Corona-Impfung Pro und Contra: Ob eine Impfpflicht für Pflegekräfte angebracht ist

Für einige Berufsgruppen gilt eine Impfung gegen das Coronavirus als besonders wichtig – vor allem dann, wenn Menschen in ihrem Beruf mit vulnerablen, also besonders gefährdeten Personen in Kontakt kommen. Deshalb wird für diese Gruppen zurzeit über eine Impfpflicht diskutiert, insbesondere für Pflegekräfte.

Eine Patientin wird von einer Krankenschwester im Intensiv- und Überwachungsbereich einer Klinik medizinisch versorgt.
Vor allem Pflegekräfte stehen zurzeit im Fokus der Debatte um eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. Bildrechte: dpa

Kommt die Impfpflicht für Pflegepersonal in Deutschland? Darüber wird zurzeit in Politik und Gesellschaft diskutiert. Und auf beiden Seiten der Diskussion gibt es wichtige Argumente, die bei einer Entscheidung berücksichtigt werden sollten.

Diakonie: Impfpflicht trotz drohendem Personalverlust

Die Diakonie Mitteldeutschland spricht sich wie auch ihr Bundesverband für eine vorübergehende Impfpflicht gegen Covid-19 für Pflegekräfte aus. "Denn Pflegende gehen in ihrem Beruf mit den vulnerablen und damit besonders gefährdeten Gruppen um. Hier geht es um die Sicherheit besonders schutzbedürftiger Menschen."

Man könne in der Pflege die in der Pandemie geltenden Hygieneregeln nicht gänzlich einhalten. Abstand sei zum Beispiel nicht möglich: "Im Gegenteil bringt es dieser Beruf mit sich, dass zwangsläufig Berührungsgrenzen überschritten werden. Wir plädieren für die vorübergehende Impfpflicht, obwohl wir befürchten müssen, dass wir Pflegekräfte in den Einrichtungen verlieren werden." Den Pflegekräftemangel gebe es schon länger und er würde sich damit verstärken. "Aber unser Schutzauftrag wiegt in diesem Falle schwerer."

Verdi: Weiterer Verlust von Glaubwürdigkeit in der Politik

Anders sieht es Verdi-Vorsitzender Frank Werneke: "Die Impfquote in Bereichen wie der Pflege, dem Gesundheitswesen und Kitas ist im Verhältnis zum Durchschnitt der Bevölkerung sehr hoch. Wenn jetzt über eine Impfpflicht nachgedacht wird, führt das nicht dazu, dass signifikant mehr Menschen geimpft werden, sondern dass noch mehr Betroffene ihren Beruf verlassen werden."

Das verschärfe den Personalmangel in allen betroffenen Bereichen, namentlich in der Pflege und im Gesundheitswesen. Und es verstärke das Glaubwürdigkeitsproblem in der Politik, nachdem eine Impfpflicht zuvor monatelang ausgeschlossen worden sei und nun plötzlich alles anders kommen solle: "Für die Beschäftigten in den Krankenhäusern, in der Pflege und in Kitas, die zwar enorm viel leisten, bleibt die frustrierende Erfahrung, dass sie von der Politik und den Arbeitgebern meistens nur mit warmen Worten abgespeist werden sollen."

Berufsverband für Pflegeberufe warnt vor weiteren Exodus aus Beruf

Und auch die Berufsvertretung der Pflege, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) spricht sich gegen eine einseitige Impfpflicht aus. Die Chefin des Verbandes Südost, Marliese Biederbeck, sagte, "die Pflegenden sind durch Corona völlig überlastet und sollen jetzt das Versagen der Politik schultern". Das Problem der hohen Indzidenzen dürfe nicht auf die Gesundheitsberufe abgewälzt werden, während sich mehr als 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nicht impfen lassen.

 Durch die Erfahrungen während der Pandemie denken Pflegende verstärkt an einen Ausstieg aus dem Beruf oder haben bereits gekündigt. Mit dieser Diskussion rund um eine Impfpflicht ist zu befürchten, dass wir noch mehr Pflegende verlieren werden

Dr. Marliese Biederbeck, DBfK Südost

Viele Pflegende empfänden das als ungerecht. Die Kliniken füllten sich mit hauptsächlich Ungeimpften, Pflegende arbeiteten rund um die Uhr unter Hochdruck, überall fehle es an Kolleginnen und Kollegen, sie arbeiten am Limit, werde jede einzelne Fachkraft gebraucht: "Durch die Erfahrungen während der Pandemie denken Pflegende verstärkt an einen Ausstieg aus dem Beruf oder haben bereits gekündigt. Mit dieser Diskussion rund um eine Impfpflicht ist zu befürchten, dass wir noch mehr Pflegende verlieren werden", warnt Biederbeck.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. November 2021 | 06:00 Uhr

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