Corona Pandemie Hohe Inzidenz und Lockerungen: Große Probleme an Kliniken

An vielen Kliniken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind die Ausfälle von Ärzten und Pflegepersonal enorm hoch – oft höher als je zuvor in der Corona-Pandemie. Nun sollen auch noch die Quarantäne-Regeln gelockert werden. An vielen Orten fühlt sich das Krankenhaus-Personal im Stich gelassen.

Corona-Schutzmasken von Krankenhaus-Mitarbeitern hängen mit Namen an der Wand.
Hoher Personalausfall wegen Covid-19: Corona-Schutzmasken von Krankenhaus-Mitarbeitern hängen mit Namen an der Wand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir haben Abteilungen, die einen Personalausfall von bis zu 50 Prozent verkraften müssen", sagt Hartmut Stefani, Chefarzt des Notfallzentrums des Carl-von-Basedow Klinikums in Merseburg. Nach wie vor seien auch noch  sehr viele Patienten von einer Covid-Infektion betroffen. Diese müssten isoliert werden, was wieder einen erhöhten Personaleinsatz bedeute. "Was den Personalausfall anbelangt, sind wir im Moment am absoluten Höhepunkt der Pandemie!"

Für das Klinikum in Merseburg in Sachsen-Anhalt bedeute diese Mischung aus Personalausfall wegen Corona und Patienten, die mit anderen Problemen kommen, aber auch noch Corona-positiv sind: Es gibt Einschränkungen im Betrieb. "Also, wir haben eine Station komplett geschlossen, und haben zwei weitere Stationen, die wir im Prinzip nicht voll betreiben können", sagt Chefarzt Stefani.

Klinik in Sachsen-Anhalt: Mehr Personalausfall als im gesamten vergangenen Jahr

In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist im Carl-von-Basedow Klinikum bereits mehr Personal wegen Corona ausgefallen als im gesamten letzten Jahr. Die Pflegedienstdirektorin Ilka Hammer sagt, im ersten Quartal seien bereits rund 400 Mitarbeiter wegen Corona in Quarantäne gewesen – während es im gesamten Jahr 2021 cirka  270 Mitarbeiter gewesen seien.

"Isolierbereich" steht an der Scheibe im Klinikum.
Im Carl-von-Basedow Klinikum steht "Isolierbereich" an einer Scheibe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch in der Landeshauptstadt Magdeburg haben die Kliniken mit Personalausfällen zu kämpfen. Der Chef des Gesundheitsamtes, Eike Hennig, hat daher genehmigt, dass in Notsituationen Corona-positive Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger und Krankenschwestern Corona-positive Patienten pflegen dürfen. Voraussetzung ist aber, dass das Personal symptomfrei ist. "Es ist vereinbart worden, dass die Kliniken das in einer Einzelgenehmigung mit dem Gesundheitsamt praktizieren dürfen."

Südharzklinikum in Thüringen: Unterbesetzt und frustriert

Auch in Nordhausen in Thüringen ist man aufgrund der aktuellen Situation dazu übergegangen, bisherige Regeln aufzuweichen. So ist am Südharzklinikum die Trennung zwischen Covid- und Nicht-Covid-Stationen nun nicht mehr strikt. Weshalb das Personal in vielen Fällen von positiven zu nicht-positiven Patienten geht.

Denn auch am Südharzklinikum in Nordhausen gibt es immense Personalausfälle – mit Folgen etwa für das Personal, das den Dienst in den Isolationsbereichen in voller Schutzmontur absolvieren muss. "Also wenn die Kollegen fehlen, muss man auch länger drinbleiben als eigentlich gesollt, oder gedurft, oder geplant", beschreibt Krankenschwester Stephanie Kellner die Lage.

Natürlich kann man nicht einfach rausgehen und den Patienten unversorgt lassen, nur, weil man jetzt nach zwei Stunden seine Maskenpause machen müsste.

Stephanie Kellner Krankenschwester Südharzklinikum

Die Situation in der Klinik ist im Augenblick schlimmer als jemals zuvor in der Pandemie, sagt der Chefarzt des Südharzklinikums, Professor Jens Büntzel: "Es kommen mehr Patienten wegen Covid ins Krankenhaus als je zuvor. Und durch die Routinetestung haben wir zusätzliche Patienten, aber in der Minderheit, die Covid als Nebendiagnose haben." Die Folgen: "Unterbesetzung und Müdigkeit und Frustration!"

In den Kliniken: Sinken des Sicherheitsniveaus möglich

"Das führt dazu, dass die Krankenhäuser gezwungen sind, ihre Organisation umzustellen", sagt Friedrich R. München, Sprecher der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Auch im Freistaat haben viele Krankenhäuser und Kliniken mit Personalausfällen und Patientenaufkommen zu kämpfen. So müsse überlegt werden, ob Stationen mit positiven Corona-Patienten mit negativ getesteten Patienten zusammengelegt werden, um Krankheits- und Quarantäneausfälle auszugleichen.

Offenbar bleibt vielen Kliniken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kein anderer Ausweg, als diesen Weg zu gehen. "Also die Krankenhäuser bemühen sich natürlich, das Sicherheitsniveau hoch zu halten", sagt Sprecher München. Es werde etwa versucht über die Hygienemaßnahmen nachzusteuern. Aber die Situation "kann natürlich zu einer Absenkung des Niveaus führen!"

Epidemiologe: Lockerungen kommen zu früh

Sind also die nun geplanten Lockerungen sinnvoll, angesichts nach wie vor hoher Inzidenz und vielen Kliniken in Schwierigkeiten? Nein, sagt so mancher Wissenschaftler, wie etwa der Epidemiologe Professor Markus Scholz von der Universität Leipzig: Mit den nun beschlossenen Maßnahmen und Lockerungen "riskieren wir ganz klar, dass wir länger in der Pandemie sind. Es ist zu befürchten, dass der aktuell rückläufige Trend umgekehrt wird und dass es auch zu mehr Todesfällen dadurch kommt."

Der Epidemiologe ist der Meinung, dass die Lockerungen zu früh kommen.  "Ich hätte es lieber gesehen, wenn man noch einen weiteren Rückgang der Pandemie abgewartet hätte, zum Beispiel auf deutlich niedrigere dreistellige Zahlen", so Scholz.

Etwas drastischer drückt es der Chefarzt des Südharzklinikums aus. Dass die Maßnahmen nun fast aufgehoben werden, sieht Professor Jens Büntzel als "schlechten Aprilscherz!" Er ist überzeugt: "Das geht nach hinten los und ist eigentlich der Beweis dafür, dass die Lage, wie wir sie in den Krankenhäusern haben, gerade nicht gehört werden soll."

Quelle: MDR exakt

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 06. April 2022 | 20:15 Uhr

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