Corona-Impfung Was ist, wenn der Hausarzt nicht impft?

Die Corona-Impfungen schreiten voran und daran haben auch die Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland ihren Anteil. Jede vierte Impfung bislang wurde dort verabreicht; insgesamt erhielten mehr als acht Millionen Menschen bei ihnen ihren Piks. Doch nicht alle machen mit. Ein MDR-AKTUELL-Hörer fragt sich, was ist, wenn der Hausarzt oder die Hausärztin sich weigert? Ist das okay?

Der Hausarzt Robin John (r) verabreicht dem 85-jährigen Hans-Joachim Nettelbeck in einem Behandlungszimmer die erste Impfung mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer.
Seit Ostern impfen auch die Hausärztinnen und Hausärzte gegen das Coronavirus. Bildrechte: dpa

Steffen Heidenreich ist Hausarzt in Auerbach im Vogtland. Er impft selbst, weil er sagt, nur so lasse sich die Pandemie aufhalten. Doch er kenne in seinem Umfeld Kolleginnen und Kollegen, die nicht an der Impfkampagne teilnähmen. Aus unterschiedlichsten Gründen, wie Steffen Heidenreich erklärt: "Es gibt Ärzte, die von ihrer Grundeinstellung her nicht impfen. Das ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Es gibt aber auch Ärzte, die aufgrund der räumlichen Beengtheit ihre Abstandsregeln in der Praxis nicht einhalten können. Da ist ein gewisses Verständnis da. Und einige Praxen fühlen sich überfordert mit den täglich wechselnden Lieferungen oder Nicht-Lieferungen von Impfstoff, sodass sie frustriert irgendwann gesagt haben: Jetzt impfe ich nicht mehr."

Eine Hand schreibt etwas in einen Impfpass. 14 min
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Keine Verpflichtungen für Hausärzte

Hausärzte als Impfgegner – das kann Steffen Heidenreich nach eigenen Worten nicht tolerieren. Heidenreich ist auch Vorsitzender des sächsischen Hausärzteverbands. Für Patientinnen und Patienten, deren Praxis nicht impft, hat er nur einen Tipp: "Ich kann nur empfehlen, sich entweder ans Impfzentrum zu wenden oder in anderen Arztpraxen höflich anzufragen, ob sie bei den anderen Kollegen geimpft werden." Andere Möglichkeiten gebe es nicht, sagt der Mediziner. Denn Haus- oder andere Fachärzte können zum Impfen nicht verpflichtet oder gar gezwungen werden.

Der Hausärzteverband, die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesärztekammer Sachsens bestätigen das übereinstimmend. Grundsätzlich sei Arzt oder Ärztin eben ein freier Beruf, erklärt Klaus Heckemann von der KV Sachsens: "Rein rechtlich ist er im Recht – er ist nicht angreifbar. Er ist freiberuflich tätig, er hat keinen Vorgesetzten, der ihm das anweisen kann. Im Krankenhaus würde das gehen. Aber ich habe dafür kein Verständnis."

Impfungen nur bei einem Drittel der Hausärzte möglich

Bundesweit gebe es rund 150.000 Praxen, die impfen dürften, doch nur ein Drittel von ihnen impfe tatsächlich, teilt der Hausärzteverband mit. Die anderen zwei Drittel könnten aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mitmachen – oder wollten nicht. Wie viele niedergelassene Ärzte nicht wollen würden, lasse sich nicht sagen, sagt Erik Bodendieck von der Landesärztekammer Sachsen: "Ich glaube, grundsätzlich ist dieser Teil sehr gering, der auf dieser Schiene unterwegs ist. Wenn ich mir anschaue, wie viele Ärztinnen und Ärzte sich an unseren Fortbildungen beteiligen, dann ist das die übergroße Zahl, die hier ihre Fragen los wird. Deswegen machen wir die Fortbildungen. Und die Zahl derer, die sich am Impfen beteiligen, wird ja auch immer größer."

Jedoch, es könne auch ein Problem werden, wenn sich deutlich mehr Arztpraxen an der Impfkampagne beteiligten, finden die Ärztevertreter. Denn dafür fehle momentan schlicht der Impfstoff – vor allem der von Biontech/Pfizer. 

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2021 | 06:22 Uhr

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