Altersstruktur Anteil alter Menschen in Mitteldeutschland besonders hoch

Der Osten sieht alt aus. So könnte man die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zusammenfassen. Denn: Der Anteil der alten Menschen ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders groß. Die Entwicklung ist nicht neu – aber wie wird damit umgegangen?

Seniorin Anneliese Lange (77 Jahre alt) hilft der Grundschülerin Jennifer Hussein (r) bei den Mathematikhausaufgaben.
Ehrenamtlicher Einsatz bei der Hausaufgabenhilfe Bildrechte: dpa

Jens Krause bleibt gelassen, wenn es um die Altersstruktur in Dessau-Roßlau geht. Er ist der Beigeordnete für Gesundheit, Soziales und Bildung der Stadt und sagt über Dessau-Roßlau, sie sei schon eine der ältesten Städte, was aber auch nicht weiter schlimm sei. Man sei sozusagen in gutem Reigen mit allen anderen Gemeinden und Städten im gesamten Osten der Republik.

Fast ein Drittel Ältere in Dessau-Roßlau

Der Anteil der Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, liegt in Dessau-Roßlau nach den Zahlen des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt bei 32 Prozent.

Blick auf das Rathaus in Dessau-Roßlau, im Vordergrund parken Autos.
Das Rathaus von Dessau-Roßlau Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Im Bundesdurchschnitt sind es dagegen nur 22 Prozent. Natürlich wolle man junge Menschen anlocken und zum Bleiben bewegen – durch attraktive Arbeitsplätze, die Hochschule oder Bauplätze für Familien, sagt Krause.

Alt und jung, das geht aus seiner Sicht prima zusammen: "Also wenn ich die Seniorengerechtigkeit im Straßenverkehr angucke, dann ist die auch allemal gut für junge Muttis mit Kinderwagen beispielsweise. Das sehen wir schon sehr praktisch in dieser Stadt und dem gehen wir auch nach."

Gebrechliches Alter als überholtes Bild

Wichtig ist Krause vor allem: Das Stadtbild sei mitnichten von gebrechlichen Alten geprägt. Ein überholtes Bild, sagt auch Gabi Troeger-Weiß. Sie hat den Lehrstuhl für Regionalentwicklung und Raumordnung an der TU Kaiserslautern inne. Viele Ältere, das müsse nicht per se negativ sein: "Es ist so, dass diese Menschen häufig gesund ins Alter gehen können", erklärt Troeger-Weiß.

Zudem verfügten manche oder doch relativ viele über eine gute Ausbildung, das sei anders als bei der Nachkriegsgeneration. Oder dass die Älteren durchaus ganz interessante Einkommenssituationen hätten. Das könne, so Tröger-Weiß, natürlich auch Impulse und interessante Anregungen für die regionale Entwicklung geben.

Zum Beispiel, indem sie sich in Ehrenämter einbrächten oder die Wirtschaft stärkten, weil sie mobil seien, einkaufen gingen und reisten oder im Alter vielleicht extra zurück in kleine, zentrumsnahe Wohnungen ziehen würden.

Image als bedeutender Faktor

Wie man junge Menschen in Kommunen jenseits der Metropolen halten könne, darüber wisse die Forschung noch wenig, sagt Troeger-Weiß, außer man betrachte den wesentlichen Punkt des Themas Image.

Blick auf Kirche
Panorama der Elbestadt Riesa Bildrechte: MDR/Heike Riedel

An genau dem arbeitet auch Marco Müller, so gut er kann. Er ist Oberbürgermeister im sächsischen Riesa. Rund 35 Prozent der fast 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind laut Statistischem Landesamt 65 Jahre und älter. Riesa wird bald Hochschulstandort, Schulen werden saniert, die Innenstadt verschönert, Bauplätze geschaffen.

Müller wirbt auch für das Sport- und Kulturangebot seiner Stadt. Denn er würde gerne junge Menschen anlocken, die sich Leipzig oder Dresden bald vielleicht nicht mehr leisten können: "Deshalb wollen wir Riesa auch nachhaltig, urban und schick aufstellen. Unser Image verbessern, mehr unsere blaue Seite herausarbeiten – nämlich, Stadt am Fluss zu sein."

Da wolle man mehr Lebensqualität hinbringen, Aufenthaltsqualität erhöhen, viel mehr Leben solle sich dort abspielen, sagt Müller, der den demografischen Wandel als Chance verstehen will.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juli 2021 | 11:52 Uhr

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