Vergleichsstudie Bildungsmonitor 2022: Sachsen bleibt Klassenbester

Sachsen liegt auch im Bildungsmonitor 2022 wieder vorn. Thüringen landet auf Platz 3, Sachsen-Anhalt weit hinten. Das hat die diesjährige Vergleichsstudie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ergeben. Die mitteldeutschen Ländern können vor allem im neu hinzugekommenen Handlungsfeld Digitalisierung nur wenig glänzen.

Eine Frau trägt bei einer Abschlussfeier ihrer Universität einen Absolvationshut.
Sachsen und Thüringen schneiden im Bildungsmonitor 2022 sehr gut ab. Bildrechte: IMAGO / Silas Stein

Seit Jahren schon führt Sachsen den Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) an – und auch in diesem Jahr landet der Freistaat wieder ganz vorn. Das geht aus der aktuellen INSM-Vergleichsstudie hervor. Thüringen schafft es ebenfalls aufs Podium und kommt in diesem Jahr auf Platz 3. Sachsen-Anhalt ist Schlusslicht der ostdeutschen Bundesländer und im bundesweiten Vergleich Vorletzter.

Bildungsvergleich der Länder
Bundesland Punkte 2022 Veränderung zu 2013
Sachsen 65,9 -0,2
Bayern 63,9 4,6
Thüringen 59,6 -0,9
Hamburg 56,5 7,8
Saarland 54,6 12,6
Baden-Württemberg 53,6 -4,0
Hessen 49,3 2,7
Niedersachsen 48,9 2,9
Schleswig-Holstein 46,8 3,6
Mecklenburg-Vorpommern 45,9 -0,6
Berlin 45,8 5,6
Rheinland-Pfalz 45,5 -1,2
Brandenburg 45,1 5,4
Nordrhein-Westfalen 45,1 2,4
Sachsen-Anhalt 42,7 -4,2
Bremen 41,9 -4,5

Bildungsmonitor Die Vergleichsstudie wird im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) angefertigt. Nach Angaben der INSM bewerten die Autoren, inwieweit ein Land Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

Die Bewertung der Länder erfolgt demnach anhand von 93 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern. Dazu gehören unter anderem die Betreuungsbedingungen, die Bildungsausgaben, die Förderbedingungen, Qualität der Schulen oder die Forschungsorientierung. Neu hinzugekommen ist die Digitalisierung.

Sachsen

Sachsen führt den Bildungsmonitor erneut an. Besondere Stärken weist der Freistaat der Vergleichsstudie zufolge vor allem in den Handlungsfeldern Förderinfrastruktur, Schulqualität, Forschungsorientierung, Bildungsarmut und Internationalisierung auf.

Das spiegelt sich vor allem wider bei der Nachfrage von Ganztagsangeboten in Kitas und Schulen, in Bestwerten in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Schulfächern, der Nutzung von Drittmitteln an sächsischen Universitäten und bei der Lesefähigkeit von Jugendlichen. Außerdem sei der Anteil der Bildungsausländer an allen Studierenden der zweithöchste in Deutschland, heißt es in der Studie.

Verbesserungspotential besteht dagegen in den Kategorien Zeiteffizienz, Digitalisierung und Betreuungsbedingungen. So sind die Wiederholquoten in den Schulen vergleichsweise hoch. Die Nutzung von digitalen Endgeräten ist eher sporadisch, und auch eine schnelle Internetverbindung ist eher selten der Fall.

Kultusminister Christian Piwarz zeigte sich erfreut über den erneuten Platz 1 und bedankte sich beim sächsischen Lehr- und Erziehungspersonal. Bei dem bemängelten digitalen Ausbau befinde man sich auch einem guten Weg, erklärte der CDU-Minister und ergänzte: "Sachsen ist unter den Flächenländern führend bei der Umsetzung des Digitalpakts Schule. Bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2024 werden wir deutliche Verbesserungen an unseren Schulen vorfinden." Der Freistaat stelle hierfür 21,6 Millionen Euro bereit.

Thüringen

Thüringen hat sich in diesem Jahr auf Platz 3 verbessert. Im neuen Handlungsfeld Digitalisierung erreicht der Freistaat im Bundesvergleich jedoch nur Platz 13. Auch in der Kategorie Inputeffizienz besteht der Studie zufolge Verbesserungspotential.

Stärken weist Thüringen in den Handlungsfeldern Ausgabenpriorisierung, Berufliche Bildung, Hochschule/MINT, Förderinfrastruktur und Bildungsarmut auf.

Der Freistaat investiert vor allem in Berufsschülerinnen und -schüler, pro Kopf werden 1.000 Euro mehr ausgegeben als im Bundesdurchschnitt. Somit hat Thüringen auch den zweitniedrigsten Anteil von Jugendlichen ohne Ausbildungsstellenangebot.

Gemessen an der Anzahl der Beschäftigen werden viele Ingenieure ausgebildet. In den neunten Klassen erreichen demnach auch viele den Mindeststandard in den sogenannten MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).

Neben dem Defizit in der Digitalisierung ist auch die Altersstruktur der Lehrkräfte in Thüringen sehr unausgewogen.

Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt verschlechtert sich im INSM-Bildungsmonitor 2022 um einen Rang und rutscht auf den 15. Platz ab. Auch im neuen Handlungsfeld Digitalisierung wird Sachsen-Anhalt Vorletzter.

In den Kategorien Schulqualität und Förderinfrastruktur hat das Land wiederum seine Stärken.

Besonders problematisch ist die Verfügbarkeit von Lehrkräften. Vor allem in Grundschulen, aber auch in Kitas kommen rechnerisch viele Kinder auf eine Betreuungs- oder Lehrperson.

Demnach schneiden die Schülerinnen und Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften im Durchschnitt sehr gut ab, vergleichsweise wenige Gymnasiasten absolvieren jedoch anschließend ein Studium in den MINT-Fächern.

Der Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss ist unter Ausländern in Sachsen-Anhalt sehr hoch.

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bezeichnet sich selbst als überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wirbt demnach für die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland und will Anstöße für eine marktwirtschaftliche Politik geben. Finanziert wird die Initiative von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie.

MDR (amu)

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