstoffe, die übrigens identisch sind mit denen, die wir uns in Kosmetika ständig auf die Haut schmieren. Dadurch werden auch die Grundlagen für eine spätere allergische Reaktion gelegt.

Wird der Allergieschock beherrscht, geht der Patient eigentlich ohne bleibende Schäden aus der Geschichte heraus, wenn man ihn nicht beherrscht, verliert er zum Teil sein Leben.

Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jena

Welche Nebenwirkung ist eigentlich schlimmer, die der Impfung oder die der Infektion?

Eindeutig die der Infektion. Wer eine entsprechende Disposition hat, der wird wegen der Verbreitung des Virus der Gefahr nicht ausweichen können. Viren - dazu zählen neben Corona- auch die Grippeviren - lösen zum Beispiel Herzmuskelentzündungen aus. Das ist bekannt. Da spielen überschießende Reaktionen des Immunsystems eine Rolle. Diese werden heftiger ausfallen, wenn das komplette Virus auf einen Ungeimpften trifft.

Bei der Impfung besteht zudem der Vorteil, dass man sozusagen den "Kontakttermin" kennt und sich entsprechend beobachten kann. Unabhängig davon sind schwere Nebenwirkungen sehr selten.

Was ist bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen?

Alle Daten zeigen, egal ob es Influenza ist, Multiple Sklerose oder eine Organabstoßung nach Transplantationen: Die natürliche Infektion birgt ein viel höheres Risiko für einen Schub oder eine Komplikation. Insofern ist es wirklich eine ganz nüchterne Nutzen-Risiko-Abwägung aufgrund der Zahlen, die jeder in den Fachveröffentlichungen nachlesen kann.

Wenn jemand der Auffassung ist, dem Virus in diesem Winter entfliehen zu können, dann kann er auf einen Impfstoff warten. Aber Prof. Pletz hält das für nicht realistisch und empfiehlt die "neuen" Impfstoffe, die so neu gar nicht sind. Denn das komplette Virus - auch wenn es abgetötet wurde bei den Totimpfstoffen - wird zwar zu einer sehr breiten Immunantwort führen und das auch bei neuen Varianten, aber die Gefahr, dass eine Autoimmunreaktion getriggert wird, ist etwas höher. Ganz einfach, weil mehr vom Virus angeboten wird, auf das das Immunsystem reagieren kann.

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Wie gut sind die neuen mRNA-Impfstoffe erforscht?

Die Impfstoffe sind nicht so neu, wie immer erzählt wird. Die Entwicklung begann vor mehr als 30 Jahren. Damit wurden mittlerweile Milliarden Menschen geimpft. Diese Impfungen sind besser überwacht als sämtliche Impfstoffe Ende des 20. Jahrhunderts. Damals gab es diese Überwachungen noch gar nicht in dem Maße. Auch keine "Langzeitüberwachungen".

Prof. Pletz ist sich zum Beispiel sicher, dass die Sinusvenenthrombose bei Astrazeneca - wenn das ein normaler Impfstoff gewesen wäre, wie der gegen Gebärmutterhalskrebs - gar nicht aufgefallen wäre. Ganz einfach, weil man gar nicht so viele Menschen in so kurzer Zeit geimpft hätte. Das wären sporadische Fälle gewesen und man hätte diese nie in den statistischen Zusammenhang bringen können.

Das bedeutet: Die Nebenwirkungen, die jetzt für Panik sorgen, sind bei Medikamenten oder früheren Impfstoffen gar nicht aufgefallen beziehungsweise werden auf den Beipackzetteln durch uns gern ignoriert. Nach dem Motto: Ach, ich doch nicht!

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Ist Omikron schon die "Ausstiegsvariante" aus der Pandemie?

Grundsätzlich ist das Töten des Menschen aus Virussicht eine ziemlich dämliche Idee. Schließlich braucht das Virus den Wirt, um sich zu vermehren. Deshalb setzen sich letztlich meistens die Mutationen durch, die nur harmlose Erkrankungen auslösen. Allerdings ist der Weg dahin nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" mitunter schmerzlich für uns als einzelner Mensch oder aktuell als Menschheit.

Auch wenn Omikron zwar ansteckender zu sein scheint und die Verläufe aber leichter sind, wir können die Daten aus Südafrika nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Unter anderem deshalb, weil die deutsche Bevölkerung durchschnittlich älter ist, was bekanntlich ein Risikofaktor ist und wahrscheinlich auch weniger durchimmunisiert.

Die optimistischste Annahme ist, dass eine harmlosere Variante auf eine weitgehend geimpfte und geboosterte Bevölkerung trifft und für einen zusätzlichen natürlichen Booster sorgt. Dann wäre die Pandemie überstanden. "Es kann sein, dass wir dann so viel Immunität in der Bevölkerung haben, dass wir zwar weiterhin jedes Jahr sporadisch schwere Fälle sehen werden, aber das tun wir bei Influenza auch", gibt der Immunologe zu bedenken.

Es kann sein, dass wir dann so viel Immunität in der Bevölkerung haben, dass wir zwar weiterhin jedes Jahr sporadisch schwere Fälle sehen werden, aber das tun wir bei Influenza auch

Prof. Mathias Pletz, Immunologe Uniklinik Jena

Das mag dramatisch sein für den Einzelnen, weshalb sich die Impfung weiterhin lohnt, aber es wird das Gesundheitssystem nicht überlasten und auch nicht dafür sorgen, dass OPs verschoben werden müssen.

Corona würde sich dann einreihen und zu einer "normalen" Atemwegserkrankung werden, wie andere auch. Je schneller wir alle geimpft sind, umso schneller wird dieser Zustand erreicht sein. Dazu trägt jeder Piks bei.

Impfungen helfen, dass Corona zu einer "normalen" Atemwegserkrankung wird. Bildrechte: dpa

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. Dezember 2021 | 15:10 Uhr