Mit und ohne Abitur Studierende an Privathochschulen in der Krise: Job weg, Studium hin?

Nastassja von der Weiden
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Wie steht es in der Krise um Privathochschulen, Institute und Akademien, die Gebühren für Studien- und Ausbildungswege nehmen? Und wie erleben Studierende den Onlineunterricht, für den sie so viel Geld bezahlen?

Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal
Kontakt zu anderen Mitstudierenden, Dozentinnen und Dozenten ist zur Zeit an Universitäten und Hochschulen – ob staatlich oder privat – häufig nur online möglich. Bildrechte: dpa

Private Hochschulen und Einrichtungen haben den Ruf, Menschen aus reichen Familien vorbehalten zu sein und sicher hat der ein oder die andere auch schon einmal das Klischee von erleichterten Abschlüssen in Verbindung mit hochpreisigen Ausbildungen gehört. Klischees sind aber vor allem eines: Klischees.

Private Hochschulen und Akademien können eine Chance für all diejenigen sein, deren Biografie bis zum Abitur oder darüber hinaus nicht so geradlinig verlief und denen nicht alle Türen an staatlichen Hochschulen und Universitäten offenstehen. Kein Abitur oder auch ein mittelmäßiges oder schlechtes Abitur sind unter anderem Gründe, sich für private Ausbildungswege zu interessieren. Auch die Auswahl der Studiengänge – zum Beispiel Gesundheitsmanagement, Modedesign, Grafik, Gamedesign oder Tontechnik – und der praktische Fokus der Lehre ziehen junge Studierende an.

Private statt staatliche Ausbildungs- und Studienwege

"Der große Vorteil an privaten Hochschulen ist die persönliche Betreuung. Häufig wird man schneller mit dem Studium fertig und viele Studiengänge sind praxisorientierter als an staatlichen Universitäten", erklärt Piret Lees vom Verband der Privaten Hochschulen e.V.

Der Verband vertritt drei private Hochschulen in Sachsen und zwei in Thüringen. In Sachsen-Anhalt gibt es keine. Einen dramatischen Abwärtstrend, was das Interesse an Privathochschulen angeht, gebe es wegen der Corona-Krise bisher nicht, sagt Lees.

Neben Privathochschulen gibt es noch eine Reihe von privaten Instituten und Akademien in Mitteldeutschland. Die hier angebotenen Ausbildungs- und Studiengänge haben eines gemeinsam: Sie kosten Geld. Und das monatlich oder semesterweise; es wird ein verbindlicher Vertrag über eine bestimmte Laufzeit geschlossen. Wie teuer ein Studium an einer privaten Hochschule durchschnittlich ist, "das ist eine der häufigsten Fragen", sagt Lees. Es hänge davon ab, wie lange, welches Fach und wo studiert werde – einen konkreten Preis könne man daher nicht nennen.

Studieren mit und ohne Abitur

Normalerweise ist die erste Hürde für ein Studium, ob nun privat oder staatlich, das Abitur, also das Erlangen der allgemeinen Hochschulreife. An Instituten wie der SAE oder der Deutschen Pop Akademie kann auch ohne Abitur ein Studium begonnen werden – gegen Gebühren. An beiden Ausbildungsstätten gibt es dazu die Möglichkeit, mit einem sogenannten Bildungsgutschein zu studieren. Das ermöglicht einen Zugang zu Ausbildungen, die sonst nur mit reichlich Geld zu absolvieren wären – und soll Menschen ohne Ausbildung und ohne Job dazu befähigen, wieder in Arbeit zu kommen.

Das Wissen hierum ist nicht besonders verbreitet, sagt Jan Schumm von der Deutschen Pop Akademie in Leipzig und erklärt: "Bei dem jeweiligen Sachbearbeiter beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit, kann, nachdem man die passenden Dokumente eingereicht und ein Erstgespräch bei uns absolviert hat, nach einem Bildungsgutschein gefragt werden. Wer den bekommt, kann an einem Ausbildungs- oder Studiengang bei uns teilnehmen." An der Leipziger Pop sind es zehn bis 15 Prozent der Studierenden, schätzt Schumm, die die Kosten über einen Bildungsgutschein abdecken.

Praxisnah und online – ein Widerspruch?

Durch Corona gilt jedoch wie überall, also auch an privaten Instituten: Online first. Präsenzunterricht wird zu Digitalunterricht, solange es die gesetzlichen Vorgaben nicht anders erlauben. Der betonte Praxisbezug und die vielseitige Vernetzung für den Start der Karriere an Privathochschulen und Akademien, ist das in Coronazeiten noch realisierbar? Kristin Dinkel studiert im dritten Semester an der Deutschen Pop in Leipzig. Game Artist heißt der Studiengang, der mit einem eigenen Diploma-Zertifikat abgeschlossen wird. Einen ihrer Kurse, Computergrafik, muss die 22-Jährige gerade wiederholen, denn durch Corona wechselte das Studium von Präsenz- zu reinem Onlineunterricht – was nicht ideal ist, wie sie im Gespräch erzählt. Sie finanziert ihr Studium mit einem Nebenjob, der "zum Glück sicher und systemrelevant ist."

Ihr Ziel, mit Computerspielen Menschen zu helfen, die durch Erlebnisse traumatisiert wurden, motiviert sie und ist es ihr wert, an einer privaten Akademie zu studieren. Ihr Fazit aus den Semestern unter Pandemie-Bedingungen ist: "Man darf sich durch Corona nicht unterkriegen lassen. Man muss daran glauben, alles schaffen zu können. Das ist gerade ganz wichtig."

Jobverlust und psychische Probleme durch Corona

So gut geht es nicht allen. Eine Studentin berichtet im Gespräch mit MDR AKTUELL von ihrer derzeit schwierigen Situation. Sie möchte deshalb anonym bleiben. Auch sie studiert an einer privaten Akademie in Leipzig. Wegen Corona verlor sie ihren Job, mit dem sie die Gebühren für ihr Teilzeit-Studium finanzierte. Nicht nur deshalb will sie ihr Privatstudium beenden: "Ich hatte psychische Probleme durch Corona und den Jobverlust, ich hatte oft Panikattacken – die Standortleitung reagierte darauf gelangweilt, war mein Eindruck." Ihre Probleme in der Krise wären nicht ernstgenommen worden. Der Vertrag über eine einmal begonnene Ausbildung könne nicht "einfach so" gekündigt werden, wurde ihr daraufhin mitgeteilt.

Sie erzählt weiter: "Auf meine Situation wurde mit Druck reagiert. Mir wurde gesagt, wenn ich aufhöre, würden Kurse nicht mehr stattfinden können und Dozenten ihren Job verlieren." Enttäuscht habe sie auch, dass ihr eigentlich praxisnahes Studium nur noch aus Online-Kursen bestehe. Eine Aussicht auf Kompensation oder Nachholtermine habe es bisher nicht gegeben.

Sie wünscht sich, dass psychische Erkrankungen als Kündigungsgrund eines Vertrags an privaten Akademien und Hochschulen anerkannt werden und dass sensibler auf Studierende eingegangen werde. Nicht nur in der Corona-Krise.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 26. Januar 2021 | 08:11 Uhr

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