Tarifkonflikt bei der Bahn Wie der GDL-Warnstreik den Güterverkehr trifft

Wie der Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL die Bahn beeinträchtigt, das spüren viele derzeit am eigenen Leib. Allen voran diejenigen, die mit dem Zug zur Arbeit pendeln. Oder vielleicht in den Urlaub wollten. Wer kann, der steigt halt auf andere Verkehrsmittel um - doch wie ist das eigentlich im Güterverkehr? Welche Folgen hat der Streik dort? Linda Schildbach berichtet.

Auf einem Rangierbahnhof stehen Güterzüge.
Auf einem Rangierbahnhof stehen Güterzüge. Bis zum Mittwochmorgen wird der DB-Güterverkehr bestreikt. Bildrechte: dpa

Blockierte Züge, Stellwerke, die nicht richtig arbeiten und Lokführerinnen und Lokführer, die ausfallen – durch den Warnstreik der GDL sind die Güterströme gehemmt. In einer Zeit, in der die weltweiten Lieferketten bereits angespannt sind, sei das tragisch, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer beim DSLV, dem Bundesverband Spedition und Logistik. "Das heißt, wir bekommen keine Waren aus China, es fehlen Container und Schiffe und jetzt zu einer Zeit, wo 80 Prozent aller Industrie- und produzierenden Unternehmen beklagen, dass sie nicht ausreichend mit Gütern und Waren und Rohstoffen versorgt werden, kommt dieser Streik noch hinzu und der verschärft dieses ganze Thema natürlich."

Folgen für Chemie-, Stahl- und Autoindustrie

Folgen hat das vor allem für die Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie, so der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf & Logistik. Der zweite Warnstreik in kürzester Zeit belaste die Logistikbranche, heißt es auch vom Verband der Automobilindustrie schriftlich.

Er führt zu neuer Unsicherheit in den Prozessen und zu wirtschaftlichen Schäden. Das schadet dem Standort Deutschland und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unternehmen.

Verband der Automobilindustrie

Mitteldeutschland besonders betroffen

Regional ist übrigens Mitteldeutschland am meisten betroffen. Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn schriftlich mit: "Ein Streikschwerpunkt liegt in den östlichen Bundesländern. Das gilt auch für DB Cargo. (…) In den westlichen Bundesländern sind nur vereinzelte Standorte vom Streik betroffen." Das liegt auch daran, dass die GDL in ostdeutschen Bundesländern stärker organisiert ist und darüber hinaus im Westen der Anteil von verbeamteten Lokführerinnen und Lokführer höher ist.

Kampf um Alternativen ausgebrochen

Doch das ist nichts Neues – Streiks seien eben die Achillesferse des Schienenverkehrs, findet Frank Huster vom Bundesverband Spedition. Dementsprechend sei man vorbereitet.

Es gibt also in jeder Logistik einen Plan B, den man aus der Schublade holen kann, aber jetzt setzt eben der Kampf um alternative Kapazitäten ein. Und das macht die Streikbewältigung momentan so schwierig.

Frank Huster, Hauptgeschäftsführer DSLV

Eine Möglichkeit für die Spediteure und Logistikunternehmen ist derzeit, ihre Ware auf private Eisenbahnen zu verlagern, denn der Marktanteil der bestreikten DB Cargo liegt bei rund 45 Prozent. Andere Alternativen sind die Schifffahrt oder die Straße. Huster sagt, das richte sich ein bisschen nach der Güterstruktur. Massengüter würden sicherlich aufs Binnenschiff verlagert und für zeitkritische Güter werde man wieder versuchen, Straßengüterverkehrskapazitäten zu akquirieren.

Kaum Ausweichmöglichkeiten

Carsten Knauer, Leiter der Sektion Logistik beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) geht sogar so weit: "Die Raten entweder für Lkw-Transporte oder andere gehen seit eineinhalb Jahren scheinbar ohne Ende durch die Decke. Also kurzfristig da jetzt auszuweichen, da sehe ich gar keine Chance, da an Alternativen noch zu kommen." Das bestätigt auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer auf Anfrage von MDR AKTUELL. Die Fälle, in denen andere Eisenbahn- oder Lkw-Transportunternehmen eingesprungen sind, seien eher marginal.

Auch Unternehmen tragen Verantwortung

Der Logistik-Experte Knauer vom BME sieht jedoch auch die Unternehmen in der Verantwortung, für solche Fälle vorzubeugen und in eigene Lager zu investieren. Das würde sich auf lange Sicht lohnen, so Knauer. Denn man könne mit wirklichen einfachen Mitteln ein "super Risiko-Management betreiben und zumindest eine Zeit lang zumindest solche Ausfälle ausgleichen und abfedern."

Die GDL will vorerst bis Mittwochmorgen ihre Arbeit im Güterverkehr ruhen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. August 2021 | 06:00 Uhr

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