"Corona-Auszeit" für Familien Geförderter Kurzurlaub führt zu zahlreichen Buchungsanfragen

Nach mehreren Lockdowns sind viele Familien erschöpft. Eingezwängt in ihre vier Wände mussten sie Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen. Die Bundesregierung finanziert einkommensschwächeren Familien deshalb einen Kurzurlaub. Unter dem Titel "Corona-Auszeit" können sie zum Beispiel fünf Tage an der Ostsee, im Allgäu oder im Thüringer Wald verbringen. Seit knapp vier Monaten läuft das Projekt und die Buchungsanfragen nehmen kein Ende.

Eine Mutter arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre beiden Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen.
Mit dem etwa 50 Millionen Euro schweren Programm "Corona-Auszeit für Familien" will die Bundesregierung Familien unterstützen, die sich keinen Urlaub leisten können. Bildrechte: dpa

Dana Lux führt durch die Zimmer des Huberhauses in Wernigerode: Von der Kinderspielecke geht es in den Bastelraum, den Speisesaal und am Billardtisch vorbei in den Garten. Die gemeinnützige Herberge bietet Platz für 90 Gäste – rund die Hälfte der Betten ist seit vergangenem Herbst mit Familien belegt, die über das Bundesprogramm "Corona-Auszeit" in den Harz kommen.

Für einige Familien "der erste Urlaub seit zwölf Jahren"

Die Hausleiterin erinnert sich an den Tag, als das Familienministerium die Idee bekannt gab: "Punkt 12 war die Pressekonferenz, kurz danach war Sturmklingeln auf sämtlichen Apparaten hier im Haus, inklusive E-Mail-Eingang von gefühlt 1.500 Mails am Tag. Es war eine regelrechte Flut. Wir haben dann unsere Telefonanlage mit einem AB besprochen: Drücken Sie Taste 1, wenn Sie für 2021 buchen wollen, drücken Sie Taste 2, wenn Sie für 2022 buchen wollen."

Zeitweise habe man sich überfordert gefühlt, sagt Bode. Weil die Telefone klingelten, bevor die Mitarbeiter geschult waren, wie sie später an die Fördermittel kommen sollten. Doch inzwischen klingen Dana Lux und ihr Kollege Axel Bode, der Geschäftsführer des Hauses, regelrecht begeistert. Eine Win-Win-Win-Situation, schwärmen sie – für den Bund, die Herberge und die Familien. "Da muss ich ganz ehrlich sagen, da kommen mir manchmal die Tränen. Wenn man so liest: Erster Urlaub nach zwölf Jahren, nach fünf Jahren oder – keine Ahnung – noch nie. Das ist schon bedrückend. Aber es macht unwahrscheinlich Spaß."

Bundesfamilienministerium: Nachfrage nach Corona-Auszeit "enorm"

Neben der Herberge in Wernigerode machen 110 weitere gemeinnützige Unterkünfte in ganz Deutschland mit. Auf Anfrage von MDR AKTUELL schreibt das Bundesfamilienministerium: "Die Nachfrage zur Corona-Auszeit für Familie war gerade zu Beginn enorm. In den nächsten Wochen sollen aber weitere Familienerholungseinrichtungen hinzukommen bzw. bereits teilnehmende Einrichtungen planen, noch mehr Plätze zur Verfügung zu stellen." Wie viele Familien insgesamt einen geförderten Urlaub gebucht haben, kann das Ministerium noch nicht beziffern.

An den besonders Bedürftigen gehe das Programm womöglich vorbei, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. Schließlich müssen sie einen Teil der Kosten selbst tragen: "Zehn Prozent Hinzuzahlung plus An- und Abfahrtskosten selber tragen, ist für viele dann doch wieder eine Hürde. Gerade für Menschen, die Grundsicherung beantragen oder für Alleinerziehende. Das wäre schon gut, mit zu erheben, ob das für viele ein Hinderungsgrund ist."

Für das Huberhaus bringt das Förderprojekt in jedem Fall mehr Büroarbeit mit sich. Eine halbe Stunde statt zehn Minuten pro Buchung, sagt Geschäftsführer Bode. "Aber: Wir sind Deutsche – wir haben ohnehin ein erotisches Verhältnis zu Formularen, also das passt auch wieder."

Günter Reich, Familientherapeut und Professor an der Uni Göttingen 19 min
Bildrechte: privat

Dieses Thema im Programm: 31. Januar 2022 | 06:56 Uhr

15 Kommentare

ElBuffo vor 16 Wochen

Naja, das wird wohl nicht annähernd ein Ausgleich für monatelanges Schul- und Kitaschließungen gewesen sein, um nur ja die Risikogruppe maximalst pampern zu können.

Karl Schmidt vor 16 Wochen

@Atheist:
Liest sich wie Meckern.
Sie können doch die Leute zu sich einladen, dann müssen diese keinen Antrag stellen. Außerdem soll es bei Ihnen in Bayern ja ganz schön sein. Soweit mir bekannt ist gab es dort keinen "FDGB Urlaub". Lach

Sozialberuflerin vor 16 Wochen

Das kann ich aus beruflicher Sicht wirklich bestätigen!

Leider scheitert so manch Wohlwollen fürs Kind, an der inkompetenz der Eltern!
Diese Inkompetenz entsteht aus vielerlei Gründen und nicht alle sind selbst verschuldet und gehen mit hoher Scham einher!

Aber auch ich bin in den letzten Jahren immer wieder verzweifelt, an Antragstellungen mit (für) Eltern, Ämtern, Rahmenbedingungen und schlußendlich (Sorry) auch an Dummheit!

Da bleibt manchmal auch nur private Zeit um wirklich was zu erreichen, mit denen die es FÜR IHR KIND WOLLEN (und können).

Deutschland...
Reich, kinder-/ familienfreundlich, sozial!?!?

Nunja, ich sehe das täglich anders!

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