Musik Clubs sind Kulturstätten - was das für die Szene bedeutet

Clubs könnten in Zukunft besser vor Verdrängung aus den Städten geschützt sein. Der Bundestag hat sie zu Kulturstätten erklärt. Was bedeutet das für die Clubkultur?

Alternatives Musicfestival in Brandenburg trotz Corona
Der Bundestag hat Clubs zu Kulturstätten erklärt. Bildrechte: imago images/Rainer Weisflog

Es ist ein großer Erfolg für die Clubbetreiber. Noch muss das Bauministerium den Antrag zwar umsetzen. Doch endlich seien sie aus der Schmuddelecke des Baurechts raus, sagt Thore Debor, Sprecher der LivKom, dem Verband der Musikstätten Deutschlands.

Ich glaube, es gäbe gar keinen symbolhafteren Entschluss als jetzt den erzielten.

Thore Debor Sprecher der LivKom

"Am Ende erhoffen wir uns natürlich, dass das einen breiten Bewusstseinswandel in die Köpfe bringt. Niemand würde auf die Idee kommen, ein Theater oder eine Oper wegzudrängen und Ähnliches sollte sich unserer Meinung nach bei Musikclubs auch entfalten."

Kultureinrichtung statt Vergnügungsstätte

Noch stehen Clubs baurechtlich auf einer Stufe mit Bordellen oder Spielhallen. Diese gelten in der Stadtentwicklung als Vergnügungsstätten und werden als besonders "schadhaft" eingestuft. Nun sollen Clubs offiziell als Kultur gelten. Anstatt die Clubs zu vertreiben, müssten Stadtplaner neue Wohngebiete so planen - zum Beispiel bezüglich Zufahrtswegen und Lärmschutz - dass die vorhandenen Clubs bleiben können.

Steffen Kache
Steffen Kache ist Inhaber der Distillery und möchte, dass der Club Teil des Kulturzentrums Gleisdreieck wird. Bildrechte: Jörg Singer

Für die alte Distillery kommt dieser Entschluss zu spät, sagt Inhaber Steffen Kache. Sie muss für ein neues Wohngebiet weichen. Der Beschluss des Bundestages helfe ihm aber trotzdem.

Nämlich für den neuen Standort des Kultclubs im Kulturzentrum Gleisdreieck: "Da ist es jetzt um einiges einfacher geworden, weil es nicht mehr darum geht, eine Vergnügungsstätte genehmigen zu lassen, sondern eine kulturelle Einrichtung. Da gibt’s generell in der Gesellschaft eine höhere Akzeptanz.

Zugang zu Fördergeldern

Steffen Kache erklärt: "Musikspielstätten, die Kultur sind, sind natürlich wertvoller in Anbetracht der Genehmigungsbehörden als diese sogenannten Vergnügungsstätten. Die wollte niemand haben, die waren nur in den zentralen Stellen der Orte und Städte genehmigungsfähig. Und deswegen hoffen wir, dass uns dieser Entschließungsantrag Rückenwind gibt für das jetzige Genehmigungsverfahren."

Steffen Kache von der Distillery, aber auch Thore Debor vom Verband der Musikstätten hoffen außerdem auf einen leichteren Zugang zu Fördermitteln. Zusätzlich werden Clubs an mehr Orten innerhalb der Stadt genehmigt werden können – all das wird vor allem neuen Clubs helfen, sich anzusiedeln.

Neuansiedlung von Clubs

Das sei gerade mit Blick auf die Zeit nach der Pandemie wichtig, sagt Kai Wegner von der CDU und Mitglied im Bauausschuss des Bundestages. Mit Vertretern und Vertreterinnen aller Fraktionen, außer der AfD, bildete er das Parlamentarische Forum Clubkultur, das den Antrag formulierte.

Kai Wegner sagt, das alles Entscheidende sei es, den nächsten Schritt zu gehen und jetzt schon vorzubereiten, unter welchen Voraussetzungen das kulturelle Nachtleben wieder stattfinden könne, wenn immer mehr Menschen durchgeimpft seien. Die Änderung der Baunutzungsverordnung sei eine wichtige Maßnahme.

Eine Milliarde Umsatz

Die Bedeutung von Clubbkultur für eine attraktive Stadtentwicklung, aber auch die Wirtschaftsleistung von einer Milliarde Euro Umsatz pro Jahr überzeugte fraktionsübergreifend.

Alle beteiligten sehen den vor einer Woche vom Bundestag beschlossenen Antrag als einen klaren Auftrag des Parlaments an die Regierung. Jetzt muss der Antrag nur noch Gesetz werden. Kai Wegner ist zuversichtlich, dass dies bis zum Ende der Legislaturperiode geschehen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 15. Mai 2021 | 06:00 Uhr

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