Bundeswehr Munitionsaffäre: Ermittlungen gegen KSK-Kommandeur

In der Affäre um verschwundene Munition beim Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr wird nun das Verhalten des Kommandeurs der Eliteeinheit disziplinarisch geprüft.

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) stürmen auf dem Kasernengelände während einer Übung in eine Tür.
Die Elitekräfte vom KSK stehen seit Monaten im Fokus, weil bei ihnen viel Munition verschwunden ist. Bildrechte: dpa

In der Affäre um verschwundene Waffen bei der Elite-Einheit KSK hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ein Vorermittlungsverfahren gegen den zuständigen KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr einleiten lassen. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, geht es um den "Verdacht der Verletzung von Dienstpflichten im Zusammenhang mit einer Munitions-Sammelaktion".

Nachdem im vergangenen Jahr aufgeflogen war, dass beim KSK 13.000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff abhanden gekommen sind, soll Kreitmayr die Möglichkeit zur anonymen und straffreien Rückgabe geschaffen haben. Trotz der Vorermittlungen bleibe General Kreitmayr auf seinem Posten, erklärte Kramp-Karrenbauer. Er habe ein "faires und transparentes Verfahren verdient".

"Systematische Missachtung von Regeln"

Kramp-Karrenbauer sprach am Sonntag von einer "Kultur der systematischen Missachtung von Regeln beim Umgang mit Munition", das vor der Übernahme des Kommandos durch General Kreitmayr beim KSK geherrscht habe. Dies werfe auch Fragen an die Kommandoebene des KSK "mindestens der Jahre 2017 und 2018" auf. Neben Kreitmayr steht unter anderem ein Oberstleutnant im Visier der Ermittler. Er soll die KSK-Inventurdaten des Jahres 2018 komplett gelöscht haben.

Am Montag will die Ministerin zum Sitz des KSK nach Calw reisen, um persönlich mit den Soldaten zu sprechen. Am Dienstag will sie dann den zweiten Zwischenbericht zur Umsetzung des Reformpakets zur Bekämpfung rechtsextremistischer Tendenzen beim KSK vorlegen.

Niemand weiß, wo die Munition abgeblieben ist

Zuvor hatte die Bundeswehr einen 100 Seiten starken internen Bericht veröffentlicht, der sich mit fehlender Munition und fehlendem Sprengstoff befasst. Die Verfasser des Berichtes kommen zu dem Ergebnis: "Die Vorschriften und Verfahren zur Munitionsbewirtschaftung wurden im KSK auf allen Ebenen über Jahre hinweg nicht eingehalten." Die Verantwortlichen wissen dem Bericht zufolge derzeit nicht, wo die etwa 13.000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff verblieben sind.

Erst kürzlich wurde ein KSK-Soldat aus Sachsen wegen eines illegalen privaten Waffenarsenals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Jahrelang hortete der 46-Jährige Sprengstoff und Munition in seinem Garten in Nordsachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2021 | 17:00 Uhr

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