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ÄrztemangelOst-Regierungschefs wünschen sich "Landeskinder"-Quote fürs Medizinstudium

20. Juni 2024, 13:46 Uhr

Dem Ärztemangel in Ostdeutschland wollen die ostdeutschen Regierungen mit einer Bevorzugung von "Landeskindern" entgegenwirken. Die Annahme ist, dass diese die Regionen seltener verlassen. Westdeutsche, die durch die zentrale Studienplatzvergabe nach Ostdeutschland geschickt werden, gehen nach dem Studium häufig wieder zurück.

Die Idee einer "Landeskinder"-Quote sei zu begrüßen, sagt Hans-Jörg Bittrich, der Präsident der Landesärztekammer Thüringen. Denn es müsse alles getan werden, um dem Ärztemangel zu begegnen. Die jüngst beschlossene Landarzt-Quote, bei der sich Studierende verpflichten, nach dem Studium eine Zeit lang in ländliche Regionen zu gehen, reiche nämlich nicht aus, so Bittrich. Man müsse sich dabei nicht nur verpflichten, vorher in eine bestimmte Region zu gehen, sondern man müsse dabei auch die Fachrichtung Allgemeinmedizin gewählt haben. "Und bei der Landeskinder-Quote ist es so, dass damit auch die Fachärzte gemeint sind – auch Fachärzte brauchen wir in unserem Bundesland."

Problem ist zentralisierte Studienplatzvergabe

Das Problem ist die zentrale Studienplatzvergabe für das Fach. Wer Medizin studieren will, muss sich über ein Portal bewerben. Die Zuteilung der Plätze erfolgt dann bundesweit – wer wo studiert, ist nicht abzusehen. Dabei wären die Fakultäten in Sachsen-Anhalt durchaus in der Lage, genügend Nachwuchs für das eigene Land auszubilden, bemängelt Ministerpräsident Reiner Haseloff. Das Problem sei "wenn jemand aus Köln oder aus München hier herkommt, wieder nach Hause zurück geht." Im Gegensatz zu "'Landeskindern' aus der Altmark, die auch in der Region hier bleiben würden."

Haseloff fordert deshalb ein Kontingent für Landeskinder, das wie bei Härtefällen oder der Bundeswehr-Quote extra zugeteilt werden kann. Ein Vorschlag, der auch beim Studiendekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Magdeburg, Christoph Lohmann, auf Resonanz stößt. "Das ist ein sehr interessanter Vorschlag, der aus unserer Sicht sehr positiv zu bewerten ist." Es sei derzeit nicht möglich, dass die Herkunft ein Auswahlkriterium sein würde. "Das ist derzeit nicht zulässig, da müsste der Staatsvertrag geändert werden."

Genau das ist der Plan der Ost-Ministerpräsidenten: Sie wollen den Staatsvertrag zur Zulassung zum Medizinstudium ändern. Doch das sei problematisch, heißt es vom Wissenschaftsministerium in Sachsen-Anhalt. "Zum einen ist nicht klar, wann Studienbewerberinnen und -bewerber als "Landeskind" gelten und ob diese "Landeskinder" tatsächlich deutlich häufiger nach ihrem Studium im Land bleiben. Zum anderen wäre eine Bevorzugung von wie auch immer definierten "Landeskindern" bei der Studienplatzvergabe auch verfassungsrechtlich bedenklich."

Auch fairere Arbeitsbedingungen für junge Mediziner sind nötig

Und was sagen diejenigen, um die es geht? Medizinstudentin Melis Taş vom Fachschaftsrat Medizin an der Universität Magdeburg sieht den Grund dafür, warum Absolventinnen und Absolventen nicht bleiben, eher bei den Arbeitsbedingungen. "Grundsätzlich begrüßen wir die Initiative, junge Menschen, die im Osten aufgewachsen sind, heimatnah halten zu wollen. Jedoch ist so eine Landeskinder-Quote in unseren Augen nicht primär der Weg, um eigentliche, grundlegende strukturelle Probleme zu lösen. Vielmehr sollte an den Arbeitsbedingungen in den Kliniken für junge Ärztinnen und Ärzte gearbeitet werden."

Denn die jungen Medizinerinnen und Mediziner seien durchaus bereit zu bleiben – nämlich, wenn die Arbeitsplätze attraktiver sind als anderswo.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 19. Juni 2024 | 06:05 Uhr

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