Coronavirus-Pandemie Auffrischimpfung: Hausärzteverband mahnt zur Geduld

Für besonders gefährdete Menschen soll es ab September eine dritte Impfung gegen Covid-19 geben. Die Hausärzte bereiten sich derzeit auf diese Booster-Impfungen vor. Für betroffene Patienten heißt es, abzuwarten. Der Deutsche Hausärzteverband rät, niemand solle sich bereits jetzt proaktiv an den Hausarzt wenden. Frühestens Ende September seien Anfragen sinnvoll.

Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft
Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis geimpft. Bildrechte: imago images/Wilhelm Mierendorf

Krank trotz Impfung, Beispiel Sachsen: Im Freistaat hat sich bisher ein Bruchteil aller Geimpften dennoch mit Corona infiziert und auch Symptome entwickelt: rund 330 Menschen von knapp zwei Millionen vollständig Geimpften. Diese Zahl wird wohl weiter steigen. Trotz sehr guter Wirksamkeit der Impfstoffe sei das logisch, erklärt eine Sprecherin des RKI schriftlich.

Je mehr aktive Fälle es gebe, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit sich als Geimpfter zu infizieren, heißt es in dem Statement. Und weiter: Je höher die Impfquote sei, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter zum Anteil der Bevölkerung gehöre, der bereits geimpft sei.

Auch Geimpfte können erkranken

Nur mal angenommen: Wenn unter 100 Geimpften zwei trotzdem erkranken, erkranken unter 1.000 Leuten 20. Grassiert das Virus inzwischen stärker – was in Richtung Herbst anzunehmen ist – dann liegt die Zahl der Fälle "erkrankt trotz Impfung" wahrscheinlich noch höher.

Die generelle Wirksamkeit der Impfung ist laut RKI stabil. Wie lange der Immunschutz anhält, ist aus Sicht des RKI aber noch nicht abschließend geklärt. Studien aus Israel deuten daraufhin, dass die Wirksamkeit der Biontech/Pfizer-Impfung mit der Zeit nachlässt.

Virologe Stöhr: Es gibt Impfstoff im Überfluss

Wer über 60 ist und vor einem halben Jahr geimpft wurde, sollte sich nach Aussagen des Virologen Klaus Stöhr jetzt durchaus Gedanken über die dritte Spritze machen: "Weil die Antikörper, die man ja kurz nach der Impfung sehr schnell aufbaut dann mit der Zeit verschwinden. Das sind Eiweiße, die im Blut zirkulieren. Die werden dann abgebaut. Und für jemanden, der ein schlechtes Immunsystem hat, ist im Herbst die Impfung dann sicherlich immer angesagt."

Die Antikörper, die man kurz nach der Impfung sehr schnell aufbaut, verschwinden mit der Zeit.

Klaus Stöhr Virologe

Stöhr betonte aber zugleich, es bestehe kein Grund zur Panik. Es gebe derzeit einen Überfluss an Impfstoff. "Hier würde ich mir vornehmen, vor Mitte Oktober die Boosterimpfung zu holen", sagt Stöhr. "Aber da braucht man sich sicherlich nicht jetzt anstellen."

Hausärzte bereiten sich auf Auffrischimpfungen vor

Für die dritte Impfung wird gerade alles vorbereitet. Anfang August haben die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsmister der Länder beschlossen, allen Geimpften ab September eine weitere Spritze anzubieten.

Nicht proaktiv an ihren Hausarzt wenden.

Ingrid Dänschel Deutscher Hausärzteverband

Bis dahin appelliert Ingrid Dänschel, Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Hausärzteverbandes, nicht zum Telefonhörer zu greifen. "Sie sollten sich jetzt nicht proaktiv an ihren Hausarzt wenden", sagt Dänschel. "Die Hausärzte bereiten sich aber auf diese Boosterimpfung vor, so dass wir das sicherlich besser organisiert haben werden als zu Beginn der Pandemie."

Ärzte: Auch gegen Grippe impfen lassen

Dänschel rät, beim nächsten Hausarztbesuch das Thema Auffrischungsimpfung anzusprechen. Wenn bis Herbst keine Konsultation anstehe, solle man frühestens Ende September in der Praxis nachfragen. Wenn es dann so weit ist, empfiehlt der Hausärzteverband, sich gleich doppelt impfen zu lassen – gegen Grippe und gegen Corona. "Es spricht medizinisch überhaupt nichts dagegen, am gleichen Tag die Impfung gegen Influenza und die Boosterimpfung für Covid zu geben", sagt Dänschel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2021 | 06:00 Uhr

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