Corona-Pandemie Jede zweite Intensivstation arbeitet eingeschränkt

Mehr als doppelt so viele Covid-Patienten benötigen derzeit intensivmedizinische Behandlung als vergangenen Sommer. Ein hoher Krankenstand beim Personal setzt Kliniken vor eine weitere Herausforderung, viele Angestellte fallen ausgerechnet wegen Corona-Infektionen aus. Auch die Wirtschaft ächzt unter den zunehmenden Corona-Infektionen.

Intensivpflegerin neben dem Bett eines Corona-Patienten
Mehr als 1.000 Covid-Erkrankte werden derzeit intensivmedizinisch betreut. Vor einem Jahr waren es halb so viele. Bildrechte: dpa

Mehr als die Hälfte der Intensivstationen in Deutschland arbeitet wegen Personalmangels in eingeschränktem Betrieb. Das sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, den Funke-Medien.

Nach seiner Aussage sind 55 Prozent in eingeschränktem oder teilweise eingeschränktem Betrieb. Eine so hohe Zahl kenne man sonst nur aus den Corona-Wellen der vergangenen Winter. Viele Mitarbeitende seien erkrankt oder würden Urlaub machen. Zugleich hätten die Krankenhäuser fast 2.000 Intensivbetten weniger zur Verfügung als noch ein Jahr zuvor, was vor allem dem Personalmangel geschuldet sei.

Doppelt so viele Covid-Intensivpatienten wie vergangenen Juli

Die Intensivstationen verzeichnen Marx zufolge zudem einen deutlichen Anstieg an Covid-Patienten. Dem jüngsten Divi-Tagesreport zufolge werden mit Stand Samstagmittag 1.053 Covid-Kranke intensivmedizinisch behandelt – etwas weniger als am Freitag, die Tendenz ist aber seit Mitte Juni steigend und ist derzeit doppelt so hoch wie vor einem Jahr.

Am 9. Juli 2021 lag die Zahl der Covid-Intensivpatienten bei 447, ein Jahr zuvor bei 278. Laut Marx ist die Versorgung der lebensbedrohlich erkrankten Patienten und Notfallpatienten zwar überall gesichert, Operationen würden aber wieder verschoben.

Positivenquote wieder bei 50 Prozent

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die steigenden Corona-Zahlen als große Belastung für die Wirtschaft. DIHK-Präsident Peter Adrian sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, coronabedingte Personalengpässe seien für viele Unternehmen eine Herausforderung - "erst recht bei ohnehin schon bestehendem Fachkräftemangel". So müssten Aufträge abgelehnt werden, Dienstleistungsangebote würden reduziert und Servicezeiten gekürzt.

Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen steigt seit Wochen deutlich, zuletzt flachte sich die Entwicklung aber etwas ab. Nach Daten des Robert Koch-Instituts lag die deutschlandweite Inzidenz am Samstag bei 700 Neuansteckungen pro 100.000 Menschen und Woche.

Allerdings rechnen Fachleute mit deutlich höheren Werten tatsächlicher Infektionen. Die sogenannte Positivenrate lag in der Woche vom 20. Juni bei knapp 50 Prozent – das heißt, von 100 PCR-Tests fallen 50 positiv aus. Einen Monat zuvor waren es noch 28 Prozent. Je höher der Wert ist, desto höher wird auch die Dunkelziffer geschätzt. Hinzu kommen Ergebnisse aus regionalem Abwasser-Monitoring, die auf ein deutlich höheres Infektionsgeschehen deuten.

MDR AKTUELL, epd, Reuters, AFP (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2022 | 12:00 Uhr

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