Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen Was Ärzte über Corona-Impfungen für Kinder denken

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt den Biontech/Pfizer-Impfstoff auch für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren. Das facht die Diskussion um Corona-Impfungen für sie weiter an. Mediziner sind skeptisch.

Ein Mädchen mit einer rosafarbenen Maske bekommt von einem Arzt eine Spritze
Mediziner sehen eine Impfung für Kinder kritisch. Bildrechte: imago images/Laci Perenyi

In der Praxis von Kinderarzt Dietrich Hofmann in Chemnitz hat man im zurückliegenden Jahr ausreichend Erfahrung mit Corona-Erkrankungen gesammelt. Das gilt sowohl für die Patienten als auch die Belegschaft.

Eine Praxisschwester hat deshalb eine ganz klare Meinung zum Impfen von Kindern und Jugendlichen: "Ich würde meine Kinder definitv impfen lassen und auch mein Enkelkind, obwohl das erst vier ist. Wir selbst hatten Corona, wir haben schlimme Nebenwirkungen gehabt und das möchte man niemandem wünschen."

Kinderarzt rät abzuwarten

Mit dieser Meinung folgt die Praxisschwester nicht der Ansicht ihres Chefs. Kinderarzt Hofmann, der sonst das Impfen befürwortet und gute Erfahrungen damit gemacht hat, rät bei Corona-Impfungen zur Zurückhaltung: "Das muss wissenschaftlich begründet sein, vorher würde ich persönlich nicht impfen, weil im Prinzip diese Abklärung überhaupt noch nicht da ist, ob es bei Kindern und Jugendlichen irgendwelche Nebenwirkungen gibt. Das muss sauber abgeklärt werden und dafür ist die Stiko da." Die Entscheidung sollte nicht die Politik treffen, findet Hofmann.

Stiko spricht keine Empfehlung aus

Die Experten der Stiko, der Ständigen Impfkommission, hatten in dieser Woche skeptisch reagiert und bisher keine Impf-Empfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. Als Grund nannten die Wissenschaftler, dass bisher nichts über Nebenwirkungen der Impfstoffe gegen Corona bekannt sei. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Freitag den Biontech/Pfizer-Impfstoff auch für Kinder und Jugendliche zugelassen.

Wo bleibt der Eigennutz des Kindes?

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche nachgewiesenermaßen nur milde Verläufe bei den Corona-Erkankungen haben. Deshalb sollte abgewogen werden, erklärt Generalsekretär Burkhard Rodeck: "Der Punkt ist, dass wir bei jeder Impfung den Eigennutz des Impflings im Kopf haben. Das heißt, ich lasse mich impfen, um vor der Erkrankung mich selbst zu schützen. Wenn man jetzt eine allgemeine Impfempfehlung ausspricht, werden Kinder und Jugendliche geimpft aus Schutz des Erwachsenen, der Umgebung dieser Kinder. Das heißt der Eigennutz steht bei dieser Diskussion nicht im Vordergrund und das ist ein ethisches Dilemma, wo man jetzt nicht einfach sagen kann, ja das machen wir jetzt mal so."

Risiken nicht absehbar

Durch die Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde würde man der jungen Generation eine Belastung zumuten, sagt Rodeck. Denn in der Zulassungsstudie von Biontech/Pfizer hätten gerade mal 1.130 Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren den Impfstoff enthalten. Daher seien die Risiken des Impfstoffs momentan noch gar nicht absehbar.

Impfung von Kontaktpersonen wichtiger

Ähnlich sieht das auch der Weimarer Kinderarzt Dirk Rühling, der in Thüringen für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte spricht: "Ein Impfangebot brauchen die Eltern, damit die gesund bleiben. Ein Impfangebot brauchen die Erzieher, die Lehrer, die Pädagogen und ich würde motivieren, dass das wahrzunehmen ist."

Denn sonst gebe es ein Problem mit der Betreuung im Herbst, wenn Lehrer, Eltern oder Erzieher krank würden, sagt Rühling. "Ich finde ganz wichtig, dass die Menschen, die mit Kindern zu tun haben, geimpft und geschützt sind, damit der Alltag für die Familien funktioniert. Das ist für mich der entscheidende Punkt."

Empfehlung für chronisch kranke Kinder

Etwas anders liegen die Dinge bei Kindern und Jugendlichen, die chronisch krank sind. Hier empfehlen sowohl der Berufsverband der Kinderärzte als auch die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die Altersgruppe ab zwölf Jahre zu impfen.

Quelle: MDR AKTUELL

24 Kommentare

Ernst678 vor 25 Wochen

Was sie äußern klingt so als wenn sie Coronaimpfung für einen riesigen Feldversuch halten für den alle Ü16 als Versuchskaninchen bereit stehen. Die Frage ist doch, wollen die das alle?

Youn8805 vor 25 Wochen

Wir empfinden nicht alle Impfungen als Sinnvoll u. verhalten uns dementsprechend. Was die Corona Impfung anbelangt, so drängelt mein Kind, das es geimpft wird. Zitat: "Diesen Scheiß, will ich nicht noch einmal ". Das gleiche Bild in der Klasse, wobei es für diesen Schultyp völlig untypisch ist, das man jedweder Impfung zugetan ist. Interessant ist, das ausnahmslos alle Schüler inkl. Freunde, die selbst eine Infektion hinter sich hatten, geimpft werden wollen. Fast drei viertel der Schüler sind immer noch mit Nachwirkungen der Infektion belastet, Schüler die vorher kerngesund waren. Die Frage ist als, dürfen sich Eltern ohne die Zustimmung ihrer Kinder gegen eine Impfung entscheiden und ihr Kind wo möglich ins Messer laufen lassen, um hinterher feststellen zu müssen, das die Infektion durchaus Schaden anrichten kann u. man es hätte verhindern können? Meiner Ansicht nach, muss es möglich sein, das Kinder ab einem gewissen Altern ein unbedingtes Mitspracherecht eingeräumt werden sollte.

DER Beobachter vor 25 Wochen

Sie ignorieren allerdings, dass das Impfen "der Kids" auch nur mit Zustimmung und in Verantwortung der Eltern stattfinden kann. Das ist sogar auch in den USA eher so...

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