Corona-Langzeitfolgen Long Covid: Wachsende Nachfrage für Ergotherapie

Ein Teil der Corona-Patienten kämpft selbst nach der Genesung mit Langzeitfolgen. Die Nachfrage nach Therapieplätzen in der Ergotherapie in Sachsen nehmen deshalb zu. Die Wartelisten wachsen. Das ist auch bei Psychotherapeutinnen und -therapeuten der Fall, bei denen ein Behandlungstermin deutlich später zu bekommen ist.

Ein Mann trainiert an einem Laufband
Nach einer Corona-Infektion trainiert ein Mann Ausdauer in der Ergotherapie. Bildrechte: dpa

Ergotherapeutin Diana Seerig und ihr Patient treten auf der Stelle. Was nicht bedeutet, dass die Behandlung nicht vorangeht. Im Gegenteil. Seitschritt, Antippen, dazu Armkreisen: so wollen sie Lunge und Gelenke des Patienten wieder fit machen. Anfang Mai hat er sich mit Corona angesteckt. Noch immer leidet er an den Spätfolgen. Aktuell sind ungefähr zehn Personen mit Long Covid in der Praxis von Diana Seerig in Behandlung.

Ein Patient sitzt zur Überprüfung seiner Lungenfunktion in einem Bodyplethysmographen
Ein Mann lässt seine Lungenfunktion nach einer Coronainfektion testen. Bildrechte: dpa

Das seien Patienten, die häufig nach der Erkrankung wieder ins Berufsleben gestartet seien und gemerkt hätten, dass das gar nicht geht, sagt Seerig. Diese Patienten seien dann wieder krankgeschrieben worden und seien nun in der Ergotherapie, um den beruflichen Einstieg wieder hinzubekommen – oder den Einstieg generell in den Alltag.

Ergotherapie wird häufiger verschrieben

Bis man bei ihr den ersten Termin bekommt, dauert es zwei bis vier Wochen, erzählt die Therapeutin. Die Wartezeit hält sich also in Grenzen. Unter anderem deshalb, weil Ergotherapie verschreibungspflichtig ist – und damit an das Budget von Ärzten gekoppelt. Trotzdem bekommt Diana Seerig immer mehr Anfragen:

Wir merken auch gerade durch die Coronakrise ist es nicht nur, dass der Covid Patient zu uns kommt, sondern wir haben auch einen deutlich starken Anteil an psychisch erkrankten Patienten.

Diana Seerig Ergotherapeutin

Der Anteil der psychisch Erkrankten ist nach Angaben von Seerig um circa 30 Prozent angestiegen. Auch ihnen wolle sie gerecht werden. Dieser Anstieg komme daher, dass Psychotherapeuten seit Kurzem Patienten an Ergotherapeuten auslagern dürfen, wenn die Diagnose das erlaubt, erklärt Kerstin Hamm, Sächsische Landesvorsitzende des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten.

Ein Patient sitzt zur Überprüfung seiner Lungenfunktion in einem Bodyplethysmographen
Leistungstest nach Coronainfektion in der Ergotherapie. Bildrechte: dpa

Die Verordnung des Heilmittels Ergotherapie von Psychotherapeuten ist ein ganz neues Gebiet seit dem ersten Januar dieses Jahres und das ist eine super Ergänzung, da wir die Psychotherapeuten an der Stelle entlasten können.

Kerstin Hamm Ergotherapeutin

Hohe Nachfrage auch nach Psychotherapie-Plätzen

Und eine Entlastung sei auch dringend nötig, sagt Sven Quilitzsch, Psychotherapeut aus Zwickau und Sächsischer Landesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung:

Was wir so erleben ist, dass wir in der Praxis zumindest zu Beginn dieses Jahres förmlich überrannt worden sind.

Sven Quilitzsch Psychotherapeut

Umfragen seines Verbandes hätten ergeben, dass bundesweit zum Jahresanfang 40 Prozent mehr Erwachsene und 60 Prozent mehr Kinder und Jugendliche Therapiebedarf hatten als noch ein Jahr zuvor. Sie brauchen kein Rezept, sondern wenden sich direkt an die Praxen. Hier seien die Wartelisten deshalb deutlich länger.

Ich kann jetzt für meine Praxis sagen, ich werde dieses Jahr kaum neue Patienten aufnehmen können, Psychotherapie ist ja auch ein länger währender Prozess, der nicht mit zwei, drei Gesprächseinheiten in der Regel bewerkstelligt werden kann.

Sven Quilitzsch Psychotherapeut

Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen – wie der Ergotherapie - ins Boot zu holen, sei ein Lösungsansatz, an dem Verbände und Politik derzeit arbeiten, um den akut hohen Bedarf an Psychotherapie zu decken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. August 2021 | 12:37 Uhr

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