Spenden, verkaufen, recyceln Zeichen des Überkonsums: Wohin mit aussortierter Kleidung?

Zu viele Klamotten, zu wenig Schrank, also wird aussortiert. Im Schnitt sortiert jede und jeder Deutsche 15 Kilogramm Kleidung pro Jahr aus – nur wohin damit? Was passiert mit unseren Altkleidern?

Kisten mit gebrauchter Kleidung warten in einem Secondhand-Laden in New York darauf, preislich bewertet und sortiert zu werden.
Altkleider aus Deutschland werden weltweit verkauft. Bildrechte: imago images/Levine-Roberts

Wer Klamotten aussortiert hat, ist sie noch lange nicht losgeworden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kleidung weiterzugeben: verkaufen, spenden oder recyceln.

Aussortierte Kleidung verkaufen

Ersteres kann über Apps und Webseiten passieren, man kann die Kleidung im Freundinnen- und Freundeskreis anbieten – oder zu einem Second-Hand-Laden bringen. Ein solcher Laden ist "Hilde tanzt" in Leipzig. Betreiberin Anna Hopperdietz erzählt, was Second-Hand für sie bedeutet:

Für mich hatte Second-Hand noch nie etwas Schmuddeliges. Second-Hand heißt, Sachen, die es schon lange gibt, wiederzuentdecken. Das sind Schätze. Wenn ich Klamotten für den Laden einkaufe, bin ich auf Schatzsuche.

Anna Anna Hopperdietz vom Second-Hand-Laden "Hilde tanzt"

Bei ihrer Schatzsuche achtet die Ladenbesitzerin auf Stoffe natürlichen Ursprungs, weil sie leichter zu recyceln sind. Dazu gehören zum Beispiel Seide oder Kaschmir. Besonders attraktiv ist das Verkaufen 'von privat' im Laden allerdings nicht, da hier besonders günstig eingekauft werden muss, um Strom, Steuern, Ladenmiete zu finanzieren. Auf einem privaten Flohmarkt ist das natürlich profitabler – wenn man seine Kleidung denn loswird.

Klamotten und Schuhe spenden

Der Weg zum Altkleider-Container ist im Vergleich nicht besonders aufwändig: Kleider gewaschen und gefaltet in einen Sack, rein in den Container, fertig! Danach beginnt die Arbeit, zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz. Wie viel gespendet wird, weiß Thomas Ahlmann. Er ist Geschäftsführer des "Dachverbandes FairWertung", ein Zusammenschluss gemeinnütziger Altkleidersammler. Denn so viel Kleidung wie gespendet wird, wird in Deutschland gar nicht gebraucht:

Zwei beigefarbene Altkleidercontainer
In Altkleider-Containern landet mehr, als gebraucht wird. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

"Es ist wirklich ein Vielfaches von dem, was wir in Deutschland brauchen. Es sind eine Million Tonnen, die jedes Jahr an Altkleidersammlungen gegeben werden. Das ist eine Lkw-Schlange von Flensburg bis nach Salzburg, voll mit Alttextilien. Und es ist schlicht unrealistisch, davon auszugehen, dass wir das unter den bedürftigen Menschen in Deutschland verteilen können. Die Menge ist schlicht zu groß."

Wohlstandsphänomen und Überkonsum

Ahlmann sagt weiter, dass die Altkleidersammlung, so wie wir sie heute kennen, ein Wohlstandsphänomen und damit Ausdruck unseres Überkonsums sei. Es werde jedes Jahr mehr, was an Textilien abgegeben wird: "Nur die Qualität wird immer schlechter."

Schätzungsweise geben gemeinnützige Organisationen zehn Prozent der Spenden an Bedürftige vor Ort weiter. Der Rest wird an kommerzielle Altkleider-Sammler verkauft: "Gerade bei Containersammlungen ist es in der Regel in den allermeisten Fällen so, dass die Textilien ungeöffnet weiterverkauft werden. Dort wird eben die Warenspende zu einer Geldspende", sagt Ahlmann.

In Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt befindet sich der größte Altkleider-Sortierbetrieb der Welt. Auf einer Fläche von 13 Fußballfeldern werden hier Klamotten aus ganz Deutschland verwertet. Der Handelsverband Textil geht davon aus, dass durch den Corona-Lockdown eine halbe Milliarde Tonnen Wintermode nicht verkauft werden konnte. Neuware also, die am Ende zum Teil (direkt) in Betrieben wie in Bitterfeld-Wolfen landen könnte.

Second-Hand – bloß ein Trend oder wirklich nachhaltiger?

Die Preise für Second-Hand-Textilien liegen im mittleren Bereich, sagt Christoph von Hahn, der Geschäftsführer von SOEX in Wolfen, im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Sie lägen bei 15 Cent bis einem Euro pro Kilo: "Die Ware wird weltweit verkauft. Es geht in den osteuropäischen Markt, in den südamerikanischen Markt, auch teilweise nach Afrika. Es gibt weltweit einen Bedarf an Second-Hand-Kleidung."

Second-Hand und Vintage-Mode stehen derzeit auch in Deutschland hoch im Kurs. Der Trend wirke sich auf die Menge an aussortierter Kleidung aber nur bedingt aus, erklärt von Hahn. Die Menge werde sich nicht reduzieren, auch wenn Kleidungsstücke ein zweites oder drittes Mal weitergegeben werden. Denn auch diese Kleidung gehe in die Entsorgung:

Das heißt, die Menge wird steigen. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass wir sehr, sehr viel mehr Menge in der Zukunft im Altkleidermarkt verarbeiten werden müssen, in der kompletten Branche.

Christoph von Hahn, Geschäftsführer SOEX
Eine Frau schaut sich Kleidung an 18 min
Bildrechte: dpa

Recycling: Zerkleinern, Zerschreddern und Reißen

Und dann gibt es noch das Recycling: Sachen, für die es keine Abnehmer auf dem Second-Hand-Markt gibt, oder die, die schon zu abgenutzt sind, landen dort. Aber was kann alles recycelt werden und was entsteht daraus?

Säcke voller Altkleider
Altkleiderverwertung in Bitterfeld-Wolfen Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

In Bitterfeld-Wolfen werden beispielsweise Textilien mit Naturfasern und synthetischen Fasern verarbeitet. Es handelt sich hierbei um mechanisches Recycling. Dabei werden sowohl reine Textilien als auch Mischgewebe verarbeitet. Bis es so weit ist, braucht es mehrere Schritte: Zerkleinern, Zerschreddern und Reißen. Aus dem Staub, der beim Zerreißen entsteht, wird Pappe hergestellt. Das klappt allerdings nur, wenn reine Baumwolle verarbeitet wird.

Aus recycelten Mischgewebe-Pullovern entstehen Produkte wie Malervlies, Dämmstoffe oder Formteile für Autos. Immerhin, sie werden noch weiterverwertet. Schwierig wird es bei Funktionskleidung, weil sie aus vielen unterschiedlichen Stoffen besteht – solche Stücke sind dann Restmüll.

Quelle: MDR Sachsen-Anhalt

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