Kontaktnachverfolgung Gesundheitsämter nicht für 4. Corona-Welle gewappnet

In der Coronapandemie haben die Gesundheitsämter bislang noch kaum zusätzlichen Stellen bekommen. Das bestätigte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Dienst, Teichert, MDR AKTUELL. Wegen der bürokratischen Abläufe würden die meisten Ausschreibungen erst jetzt starten.

Kathrin Albrecht telefoniert im Arbeitsraum der Kontaktnachverfolger mit Bürgern, die wegen der Corona-Schutzmaßnahmen in häuslicher Quarantäne bleiben müssen.
Bei einer möglichen vierten Corona-Welle hätten die Gesundheitsämter wieder alle Hände voll zu tun, um Kontakpersonen zu ermitteln. Bildrechte: dpa

Ein bisschen durchatmen, sich endlich mal wieder den eigentlichen Aufgaben widmen, so sieht es gerade in vielen mitteldeutschen Gesundheitsämtern aus.

Ämter im Normalmodus

Ute Teichert ist die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Laut ihr ist derzeit etwas Ruhe eingekehrt: "Fakt ist zurzeit, dass viele, die zur Unterstützung in den Gesundheitsämtern waren, jetzt wieder abgezogen wurden, sodass die Gesundheitsämter wieder auf Normalgröße zurückgeführt wurden. Sprich, wenn jetzt die Zahlen weiter ansteigen, ist auch weiterer Personalbedarf in den Gesundheitsämtern notwendig."

Viele Gesundheitsämter haben zwischenzeitlich zusätzliches Personal aus der Verwaltung eingesetzt, außerdem Unterstützung von der Bundeswehr und dem RKI bekommen. 5.000 dauerhafte, neue Stellen soll der "Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst" innerhalb von fünf Jahren deutschlandweit bringen. Aber wegen der bürokratischen Abläufe starten die meisten Ausschreibungen vielerorts erst jetzt.

Wenig Fachpersonal auf dem Markt

Für die mögliche nächste Welle bringt der Pakt vom Bund also noch nichts, sagt auch Martina Weber, Sozialdezernentin im Landkreis Görlitz. Zumal auf dem Markt kaum noch Fachpersonal zu finden sei.

Die aktuelle Lage im Gesundheitsamt des Landkreises beschreibt sie so: "Bei einer Inzidenz von 0 bis 2 sind 30 Leute im Einsatz und Sie können sich vorstellen, bei einer Inzidenz von 35 brauche ich alleine 65 Leute bei der Kontaktpersonenermittlung. Wir werden nie eine Lage nur alleine aus dem Gesundheitsamt beherrschen, das ist völlig illusorisch."

65 von 80 Vollzeitstellen, die das Gesundheitsamt regulär hat, müssten dann also allein dafür genutzt werden, Kontakte nachzuverfolgen. Ohne Unterstützung aus anderen Bereichen werde es also auch dieses Mal nicht gehen, wenn die Inzidenzen steigen, sagt Weber. Mehrere mitteldeutsche Gesundheitsämter teilten MDR AKTUELL mit, dass sie sich mit Blick auf den Herbst einen Paradigmenwechsel wünschen.

Prioritätensetzung bei der Kontaktnachverfolgung

Epidemiologisch sei es zwar sinnvoll, Kontakte schnell und umfassend zu ermitteln, sagt Ute Teichert vom Bundesverband des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Aber wenn höhere Infektionszahlen politisch akzeptiert werden, weil mehr Menschen geimpft sind, sollte ihrer Meinung nach auch überlegt werden, ob die strengen Vorgaben für die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung bestehen bleiben.

Teichert sagt: "Wenn man die Inzidenzen weiter koppelt an die Kontaktpersonennachverfolgung, so wie es im Moment ist, dann wird das für die Gesundheitsämter ein ganz erhebliches Problem werden, weil die, die Kontaktpersonennachverfolgung weiter wie bisher machen müssen."

Es könne sinnvoll sein, dann Prioritäten zu setzen: Zum Beispiel, indem vor allem auf Cluster und sensible Bereiche wie medizinische Einrichtungen geachtet werde.

Fakt ist, schon jetzt berichten einige Gesundheitsämter in Mitteldeutschland davon, dass mehr Arbeit und mehr Infektionen durch Reiserückkehrer entstehen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. August 2021 | 07:09 Uhr

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