Klimabewegung in der Kritik Antisemitismus-Vorwürfe gegen Fridays for Future

Die Umweltbewegung Fridays for Future hat im Nahostkonflikt Stellung bezogen. Das hat ihr den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Der deutsche Ableger der Bewegung ging deshalb in den sozialen Netzwerken auf Distanz.

Jugendliche demonstrieren in Magdeburg gegen die Kilmapolitik
Die Umweltbewegung Fridays for Future steht in der Kritik. Bildrechte: MDR/Alexander Polte

Vereint gegen die Erderwärmung, das ist eigentlich das Motto der Fridays For Future-Bewegung, kurz FFF. In dieser Woche ist allerdings Zwist ausgebrochen unter den jungen Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten. Auslöser war ein Beitrag des internationalen Accounts der Bewegung auf Instagram zu den Unruhen in Israel. Die Gruppe solidarisiert sich mit klaren Worten für die Palästinenser:

Wir lehnen die Repressionen der israelischen Regierung ab. Sie sind eine Form von Militarismus und Kolonialismus und um diesen zu zerstören, existieren wir.

Fridays for Future Instagram-Post

Kritik an historischen Landkarten

Den Vorwurf des Kolonialismus illustrieren die Autoren mit Landkarten, die die Entwicklung palästinensischer und jüdischer Gebiete seit 1946 zeigen sollen – ein Punkt, der in den Kommentaren unter dem Beitrag besonders heftig kritisiert wird. Viele User erklären das Kartenmaterial als falsch und vermissen die Angabe von Quellen. Auch der Vorwurf des Antisemitismus steht im Raum.

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Stimmen, die den Beitrag unterstützen und sich bei den Autorinnen und Autoren dafür bedanken. Mittlerweile haben sich über 1.100 Kommentare angesammelt – bei anderen Posts bewegt sich diese Zahl meist im zweistelligen Bereich. 

Deutscher FFF-Ableger geht auf Distanz

In Deutschland haben die Aussagen teils große Empörung ausgelöst. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, findet klare Worte: "Was FFF international verbreitet, hat nichts mehr mit Kritik an Israel und noch weniger mit Klimaschutz zu tun, sondern ist reine antiisraelische Propaganda."

Der jüdische Staat werde verzerrt dargestellt und mit bekannten antisemitischen Klischees dämonisiert, so Knobloch weiter. Gleichzeitig werde palästinensischer Terrorismus gegen Zivilsten verharmlost. Die Deutsche FFF-Gruppe hat sich bereits am Mittwoch offiziell von dem Post distanziert. "Antisemitismus ist in keinster Weise mit unserem Selbstverständnis vereinbar. Wir distanzieren uns wie im Post angegeben in aller Deutlichkeit von allen Inhalten", hieß es dort.

Interne Prüfung

Charlotte Knobloch geht das nicht weit genug. "Dass die deutsche Sektion von FFF diese offenen Lügen nicht mitträgt, ist für mich das Allermindeste. Wenn die Postings aber wirklich die Sicht des internationalen Dachverbandes widerspiegeln, reicht das bei weitem nicht aus."

Die deutsche Fridays For Future-Gruppe wollte sich gegenüber MDR AKTUELL nicht weiter zu den Vorgängen äußern und verwies auf das Online-Statement. Derzeit werde die Angelegenheit intern geklärt.

Quelle: MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2021 | 07:12 Uhr

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