MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Eltern uneinig, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollen

Seitdem auch Kinder ab zwölf Jahren gegen Covid geimpft werden dürfen, ist ein Streit entbrannt: Zwischen Eltern, die das befürworten und teilweise sogar eine Impfpflicht einfordern und Eltern, die eine Impfung strikt ablehnen. Auch die MDRfragt-Gemeinschaft ist beim Thema Kinderimpfung gespalten.

Ende Mai war es soweit. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA ließ den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren zu. Damit können erstmals unter 16-Jährige gegen Covid geimpft werden, auch wenn die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) keine generelle Empfehlung für die Impfung von Kindern ausgesprochen hat.

Auch die Bewohner in Mitteldeutschland stehen einer Impfung von Kindern skeptisch gegenüber. Das zeigte jüngst eine Befragung des Meinungsbarometers MDRfragt. Demnach verneinten 40 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Frage, ob sie ihre Kinder impfen lassen würden. Bei Eltern minderjähriger Kinder war der Anteil der ablehnenden Haltung noch größer. 56 Prozent der Väter und Mütter würden ihre Kinder nicht impfen lassen.

Die MDRfragt-Corona-Befragung von Anfang Juni zeigt, wie sehr das Thema spaltet. „Schützt die Kinder vor der Impfung!“ oder „Wir sind doch keine Laborratten“ sagen Eltern auf der einen Seite. Andere fordern dagegen die Impfpflicht für Minderjährige.

Beate Strehlitz (61) lehnt es ab, Kinder gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Sie sorgt sich um ihren dreijährigen Enkel und hofft, dass die STIKO bei ihrer Position bleibt. Denn die Leipzigerin ist überzeugt: „Für Kinder droht so gut wie keine Gefahr, an Corona sehr schwer zu erkranken oder zu versterben. Die Risiko-Nutzen-Abwägung verbietet die Impfung. Daher finde ich es kriminell, Kinder mit einem Impfstoff unter Notfallzulassung zu impfen, für den noch keine Langzeitstudien vorliegen. Die wenigen vorhandenen Daten aus anderen Ländern beweisen, dass es zu viel mehr Todesfällen und schweren Nebenwirkungen durch die Impfung als durch Corona bei Kindern kommt. Ganz zu Recht spricht die STIKO daher keine Empfehlung aus, und die Politik sollte sich gefälligst daran halten.“

Aus dem Robert-Koch-Institut heißt es dazu: „Schwere unerwünschte Ereignisse, die als impfstoffbezogen bewertet wurden, sowie Todesfälle traten nicht auf. Alle Impfreaktionen waren von kurzer Dauer (1-3 Tage) und klangen folgenlos ab.“

„Nein“ zur Impfung von Kindern sagt auch Aniko Ambrus. Die 45-Jährige aus Dresden hat selbst drei Kinder im Alter zwischen 12 und 19 Jahren. „Der individuelle Nutzen für das Kind muss im Vordergrund stehen, eine Impfung für den Zweck, dass der andere Teil der Gesellschaft sich sicherer wähnt, kann kein Grund sein.“ Dabei ist die Dresdnerin keine Impf-Gegnerin. „Impfungen haben uns in vielen Sachen geholfen. Aber jetzt erscheint mir das Risiko zu hoch, weil die Auswirkungen der Impfstoffe auf Kinder noch zu wenig erforscht sind. Und mir wird zurzeit zu wenig über andere präventive Maßnahmen gesprochen, das Händewaschen zum Beispiel. Dabei gibt uns die Impfung doch auch keinen hundertprozentigen Schutz!“

Position der Sächsischen Impfkommission Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt die Impfung Kindern im Alter von 12 bis 15 Jahren nur, wenn bei ihnen aufgrund von Vorerkrankungen das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs besteht oder sie unmittelbaren Kontakt zu Risikopatienten haben. Eine generelle Impfempfehlung könne erst erfolgen, wenn weitere Wirksamkeits-, Sicherheits- und Verträglichkeitsdaten vorlägen. Allerdings sollen die Impfung aller anderen Kinder und Jugendlichen ermöglicht werden - nach ausführlicher Aufklärung des Impflings und der Sorgeberechtigten. Impftermine über das Terminportal können derzeit nur für über 14jährige gebucht werden.

