Verständlich, aber bedenklich Experten kontern Aussagen von Kimmich zu Covid-19-Impfungen

Mit der Äußerungen seiner Bedenken gegen Covid-19-Impfungen wegen fehlender Langzeitstudien hat der Fußballspieler Joshua Kimmich offenbar einen Nerv getroffen – auch bei Fachleuten, die ihm unisono widersprechen.

Kingsley Coman und Joshua Kimmich vom 1. FC Bayern München
Bayern-Profi Joshua Kimmich (rechts im Bild) hat ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber Covid-19-Impfungen geäußert und damit eine Debatte losgetreten. Bildrechte: imago images/Philippe Ruiz

Die von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich beförderten Zweifel an der Sicherheit von Covid-19-Schutzimpfungen haben Experten auf den Plan gerufen. So sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens: "Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe."

Allerdings habe Kimmich mit der Äußerung seiner Bedenken "einem Problem Ausdruck verliehen, das sicher bei manchen Menschen in unserer Gesellschaft so gesehen wird", sagte Mertens in dem dpa-Interview.

"Persönliche Bedenken" eher "nicht hilfreich"

Kimmich hatte gesagt, er lasse sich nicht impfen, weil er wegen fehlender Langzeitstudien "persönlich noch ein paar Bedenken" habe. Bei MDR AKTUELL äußerte Mertens auch Verständnis dafür, weil das Bedenken seien, die in der Bevölkerung immer wieder vorkämen. Anderseits sei das problematisch. Für neue Mittel in der Medizin gebe es naturgemäß keine Langzeitergebnisse. Das sei Logik. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es aber keinen Grund für diese Skepsis. Nach allem, was man bisher wisse, werde es keine Spätfolgen durch die Impfung geben. Für die Impfkampagne sei eine solche Äußerung des FC-Bayern-Profis nicht günstig. 

Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO 6 min
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von Jörg Schneider, MDR AKTUELL

MDR AKTUELL Mo 25.10.2021 06:05Uhr 05:45 min

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Man müsse bedenken, dass mittlerweile sieben Milliarden Dosen an Covid-19-Impfstoff verabreicht seien, sagte Mertens der dpa: "Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind." In der Wissenschaft sei man sich einig, dass später auftretende Nebenwirkungen "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität" seien.

Auch andere Fachleute widersprechen Kimmich

Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Er sprach von einem sich hartnäckig haltenden Missverständnis. Es gehe hier um Nebenwirkungen, die innerhalb von Wochen nach der Impfung auftreten könnten, aber so selten, dass es manchmal Jahre brauche, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang bringe, nicht um Nebenwirkungen, die erst Jahre später auftreten.

Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich, dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und es wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten.

Carsten Watzl, Generalsekretär der DGfI

Der Kardiologe Jonas Zacher von der Deutschen Sporthochschule Köln sagte dazu dem TV-Sender Sky: "Die Wahrscheinlichkeit, dass unerwartete Langzeitfolgen auftreten, ist extrem gering, fast nichtig." Es gebe eine "ganz klare Empfehlung", sich impfen zu lassen. Und die gelte "auch für unsere Nationalspieler".

DFL spricht von 94 Prozent Impfquote

Ein solche Empfehlung kommt auch von der Deutschen Fußball-Liga, die an die "professionelle Verantwortung" der Spieler appelliert. Der scheidende DFL-Chef Christian Seifert bezifferte die Impfquote bezogen auf die Teams der Bundesliga auf 94 Prozent. Eine offizielle Zahl ist das aber nicht, da die Vereine der DFL ihre Impfquote auf freiwilliger Basis für die gesamten Teams melden – einschließlich etwa der Trainer und weiteren Betreuer.

Nach aktuellem Stand darf übrigens ein nicht geimpfter Spieler auch in einem Stadion auf den Platz, in das unter 2G-Bedingungen nur geimpfte oder genesene Zuschauer dürfen. Das Konzept der DFL für die Profi-Vereine und deren Angestellte betrifft den Arbeitsschutz, unabhängig vom Hygienekonzept für die Zuschauer.

Quellen: dpa, MDR, AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2021 | 08:47 Uhr

296 Kommentare

ralf meier vor 12 Wochen

Sie schreiben: 'Wenn der Totimpfstoff da ist, werden viele der Skeptiker sich impfen lassen.' Das könnte ich mir dann auch für mich vorstellen. Sie sehen, es geht nicht um den gern von den Qualitätsmedien kolportierten Virenleugner. Es geht um Menschen wie Herrn Kimmich die lieber rational Chancen und Risken abwägen als eine politisch korrekte Haltung zu zeigen.

JanoschausLE vor 12 Wochen

Prof. Hengel wird hier aber im Artikel zitiert:"Es gibt natürlich seltene Nebenwirkungen, die schwer sein können, die so selten sind, dass man sie jetzt innerhalb dieser Gesamtmenge eben in so kurzer Zeit nicht feststellen kann. Und aus der Vergangenheit von anderen Impfstoffen wissen wird, dass solche Nebenwirkungen prinzipiell auftreten können. Sodass man hier noch Geduld haben muss, aber immerhin, was wir hier bisher sehen ist vielversprechend." und Zitat" Natürlich darf nicht die Qualität der kritischen Prüfung darunter leiden, aber ich denke, dass wird nicht der Fall sein. Wenn die Daten ein Problem anzeigen, dann wird man handeln und die Zulassung tatsächlich wieder zurückziehen. Wenn solche Probleme nicht nachweisbar sind, dann wird der Impfstoff die Zulassung behalten und er wird hoffentlich viel Gutes bewirken."
Und,dieser aufgeführte Artikel im swr ist von Juli, zu einer Sache, wo es bald täglich neue Erkenntnisse gibt. Und Milliarden weitere Impfungen verabreicht wurden.

JanoschausLE vor 12 Wochen

Ich bin auf Ihre Spekulation inhaltlich eingegangen, Sie wollten suggerieren, dass infizierte Leute, auch auf den ITS, nicht an corona, sondern an Vorerkrankungen gestorben sind. Und das ist Quatsch. Es sterben weltweit viele Menschen auch ohne Vorerkrankungen an corona. Sie scheinen die Gefährlichkeit des Virus bis heute nicht erkannt zu haben. Naja, bei manchen dauert ein Lern-und Erkenntnissprozeß halt Jahre. Ich will Ihnen ja nicht unterstellen, dass Sie hier beabsichtigt Falschmeldungen unters Volk bringen möchten, oder?

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