Folgen der Corona-Krise Wie die Pandemie den Drogenkonsum begünstigt

Die Coronapandemie und die damit verbundenen Maßnahmen des Infektionsschutzes wirken sich auf viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens aus. Angst vor Infektion sowie Einschränkungen durch Lockdowns verändern den Alltag der Menschen. Um das zu bewältigen, greifen mehr Personen zu Rauschmitteln.

Cannabis-Konsum in einem Park
In der Pandemie hat sich die Lebensweise vieler Menschen grundlegend verändert. Bildrechte: dpa

Seit Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020 hat sich die Lebensweise vieler Menschen dramatisch verändert. Lockdown, Kurzarbeit und Unsicherheiten schüren Existenzängste und belasten die Psyche.

Um pandemiebedingten Stress und Ängste bewältigen zu können, greifen mehr Menschen in der Krise zu Rauschmitteln. Laut dem UN-Weltdrogenbericht aus dem Sommer 2021 treibt die Corona-Krise mehr Menschen zum Drogenmissbrauch. Dem Bericht zufolge konsumierten im Jahr 2020 weltweit rund 275 Millionen Menschen Drogen, 2018 waren es noch 269 Millionen.

Pandemie verstärkt Drogenkonsum

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Jahresbericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) vom November 2021. Er gibt einen Überblick über das Konsumverhalten in der Altersgruppe der 12- bis 64-Jährigen während der Pandemie. Demnach griffen mehr Personen in diesem Zeitraum auf sedierende Medikamente und Alkohol zurück.

So wird bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen Cannabis am häufigsten konsumiert. Unter den 12- bis 17-Jährigen werden nach Cannabis, Ecstasy, Amphetamine und psychoaktive Pflanzen sowie Kokain und LSD am häufigsten genommen. Die 18- bis 64-jährigen Erwachsenen konsumieren neben Cannabis Amphetamine, neue psychoaktiven Substanzen sowie Ecstasy, Kokain und Crack.

Jedoch muss dabei genauer zwischen Erstkonsum und Zunahme des Drogenkonsums unterschieden werden, erklärt Saskia Solar, Pressesprecherin des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: "Menschen, die vor der Pandemie konsumiert haben, konsumieren während der Pandemie mehr. Es haben aber nicht wegen der Pandemie mehr Menschen angefangen Drogen zunehmen".

Solar sieht die Pandemie daher eher als einen Verstärker für den bereits vorhandenen Drogenkonsum.

Fehlende Strukturen: Jugendliche konsumieren mehr Drogen während der Pandemie

Dem stimmt auch Franka Berger aus dem Suchtberatungszentrum I - DROBS Magdeburg zu. Für die Suchtberaterin begünstigt die Pandemie ein bereits entwickeltes Suchtverhalten. "Drogenkonsum bespringt einen nicht einfach. Die Resilienzfähigkeit wurde in der Pandemie sehr strapaziert. Wie es eben einen Booster für Impfungen gibt, ist die Pandemie wie ein Booster für den Konsum."

Wie es eben einen Booster für Impfungen gibt, ist die Pandemie wie ein Booster für den Konsum.

Franka Berger I Suchtberatungszentrum I - DROBS Magdeburg

Berger verzeichnet mehr Beratungsgespräche bei Konsumenten, aber auch bei Angehörigen. Allein zwischen Oktober bis Dezember des vergangenen Jahres startete sie für 30 neue Klienten einen Hilfsprozess. "Das ist schon etwas, das wir als Novum und verändert empfinden", so Berger.

In Magdeburg seien vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. "Es gibt derzeit eine hohe Offenheit von jungen Konsumenten, alle Stoffe auszuprobieren und einen Mix an Drogen wie Cannabis, MDMA, Tilidin zu nehmen".

Doch bei dem Probieren bleibt es oft nicht. Weil ihnen stabilisierende Faktoren wie Sportangebote oder ein strukturierender Schulalltag wegfallen, rutschen sie leichter in den Drogenkonsum, so Bergers Analyse. Beratungsangebote oder Vertrauenslehrer, denen ein verändertes Verhaltensmuster auffällt, könnten da bei der Erkennung helfen.

Auch in Sachsen macht der Trend vor Jugendlichen nicht halt. Therapeuten und Forscher sind über diese Entwicklung sehr besorgt. Deshalb hat ein Expertenteam aus Dresden einen neuen Therapie-Ansatz zur Behandlung von jungen Drogenkonsumenten erarbeitet.

Hilfe bei Suchtproblemen

Illegale Drogen oder Alkohol beeinträchtigen Ihr Leben und Ihre psychische Gesundheit? Oder aber Essstörungen, Depression, zu viele Medikamente oder Glücksspiel belasten Sie und auch Ihre Freunde und Familie? Sie benötigen eine erste Beratung oder intensivere Unterstützung, um einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden?

Suchtberatung bei Ihrem Kreisverband vor Ort des Deutschen Roten Kreuz finden Sie hier. Beratungsangebote in Sachsen-Anhalt können über den Suchthilfewegweiser gefunden werden.

Das Suchtberatungszentrum I - DROBS Magdeburg berät seit 2016 Suchtkranke und Angehörige zu Problemstellungen in der Erziehung, zu Schulden und/oder Missbrauchserfahrungen mit verschiedenen Angeboten.

Information und Beratung zum Konsum von legalen und illegalen Drogen durch DROBS Magdeburg ist von Montag und Donnerstag 9 bis 18 Uhr, Dienstag und Freitag 8 bis 12 Uhr sowie Mittwoch 14 bis 17 Uhr telefonisch unter 0391 / 25 27 096 möglich.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: SACHSENSPIEGEL | 07. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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