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Bayern-Profi Joshua Kimmich (rechts im Bild) hat ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber Covid-19-Impfungen geäußert und damit eine Debatte losgetreten. Bildrechte: imago images/Philippe Ruiz

Verständlich, aber bedenklichExperten kontern Aussagen von Kimmich zu Covid-19-Impfungen

von MDR AKTUELL

Stand: 25. Oktober 2021, 13:30 Uhr

Mit der Äußerungen seiner Bedenken gegen Covid-19-Impfungen wegen fehlender Langzeitstudien hat der Fußballspieler Joshua Kimmich offenbar einen Nerv getroffen – auch bei Fachleuten, die ihm unisono widersprechen.

Die von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich beförderten Zweifel an der Sicherheit von Covid-19-Schutzimpfungen haben Experten auf den Plan gerufen. So sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens: "Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe."

Allerdings habe Kimmich mit der Äußerung seiner Bedenken "einem Problem Ausdruck verliehen, das sicher bei manchen Menschen in unserer Gesellschaft so gesehen wird", sagte Mertens in dem dpa-Interview.

"Persönliche Bedenken" eher "nicht hilfreich"

Kimmich hatte gesagt, er lasse sich nicht impfen, weil er wegen fehlender Langzeitstudien "persönlich noch ein paar Bedenken" habe. Bei MDR AKTUELL äußerte Mertens auch Verständnis dafür, weil das Bedenken seien, die in der Bevölkerung immer wieder vorkämen. Anderseits sei das problematisch. Für neue Mittel in der Medizin gebe es naturgemäß keine Langzeitergebnisse. Das sei Logik. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es aber keinen Grund für diese Skepsis. Nach allem, was man bisher wisse, werde es keine Spätfolgen durch die Impfung geben. Für die Impfkampagne sei eine solche Äußerung des FC-Bayern-Profis nicht günstig. 

Man müsse bedenken, dass mittlerweile sieben Milliarden Dosen an Covid-19-Impfstoff verabreicht seien, sagte Mertens der dpa: "Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind." In der Wissenschaft sei man sich einig, dass später auftretende Nebenwirkungen "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität" seien.

Auch andere Fachleute widersprechen Kimmich

Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Er sprach von einem sich hartnäckig haltenden Missverständnis. Es gehe hier um Nebenwirkungen, die innerhalb von Wochen nach der Impfung auftreten könnten, aber so selten, dass es manchmal Jahre brauche, bis man sie mit der Impfung in Zusammenhang bringe, nicht um Nebenwirkungen, die erst Jahre später auftreten.

Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich, dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und es wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten.

Carsten Watzl, Generalsekretär der DGfI

Der Kardiologe Jonas Zacher von der Deutschen Sporthochschule Köln sagte dazu dem TV-Sender Sky: "Die Wahrscheinlichkeit, dass unerwartete Langzeitfolgen auftreten, ist extrem gering, fast nichtig." Es gebe eine "ganz klare Empfehlung", sich impfen zu lassen. Und die gelte "auch für unsere Nationalspieler".

DFL spricht von 94 Prozent Impfquote

Ein solche Empfehlung kommt auch von der Deutschen Fußball-Liga, die an die "professionelle Verantwortung" der Spieler appelliert. Der scheidende DFL-Chef Christian Seifert bezifferte die Impfquote bezogen auf die Teams der Bundesliga auf 94 Prozent. Eine offizielle Zahl ist das aber nicht, da die Vereine der DFL ihre Impfquote auf freiwilliger Basis für die gesamten Teams melden – einschließlich etwa der Trainer und weiteren Betreuer.

Nach aktuellem Stand darf übrigens ein nicht geimpfter Spieler auch in einem Stadion auf den Platz, in das unter 2G-Bedingungen nur geimpfte oder genesene Zuschauer dürfen. Das Konzept der DFL für die Profi-Vereine und deren Angestellte betrifft den Arbeitsschutz, unabhängig vom Hygienekonzept für die Zuschauer.

Quellen: dpa, MDR, AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 25. Oktober 2021 | 08:47 Uhr

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