„Der Impfstoff ist noch nicht lange genug geprüft“

Auch Christian Andreas Hoske aus Eisenach hat drei Kinder. Er und seine Frau teilen die Meinung der STIKO. „Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, die Kinder impfen zu lassen. Eltern, Erzieher und Lehrer sind geimpft, sicherlich bald auch große Teile der Bevölkerung. Wir finden es richtig, dass es ein Impfangebot auch für Kinder gibt, doch die Impfung sollte freiwillig bleiben und nicht zur Voraussetzung für Zugang zu Bildung, Freizeitaktivitäten oder Urlaub werden.“

Michaela Neumann-Lasner (46) aus Farsleben in Sachsen-Anhalt ist Erzieherin und bereits zwei Mal mit dem Impfstoff von Astra Zeneca geimpft. „Meine Kinder sind grundsätzlich durchgeimpft, inklusive Meningokokken C, HPV sowie FSME. Wir sind absolute Impfbefürworter! Der aktuelle Impfstoff ist mir in Bezug auf die Kinder aber noch nicht lange genug geprüft, so dass ich hier vorerst noch mit Zurückhaltung agiere.“

Claudia Kropp (44) aus Wilkau-Hasslau im Landkreis Zwickau ist noch unentschlossen. „Mein 11-jähriger Sohn möchte unbedingt geimpft werden, aber ich bin skeptisch in Bezug auf eventuelle Spätschäden. Mich beunruhigen die Meldungen über Herzmuskelentzündungen bei geimpften Jugendlichen.“

Aus dem Robert-Koch-Institut heißt es dazu: Die selten aufgetretenen Fälle von Herzmuskelentzündungen nach der Impfung von jungen Männern in Israel, Norwegen und Deutschland werden derzeit untersucht. Die Sicherheitsanalyse der zuständigen Behörden dazu steht noch aus.

Ingo Hohler (56) aus dem Saalekreis ist der Meinung, dass die Impfung ab 12 Jahren auf einer To-do-Liste nicht ganz oben steht. „Insbesondere die Erwachsenen zu impfen, die beruflich mit sehr vielen Kontakten zu leben haben, wäre wichtiger. Aber natürlich, Jugendlichen und Kindern, die eine Impfung möchten, sollte dies ermöglicht werden!“

„Nicht impfen und abwarten ist keine Option“

René Weidl, 42, aus Plauen sagt „eher ja“ zur Impfung. Seine Söhne sind 13 und 17 Jahre alt. Ob sie sich impfen lassen, möchte er letztlich aber ihnen überlassen. „Alle beide sind ‚coronamüde‘, wollen ihr altes Leben zurück. Und aktuell wollen sich beide auch impfen lassen, um wieder normaler leben zu können, aber eben auch, um vor der Krankheit geschützt zu sein, denn sie haben gesehen, was Corona anrichten kann.“

Matthias Springer (48) aus Erfurt gehört zu denjenigen, die die Impfung befürworten. Der zweifache Vater meint: „Auch, wenn für Kinder noch nicht ausreichend Daten verfügbar sind, können wir doch schon sagen, dass eine Gefahr nicht deutlich höher ist, als bei Erwachsenen. Auch Kinder tragen zu einer Herdenimmunisierung bei, vor allem, weil sich nicht alle Erwachsenen impfen lassen wollen. Stichwort Querdenker! Dann zählt jedes Kind.“

Nicht zu impfen und abzuwarten, war und ist für Jens Hartmann keine Option. Der 55-Jährige aus Lunzenau in Mittelsachsen hat sich, sobald es ging, impfen lassen, so wie seine ganze Familie. Auch, weil Sohn und Schwiegertochter in der Pflege bzw. dem Krankenhaus arbeiten. Deren vier- und sechsjährige Kinder würden sie impfen lassen, sobald es geht. Jens Hartmann hat dazu schon viele Diskussionen geführt. Sein Hauptargument für die Impfung von Kindern: „Auf welche ‚Studien‘ warten wir denn? Die können doch nur an Kindern erfolgen - oder? Natürlich nicht an deutschen, verwöhnten, sondern das können andere tun. Vielleicht arme Eltern, die ein bisschen Geld dafür bekommen, wenn ihre Kinder geimpft werden? Dabei haben wir in Deutschland sicher ein besseres Gesundheitssystem inklusive der Kontrolle als die ärmeren Länder.“

Hartmut Meiss aus Erbeborn im Landkreis Mansfeld-Südharz geht noch einen Schritt weiter: „Massenkrankheiten wurden durch die Impfpflicht fast ausgerottet, warum soll das diesmal nicht richtig sein?“ Der 66-Jährige bedauert, dass viele Menschen durch die Flut von zum Teil gegensätzlichen Informationen verunsichert sind und plädiert daher für diesen rigorosen Weg.

Familienimpftag in Thüringen In Thüringen werden an diesem  Wochenende zum zweiten Mal sogenannte Familienimpftage angeboten. Kinder - und Jugendärzte bzw. Ärzte, die im Umgang mit Jugendlichen erfahren sind, werden für die Impfaufklärung anwesend sein. Die Termine sind für Jugendliche im Alter von 12 und 17 Jahren und deren Eltern gedacht.

Allerdings war die Resonanz auf das Angebot am vergangenen Wochenende zunächst verhalten, besonders im ländlichen Raum. In den größeren Städten sei es gut angenommen worden, so die erste Bilanz der Kassenärztlichen Vereinigung. In dieser Woche wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung schon mehr Termine gebucht als am vergangenen Wochenende – auch auf dem Land. Stand Mittwochabend waren noch 2500 Termine verfügbar.

Quelle: MDR AKTUELL

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