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Teilnehmer einer Protestkundgebung haben Kerzen für die Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kirche entzündet. An einer lehnt ein Sticker mit einem Bild vom emeritierten Papst Benedikt XVI. mit der Notiz: "Ich bin wütend". Bildrechte: dpa

Sexueller MissbrauchPapst Benedikt XVI. räumt Falschaussage bei Missbrauchsgutachten ein

von MDR AKTUELL

Stand: 24. Januar 2022, 13:57 Uhr

Papst Benedikt XVI. hat als Bischof von München und Freising doch an einer Sitzung teilgenommen, bei der es um einen Priester ging, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war. Wie sein Privatsekretär mitteilte, geschah dies aber "nicht aus böser Absicht heraus" und der 94-Jährige bitte, diesen Fehler zu entschuldigen. Den Opfern reicht das nicht. Kritik gibt es auch von einem Kirchenrechtler.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Stellungnahme für das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising eine falsche Aussage gemacht. In einer Stellungnahme räumte der frühere Erzbischof von München und Freising am Montag ein, dass er anders als zunächst behauptet doch 1980 an einer Sitzung teilgenommen habe, bei der es um einen Priester ging, der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war.

Jener Priester wurde später in Bayern wieder als Seelsorger eingesetzt. Allerdings sei in der betreffenden Sitzung "über einen seelsorgerlichen Einsatz des betreffenden Priesters nicht entschieden" worden. Vielmehr habe man lediglich der Bitte entsprochen, dem Mann während seiner therapeutischen Behandlung in München Unterkunft zu ermöglichen.

Wie es zu dem Versehen kam, will Benedikt XVI. in einer noch ausstehenden Stellungnahme erklären. In der jetzt vorgelegten Stellungnahme lässt der emeritierte Pontifex über seinen Privatsekretärs Georg Gänswein lediglich erklären, er wolle bei der Korrektur der Aussage "betonen, dass dies nicht aus böser Absicht heraus geschehen ist, sondern Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme war". "Dieser Fehler tut ihm sehr leid und er bittet, diesen Fehler zu entschuldigen."

Der besagte Priester ist einer der zentralen Fälle des Gutachtens, das die Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl im Auftrag des Erzbistums München und Freising präsentiert hatte. Darin wird Benedikt in insgesamt vier Fällen Fehlverhalten vorgeworfen.

Wann mit der angekündigten ausführlichen Stellungnahme des 94-Jährigen, der von 1977 bis 1982 Erzbischof von München-Freising war, zu rechnen ist, blieb offen. Gänswein zufolge benötigt die vollständige Durchsicht des 1.900 Seiten umfassenden Gutachtens noch Zeit. Die bisherige Lektüre der Ausführungen, so die Erklärung, erfülle ihn "mit Scham und Schmerz über das Leid", das den Opfern zugefügt worden sei.

Kritik von Opfer-Initiative und Kirchenrechtler

Die Opfer-Initiative "Eckiger Tisch" kritisierte die Stellungnahme von Papst Benedikt. Sprecher Matthias Kratsch sagte, Benedikt habe sich nur dafür entschuldigt, dass er eine falsche Angabe zu seiner Teilnahme an einer Sitzung im Jahr 1980 gemacht habe. "Entschuldigen müsste er sich eigentlich für den ganzen Vorgang, denn er ist mit dafür verantwortlich, dass dieser Priestertäter anschließend jahrzehntelang Kinder im Bistum gefährden konnte." Das sei der eigentliche Skandal.

Joseph Ratzinger verstrickt sich immer mehr in seine Lügengebilde und wird auch durch die angekündigte ausführliche Stellungnahme den irreparablen persönlichen Schaden für sich und sein Lebenswerk nicht mehr beseitigen können. Er beschädigt damit dauerhaft das Papstamt und damit die katholische Kirche.

Thomas Schüller

Ähnlich äußerte sich der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Zwar habe Benedikt nun zugegeben, an einer entscheidenden Sitzung in München im Jahr 1980 teilgenommen zu haben. Er bestreite aber weiterhin wahrheitswidrig, etwas über die Vorgeschichte des pädophilen Priesters Peter H. gewusst zu haben. Dies sei erneut eine Unwahrheit, wie das in der vergangenen Woche vorgestellte Gutachten von Westpfahl Spilker Wastl bewiesen habe. "Joseph Ratzinger verstrickt sich immer mehr in seine Lügengebilde und wird auch durch die angekündigte ausführliche Stellungnahme den irreparablen persönlichen Schaden für sich und sein Lebenswerk nicht mehr beseitigen können. Er beschädigt damit dauerhaft das Papstamt und damit die katholische Kirche", sagte Schüller.

Quelle: KNA, dpa, ANE

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