Corona-Pandemie Polizei vermutet hohe Dunkelziffer bei gefälschten Corona-Impfzertifikaten

Seitdem es Ungeimpfte im Alltag deutlich schwerer haben, etwa bei Besuchen in Restaurants oder Theatern, haben die Corona-Impfzertifikate an Wert gewonnen. Anstatt einen kostenpflichtigen Test vorzuweisen, werden zunehmend Impfpässe gefälscht. Erst diese Woche machten Polizisten in München eine Betrügerbande dingfest, die Hunderte gefälschte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis hergestellt und im Internet verkauft haben soll. Ein Problem auch in Sachsen und Thüringen.

Ein Impfpass, auf dem zwei Corona-Impfungen mit Comirnaty dokumentiert sind, vor dem Logo einer Apotheke
Apotheken fällt es nicht immer leicht, einen gefälschten Impfpass zu erkennen. Bildrechte: dpa

Besonders häufig scheinen Fälschungen aufzufallen, wenn Menschen versuchen, mit einem gefälschten Impfpass ein digitales Impfzertifikat zu erhalten. Das bestätigte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Dort gebe es mittlerweile 50 konkrete Verdachtsmeldungen. In Sachsen gab es bis Mitte Oktober nach Angaben der Polizei 22 Fälle. Knapp die Hälfte davon entfallen auf Leipzig.

Hohe Dunkelziffer an gefälschten Impfpässen

Reinhard Groß vom sächsischen Apothekerverband ist von dieser Entwicklung nicht überrascht. Der Apothekerverband ist nach seinen Worten oft mit Fälschungen konfrontiert. So würden beispielsweise gefälschte Rezepte vorgelegt. "Wenn uns da irgendwas komisch vorkommt, dann verweigern wir die Herausgabe eines Zertifikats. Ob wir dann noch die Staatsanwaltschaft oder Polizei einschalten, ist eine Ermessensfrage", erzählt er. Es liegt also in der Hand des jeweiligen Kollegen, was er oder sie im konkreten Fall unternimmt. Dass mehr gefälschte Zertifikate im Umlauf sind als bekannt – davon geht Groß aus.

Polizeisprecherin: Fälschung ist leicht

Auch Polizeisprecherin Therese Leverenz sagt, die Dunkelziffer sei mit Sicherheit weitaus höher. Denn Impfausweise zu fälschen, sei leicht: "Bisher wurden frei im Handel erhältliche Blanko-Impfpässe mit dem Namen der vermeintlich geimpften Person beschriftet und außerdem wurden auch Chargenaufkleber des Impfstoffes und Stempel der Impfärzte oder der Impfzentren gefälscht und dann mit Arztstempeln und Unterschriften versehen", sagt Leverenz.

Die Impfpässe selbst, Stempel und Chargenaufkleber können einfach im Internet heruntergeladen werden. Oft werden Bilder von echten Impfpässen verwendet, die Geimpfte in sozialen Netzwerken hochgeladen hatten. "Das Delikt wird seitens der Staatsanwaltschaft als Urkundenfälschung klassifiziert. Im Falle von ausgefüllten Impfpässen, die angeboten oder veräußert werden, wie zum Beispiel im Internet, wird von einer gewerbsmäßigen Urkundenfälschung auch bezüglich des Herstellers und Verkaufens ausgegangen", erklärt Leverenz.

Impfpass-Fälschern droht Haftstrafe

Je nach Ausmaß und Umfang müssen Fälscher zwischen sechs Monaten bis zu zehn Jahren in Haft. Die Gefährdung des Infektionsschutzes ist dabei strafrechtlich nicht relevant. Vergangenen Freitag forderte die Ministerpräsidentenkonferenz den Bund per Beschluss auf, kurzfristig zu prüfen, wie es trotzdem gelingen kann, die Fälschung von Impf-, Genesenen- und Testbescheinigungen angemessen zu bestrafen.

Fehlende Sicherheitsmerkmale auf den Impfpässen machen es Apothekern jedoch schwer, Fälschungen zu erkennen. Trotzdem gebe es Indizien, an denen sie sich orientieren, erzählt Reinhard Groß vom sächsischen Apothekerverband. Denn als Apotheker würden sie ihre Patientinnen und Patienten kennen: "Wenn ein Patient vor uns steht, den wir noch nie gesehen haben, der uns einen Impfausweis vorlegt, den wir auch nicht einordnen können, dann gehen generell die Alarmglocken an. Dann schaut man ganz genau hin und dann würde man auf verschiedene Merkmale achten, die ich hier nicht einzeln aufführen möchte, um da keine Schützenhilfe zu geben, wie man so etwas fälscht."

Dass auch Mitarbeiter von Apotheken wie im laufenden Fall in München, Teil der Machenschaften sein können, ist Groß bewusst. Aber das seien die absoluten Ausnahmen. Davon ist er überzeugt.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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