Immunisierung Impfen durch Apotheker, Tierärzte und Zahnärzte

30 Millionen Menschen sollen bis Weihnachten geimpft werden. Dieses Ziel hat Bald-Bundeskanzler Olaf Scholz gesetzt. Aber wie soll es gelingen? Viele Impfzentren sind dicht. Und die Hausarztpraxen sind überlastet. Bund und Länder wollen daher nun auch Apotheker, Zahnärzte, Pflegekräfte und vielleicht sogar Tierärzte in die Impfkampagne einbeziehen. Und die signalisieren Bereitschaft.

Eine Apothekerin am Verkauftresen erläutert dem Kunden die Wirkung eines Medikamentes.
Nach den Plänen der Bundesregierung dürften auch Apothekerinnen und Apotheker demnächst impfen – allerdings erst nach einer entsprechenden Schulung. Bildrechte: imago/Uwe Steinert

  • Apotheker lernen im Studium nicht, wie man eine Spritze verabreicht.
  • Es müssen Gesetze angepasst werden.
  • Zahn- und Tierärzte fordern die Klärung der Haftungsfrage.

Impfen – das wäre für die meisten Apotheker völlig neu, erklärt Reinhard Groß, Inhaber mehrerer Apotheken in Zwickau. Doch nicht nur er, sondern sicherlich viele seiner Kolleginnen und Kollegen stünden dafür in den Startlöchern, so Groß. "Trotzdem drücke ich mich da vorsichtig aus, weil sehr viele Apotheken in Sachsen an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Einmal durch ihren eigenen Krankenstand, andererseits durch die zusätzlichen Herausforderungen bei Corona-Schnelltests und beim Digitalisieren der Impf-Zertifikate."

Impfen in der Apotheke in wenigen Wochen nicht machbar

Apotheker lernen in ihrem Studium nicht, wie man eine Spritze verabreicht. Erst seit einem Jahr tasten sie sich heran, und zwar im Rahmen eines Modellversuchs mit Grippeschutz-Impfungen.

Rund 2.600 Apotheker in Deutschland erhielten Impfschulungen, allerdings nicht in Mitteldeutschland. Für Coronaschutz-Impfungen sollen sie sich daher, so lautet der Plan von Bund und Ländern, schulen lassen. Nicht nur deshalb sei das Impfen in Apotheken von heute auf morgen nicht machbar: "Dann müssen in den Apotheken die Voraussetzungen geschaffen werden, personelle und räumliche Voraussetzungen. Ich sehe aber noch ein Problem. Die Impfstoffe müssen in der nötigen Menge vorhanden sein."
 
Und es müssten Gesetze angepasst werden, fügt Groß hinzu. Bund und Länder wollen dafür das Infektionsschutzgesetz ändern. Bis der Bundestag es verabschiedet, dürften aber noch Wochen vergehen. 

Zahn- und Tierärzte: Erst Haftungsfrage klären, dann impfen

Auch Zahn- und Tierärzte sollen dann impfen dürfen. Die wüssten, wie man spritzt, weil sie es gelernt hätten, sagt Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalts.

Hund beim Zahnarzt
Auch Tierärzte sollen Coronaschutz-Impfungen geben dürfen. Bildrechte: colourbox

Und auch die nötigen Behandlungsräume und Wartezimmer seien schon da: "Grundsätzlich sind die Zahnärzte bereit, beim Impfen mitzumachen. Dazu muss allerdings die Haftungsfrage noch geklärt sein."

Dr. Bodo Kröll, Vorsitzender des Thüringer Tierarztverbandes, sieht das für seinen Berufsstand genau so. "Wir Tierärzte sind von unserer Ausbildung her in der Lage, beim Impfen zu helfen. Wenn die Haftungssituation geklärt ist und die Logistik die Möglichkeit schafft, dass die Impfstoffe zu uns in die Praxis kommen, werden wir impfen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir Tierärzte auch in Impfzentren aushelfen können." 

Zahn- und Tierärzte fordern die Klärung der Haftungsfrage. Wer kann verantwortlich gemacht werden, wenn etwas schief läuft? Es also zu schweren Komplikationen nach der Impfung kommt. Das ist selten. In 0,02 Prozent der Fälle hat das Paul-Ehrlich-Institut schwere Komplikationen erfasst wie Entzündungen am Herzen oder Thrombosen.

Bislang ist es so, dass eine impfende Ärztin dafür nur dann haftet, wenn sie oder er Fehler macht – zum Beispiel den Impfstoff falsch dosiert oder eine Vorerkrankung übersieht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 06. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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