Chronisches Fatigue-Symptom Long Covid: Versorgungsmängel bei Chronischem Fatigue Syndrom

Insbesondere junge Menschen sind nach einer Infektion mit Covid19 vom Chronischen Fatigue-Syndrom betroffen. Doch Ärzte und Ämter haben bisher kaum Informationen über die Krankheit. Obwohl sie nicht neu ist.

Mann schläft
Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

Grippesymptome, Halsschmerzen, Kopfschmerzen. Für Lennart Lutz ist dieses Krankheitsbild Alltag. Er hat das Chronische Fatigue-Syndrom, abgekürzt ME/CFS. Eine Krankheit, die nach Recherchen des ARD-Magazins "Monitor" stark unterschätzt wird.

Was ist Chronisches Erschöpfungssyndrom CFS?

Das chronische Fatigue-Syndrom ist eine schwere neuroimmunologische Krankheit. Wer sie hat, leidet unter ständig anhaltender körperlicher Schwäche, Erschöpfung, Muskelschmerzen und anderen grippeähnlichen Symptomen.

Lennart Lutz, der seit einigen Jahren unter der Krankheit leidet, kann seitdem kaum mehr Alltagstätigkeiten ausführen. Nach alltäglichen Belastungen ist er sofort erschöpft: "Ja, es heißt, dass man sich halt jeden Tag sehr, sehr krank fühlt, dass man halt Grippesymptome hat, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, und vor allem halt eine Zustandsverschlechterung nach Belastung. Das heißt, sobald man sich ein bisschen bewegt, geht’s einem deutlich schlechter."

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Lennart Lutz leidet unter ME/CFS Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

Mit fast 40 Jahren musste Lennart Lutz zurück zu seinen Eltern ziehen und braucht seitdem ständige Hilfe: "Arbeiten kann ich überhaupt nicht. Ich bin jeden Tag auf Hilfe angewiesen. Meine Eltern müssen für mich kochen, meinen Sohn abholen, mich zu Ärzten bringen." Lennart Lutz hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Der junge Mann, der vor bis zu seiner Erkrankung voll im Leben stand, wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Leben gerissen. Plötzlich folgte ein Infekt dem nächsten. Die Symptome blieben.

Lange konnte ihm niemand sagen, was sein Leiden auslöst.

ME/CFS häufig unerkannt

Bereits 1969 stufte die Weltgesundheitsorganisation ME/CFS als neurologische Krankheit ein. Trotzdem ist sie bisher wenig erforscht. Deshalb wird sie meistens erst diagnostiziert, nachdem alle anderen Krankheiten ausgeschlossen werden konnten. Viele Betroffene wissen deshalb gar nicht, dass sie die Krankheit haben, manchmal stellen Ärzte auch falsche Diagnosen. Und Betroffene müssen lange, zermürbende Klagewege beschreiten, um Hilfe zu bekommen.

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Sebastian Musch von der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

"Die Pflege und einfache Dinge wie einem Rollstuhl müssen sich die Betroffenen hart erkämpfen. Weil eben nicht nur die Ärzte, sondern auch die beteiligten Institutionen für Gutachten, die medizinischen Dienste der Krankenkassen ein Missverständnis der Erkrankung haben. So wird es dann immer in seiner Schwere verkannt"

Sebastian Musch, Deutsche Gesellschaft für ME/CFS

In Deutschland haben zirka 300.000 Menschen das Fatigue-Syndrom, schätzen Experten auf der Grundlage epidemiologischer Studien. Davon zehn Prozent schwer. Doch die Zahl könnte zunehmen. Denn CFS ist eins der häufigsten Symptome von Long Covid, eine Langzeitfolge nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

Mehr Erkrankte nach Covid19-Infektion

Die derzeit aktuellste Studie aus China hat 1.700 Patientinnen und Patienten im Krankenhaus untersucht. 63 Prozent der Untersuchten klagte noch nach einem halben Jahr über anhaltende Fatigue oder Muskelschwäche nach einer Corona-Infektion. Das berichtet auch Charitini Stavropoulou von der City University of London gegenüber "Monitor": "Wir wissen, dass viele Patientinnen und Patienten verlängert Atemnot haben werden. Sie werden nach der Infektion Fatigue haben und auch neurologische Symptome. Fatigue ist das am häufigsten beobachtete Symptom von Long-Covid. Über alle Studien hinweg, die wir uns angesehen haben."  Und vor allem junge Menschen trifft CFS nach einer Corona-Infektion besonders häufig.

Die WHO warnt davor, dass die Zahl der ME/CFS Erkrankten zunehmen könnte und fordert mehr Forschung und politisches Engagement. Und obwohl es in Deutschland bereits seit 1994 eine Arbeitsgruppe gibt, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde, ist bisher noch nichts passiert.

Jetzt, knapp dreißig Jahre später, beauftragt man ein unabhängiges Institut, um den wissenschaftlichen Stand zu erforschen.

Höchste Zeit, findet die Betroffene, die seit ihrer Infektion mit Covid19 unter Fatigue leidet: "Wir wissen nicht, was los ist und wir hoffen, es wird besser. Ich hoffe halt, dass wir in ein paar Jahren soweit sind zu wissen, wie man Patienten wir mir helfen kann."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 10. März 2021 | 20:15 Uhr

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