Versicherung Corona-Infektion als Arbeits- oder Schulunfall melden bringt Vorteile

Fast 20 Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben sich inzwischen mit dem Coronavirus infiziert. Manche erkrankten gar nicht, manche schwer. Für eine bestmögliche Behandlung der kurz- oder langfristigen Folgen kann es Vorteile bringen, eine Covid-Infektion als Arbeits- oder Schulunfall zu melden.

Ein Mann nimmt ein Stäbchen für einen Corona-Schnelltest aus einer Hülle
Betroffene müssen die Infektion am Arbeitsplatz nachweisen. Bildrechte: dpa

Hat man sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus infiziert, kann man das als Unfall melden. Das geht bei der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Ernst-Bernd Wischeropp von der gleichnamigen Kanzlei ist Medizinrechtsanwalt. Er sagt: "Eine Corona-Infektion kann rechtlich gesehen sowohl eine Berufskrankheit wie auch einen Arbeitsunfall darstellen – mit den entsprechenden sich daraus ergebenden Leistungen."

Absicherung bei langfristigen Covid-Folgen

Dasselbe gelte für Schulkinder. Sie seien auf dem Weg zur und in die Schule gesetzlich unfallversichert. Eltern von in der Schule infizierten Kindern können demnach die Leistungen der Unfallkasse ihres Bundeslandes in Anspruch nehmen. Erkennt die Kasse eine Corona-Infektion als Unfall an, ist das von Vorteil, erklärt Ernst-Bernd Wischeropp. Bei einem milden Verlauf gebe es im Regelfall keine Probleme: "Es kann aber sein, dass Sie einen schweren Verlauf oder Long-Covid-Erkrankungen haben. Dementsprechend kann es sein, dass sie auf Dauer mit Problemen zu kämpfen haben, die sich auch nicht ohne Weiteres geben. Insofern ist es anzuraten, bei einer Covid-Infektion tätig zu werden und die Meldung zu machen." 

Die Unfallkassen zahlen dann mehr als Krankenkassen, die sich in der Regel nur um das medizinisch Notwendige kümmern. Geht es um längere oder alternative Heilversuche oder Rehas, übernimmt die Unfallkasse.

Betroffene müssen Nachweise erbringen

Um den Unfall – also die Infektion – melden zu können, müssen ein paar Voraussetzungen gegeben sein. Die Infektion ist per PCR-Test nachzuweisen. Wichtig ist auch, dass die Infektion auf Arbeit oder in der Schule geschah.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung schreibt dazu auf Ihrer Webseite: "Versicherte können einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit formlos anzeigen. Dies sollte dann geschehen, wenn sie Anlass haben anzunehmen, dass die Infektion bei der Arbeit geschehen ist – zum Beispiel bei einem engen Kontakt mit einer infizierten Person – und wenn der Arzt oder die Ärztin nicht nur eine Infektion mit dem Coronavirus, sondern auch die Erkrankung Covid-19 diagnostiziert hat."

In der Praxis kann der Nachweis, wo man sich infiziert hat, natürlich schwer sein. Doch wenn Arbeitskollegen oder Lehrkräfte die Infektion bestätigen, hat man gute Karten. Grundsätzlich ist die Unfallkasse auch verpflichtet, einen Verdachtsfall zu prüfen.

Arbeitgeber informieren oder selbst bei Unfallkasse melden

Wer also Verdacht auf eine Infektion auf Arbeit oder in der Schule hat, sollte Ernst-Bernd Wischeropp zufolge folgende Schritte gehen:

  1. Arbeitgeber informieren: Der Arbeitgeber macht eine Meldung beim Versicherungsträger.
  2. Hausarzt aufsuchen: Der Hausarzt schickt Sie zum Durchgangsarzt. Alternativ können Sie direkt zum Durchgangsarzt gehen.
  3. Durchgangsarzt: Sendet ein Formular an den Versicherungsträger.

Alternativ können Betroffene ihre Infektion laut Ernst-Bernd Wischeropp auch selbst der Unfallkasse melden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 25. März 2022 | 06:00 Uhr

5 Kommentare

FeyCelicourt vor 26 Wochen

Ich habe mich im Januar 2021, mit dem Coronarvirus auf der Arbeit angesteckt, ich bin Pflegefachkraft, ich habe auch an allen Stellen gesagt, dass ich mich auf der Arbeit angesteckt habe, die BG hat sich aber nie bei mir gemeldet, obwohl ich heute noch ein paar Schwierigkeiten habe, kann man das auch noch im Nachhinein, quasi als Arbeitsunfall bezeichnen

Lumberjack vor 26 Wochen

"Wichtig ist auch, dass die Infektion auf Arbeit oder in der Schule geschah." Der rechtssichere Beweis dafür ist in den meisten Fällen unmöglich. Die BGen warten sicher auf solche Meldungen.

Felix vor 26 Wochen

Und wer denkt an die Folgen der Maßnahmen? Da höre ich nichts, dass man diese der Unfallkasse melden kann. Gerade Schüler, die sich dem ganzen Wahnsinn nicht entziehen konnten/können, müssten das als Berufskrankheit abrechnen können. Das ganze treibt immer schrägere Blüten. Wo bleibt eigentlich der wissenschaftliche Nachweis von Ansteckungen? Selbst bei den bewussten Ansteckungsversuchen in England ist nur ein Teil der Freiwilligen krank geworden. Und ob die, die krank geworden sind, aufgrund der Ansteckungsversuche krank geworden sind, ist auch nicht geklärt - es fehlte an Kontrollgruppen und Kontrollversuchen.

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