Mitteldeutschland Debatte um Corona-Impfungen an Schulen für Kinder ab zwölf Jahren

Wie kann man auch möglichst viele Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit Impfangeboten erreichen? Diese Frage stellen sich gerade viele Bundesländer. Und automatisch wandern die Gedanken da zu den Schulen. Auch das sächsische Bildungsministerium überlegt offenbar, ob es nach den Sommerferien Impfangebote an weiterführenden Schulen geben soll. Wie kommt das an und wie halten es die anderen Bundesländer in Mitteldeutschland?

Eine Person mit Schutzhandschuhen indiziert mit einer Impfspritze eine Impfdosis mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty
Bald könnten Schülerinnen und Schüler direkt in der Schule geimpft werden – doch die Meinungen sind gespalten. Bildrechte: imago images/Fotostand

Impfen an Gymnasien, Oberschulen und Berufsschulen – Nicolle Möller, Vorsitzende des sächsischen Landeselternrats, hält von der Idee nichts: "Ich finde, das Hauptaugenmerk in der Schule sollte darauf liegen, Wissen zu vermitteln und die Kinder nach den aufregenden zwei Schuljahren abzuholen."

Das Impfen sollte in Arztpraxen und Krankenhäusern stattfinden. "Und somit hat jede Familie die Möglichkeit zu entscheiden, ob die Kinder ab dem zwölften Lebensjahr geimpft werden oder nicht."

Meinungen von Schülern, Eltern und Ärzten gehen auseinander

Schule sollte Schule bleiben, findet Möller. Anders sieht das Joanna Kesicka. Sie ist die Vorsitzende des sächsischen Landesschülerats.

Impfangebote an Schulen fände sie gut: "Es wäre uns wirklich wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler das Impfangebot vielleicht auch gerade an Berufsschulen bekommen können. Denn das sollte ein wichtiger Schritt in Richtung Präsenzunterricht im nächsten Schuljahr werden." An den Berufsschulen seien viele Schülerinnen und Schüler schon 18 oder älter – sie bräuchten dann auch kein Einverständnis ihrer Eltern.

Stefan Mertens, der die Kinder- und Jugendärzte in Sachsen vertritt, will die Impfungen lieber in den Praxen als an den Schulen: "Wir kennen die Familien, wir kennen die Erkrankungen der Kinder, wir können viel besser mit den Eltern und den Kindern selbst über die Impfung, die Nebenwirkungen und die Notwendigkeit sprechen."

Die Abstimmungen zu dem Thema seien noch nicht abgeschlossen, lässt das sächsische Kultusministerium MDR AKTUELL wissen.

Schulleitungsverband: Soziale Gerechtigkeit durch Schulimpfungen

Ähnliche Töne kommen aus Sachsen-Anhalt. Es gebe Überlegungen und erste Gespräche dazu, teilt das Bildungsministerium mit. In Thüringen soll es Impfungen an Schulen nur dann geben, wenn eine Schule das anfragt. An einem Gymnasium habe es eine solche Impfaktion bereits gegeben, schreibt das Bildungsministerium MDR AKTUELL.

Gudrun Wolters-Vogeler ist die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschlands. Sie betont, dass Impfangebote an Schulen für soziale Gerechtigkeit sorgen könnten: "Wir erleben jetzt, dass Eltern oder auch Erwachsene, die in sozial gut oder mittelgestellten Familien sind, eher bei den Impfungen dabei gewesen sind als die in den sozialen Brennpunkten. Und dies hier wäre ein Moment der Gerechtigkeit, weil alle Kinder in die Schule gehen."

Und weil alle vollständig geimpften Schulkinder bei einem Corona-Fall in der Klasse nicht mehr in Quarantäne müssen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. August 2021 | 08:12 Uhr

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