Planübung Affenpocken: Pandemie-Simulation löst neue Verschwörungen aus

Rund um das Coronavirus gibt es viele Verschwörungserzählungen. Auch mit dem Auftreten der Affenpocken gibt es wieder neue Verschwörungen. Im vergangenen Jahr soll eine Pandemie geplant worden sein. Auslöser der Verschwörung: Die Münchner Sicherheitskonferenz, bei der eine Pandemie mit Affenpocken simuliert wurde.

Eine Mitarbeiterin am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Im Netz gehen einige Verschwörungstheoretiker davon aus, dass die Affenpocken geplant seien. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz zeichnen die Teilnehmer einer sogenannten Tabletop-Exercise im Frühjahr vergangenen Jahres ein fast schon apokalyptisches Szenario: In einem fiktiven Land starten Terroristen einen Angriff mit einem gentechnisch hergestellten Affenpockenvirus. Die Folge: Eine globale Pandemie, die 270 Millionen Leben fordert. So steht es in der Einleitung der Simulation. Der Simulation? Im Netz und in den sozialen Medien wird eine andere Sichtweise verbreitet. Nämlich, dass erneut die üblichen Verdächtigen, die mächtigen Eliten ihre Köpfe zusammengesteckt und die Pandemie im Detail geplant hätten.

Von einer Pandemie spricht aber derzeit niemand. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach, zum Beispiel, sagt: "Was wir mit den Affenpocken gerade erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie. Von allem, was wir wissen, hat es Ausbrüche dieser Viruserkrankung schon sehr häufig gegeben und sie kann durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht auch gut in den Griff bekommen werden." Und das Virus, so sagt es RKI-Chef Lothar Wieler, könne sich nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die EU-Gesundheitsbehörde schätze das Risiko für die allgemeine Bevölkerung als gering ein.

Pandemie-Simulationen nichts Außergewöhnliches

Zurück zur Pandemie-Simulation auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die haben die Veranstalter gemeinsam mit der "Nuclear Threat Initiative" (NTI) durchgespielt, einer Organisation für Katastrophenschutz und internationale Friedenssicherung. Mit am Tisch saßen unter anderem Vertreter der Weltgesundheitsorganisation, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Bill & Melinda Gates Stiftung. Die Stiftung gilt unter Verschwörungstheoretikern als vermeintliche Strippenzieherin der Corona-Pandemie.

Das Ziel der Münchner Simulation: Das Risiko biologischer Bedrohungen analysieren. Man beabsichtige mit solchen Übungen, Entscheidungsträger und Experten zu sensibilisieren, erklärt die Münchner Sicherheitskonferenz auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich: "Unser Ziel ist es, dass sich die Politik öfter und intensiver abstimmen und im Ernstfall schnell und effizient reagieren kann. Die nun beginnende Verbreitung des Affenpockenvirus unterstreicht einmal mehr die Bedeutsamkeit der Übungen unterschiedlichster Bedrohungslagen."

Affenpocken seien bis zur Konferenz im vergangenen Jahr noch nicht in den Übungen thematisiert worden, heißt es weiter. Mit dem leicht anderen Erregertyp habe man in der Corona-Pandemie geschaffene Prozesse überprüfen können. Solche Planübungen seien national wie international nichts Außergewöhnliches.

Vorbereitung auf Pandemien wichtig

Das sagt auch Uwe Gerd Liebert, früherer Chefvirologe der Uniklinik Leipzig. So seien in den vergangenen Jahren diverse Szenarien durchgespielt worden. Vor allem in Bezug auf Influenza-Viren. Außerdem habe man sich: "Um Bakterien gekümmert. Es ist selbstverständlich auch über Pocken gesprochen worden. Ich darf nur darauf hinweisen, dass es von Affenpocken so ungefähr im Jahr 2004/2005 in den USA einen relativen Ausbruch gegeben hat. Da waren etwa 70 Personen infiziert."

Die letzten Jahre hätten gezeigt, wie wichtig es sei, auf Pandemien vorbereitet zu sein, sagt Liebert. Es sei also notwendig, Pläne zu entwickeln, wie man sachgerecht, schnell und erfolgreich auf Bedrohungsszenarien wie eine Pandemie reagieren könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2022 | 06:12 Uhr

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