Corona und Reisen Einreiseregeln für Urlaubsrückkehrer finden viele gut

Die Corona-Infektionszahlen klettern wieder nach oben. Ein Grund dafür sind Reiserückkehrer. Sie bringen eine Erkrankung aus dem Urlaub mit nach Hause. Das Robert Koch-Institut hat bestätigt, dass die Corona-Fälle nach Reisen zunehmen. Deshalb gelten ab Sonntag strengere Einreiseregeln. Wie kommt diese Änderung der Regeln mitten in der Urlaubszeit bei den Menschen an?

Das Corona Impfzertifikat auf einem Smartphone
Der digitale Impfnachweis auf dem Smartphone. Den sollte man dabei haben, wenn man aus dem Ausland wieder nach Deutschland einreist. Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Der eine ist ja geimpft, die andere spricht von Verantwortungsbewusstsein und der nächste hätte sich diese Regeln schon viel früher gewünscht. So unterschiedlich die Begründungen sind, so einig ist sich die große Mehrheit auf Leipzigs Straßen, dass eine generelle Nachweispflicht über einen Test, die Genesung oder eine Impfung sinnvoll ist.

Einige Menschen finden es "super, genau richtig." Es habe jeder die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, erklärt ein anderer Passant "und wenn er das nicht will, muss er sich halt testen lassen." Der nächste Bürger erklärt: "Ich denke, aufgrund der aktuellen Lage und wie auch die vierte Welle vorhersehbar ist, ist das, glaube ich, die richtige Maßnahme." Und: "Ich find’s persönlich gut. Ja ich finde wir haben halt eine besondere Situation und wenn man dann meint, in den Urlaub fahren zu müssen und sich dann gleichzeitig nicht impfen lassen will, muss man eben irgendwelche anderen Konsequenzen hinnehmen. Das ist nun mal so, wir mussten uns alle einschränken“, sagt ein weiterer Passant.

Kritische Stimmen seltener

Die Menschen in der Leipziger Innenstadt sind sich so überraschend einig, dass es direkt etwas schwer fällt, kritische Stimmen zu finden. Doch natürlich gibt es sie auch.

"Ich finde das bescheuert", wird ein Passant deutlich. "Ich bin noch nicht geimpft und Geimpfte und auch Genesene, die sind ja auch Überträger letzten Endes. Dementsprechend finde ich, müssten die auch getestet werden." Ein anderer ergänzt: "Grundsätzlich finde ich, dass das sowieso alles viel zu hoch gehängt wird. Auch die Reiserückkehrer, glaube ich nicht, dass die jetzt einer Wahnsinns-Welle auslösen. Ich finde wir sollten jetzt wieder zur Normalität zurückkehren."

Kontrollen umgehen

Künftig ist es dann auch egal, wie man einreist – auch im Auto oder Zug braucht es einen Nachweis. Die Bundespolizei wird das nur in Stichproben kontrollieren können. Deshalb sind die Menschen in Leipzig skeptisch: Dann werden viele einfach ohne Test versuchen, der Kontrolle zu entgehen. In dem Punkt sind sich alle einig.

"Ich glaube schon, dass es eine relativ hohe Dunkelziffer geben wird", schätzt eine Frau ein, "die das dann versuchen zu umgehen. Dann hoffe ich, dass sie erwischt werden."

Andere hoffen lieber darauf, dass die Strafen abschreckend wirken oder setzen auf die Vernunft der Reisenden. Aber reicht das?

Sorgloser in Urlaubszeit

Wie bekommt man die Menschen dazu, sich testen zu lassen, wenn das womöglich gar nicht kontrolliert wird?

Die Psychologin Annegret Wolf von der Martin-Luther-Universität Halle sagt, dass diejenigen, die eine Pflicht grundsätzlich ablehnen, sich auch bei der Einreise nicht testen lassen werden. Generell seien wir ohnehin sorgloser, wenn wir gerade aus dem Urlaub kämen.

Aus lernpsychologischer Sicht wäre es natürlich besser, alle zu kontrollieren, sagt Wolf. "Aber wir haben ja festgestellt, dass das logistisch nicht so möglich ist, aber ich denke, darum geht es auch nicht, sondern es geht um diesen psychologischen Effekt, dass eben die Sorge und Anspannung – man könnte ja in die Stichprobenziehung an der Grenze fallen – doch eben bewirkt, dass man sich vorher testen lässt. Und das kann meiner Meinung nach definitiv funktionieren."

Test als soziale Norm verstehen

Wichtig sei, dass die Menschen die Regelung als soziale Norm verstehen – wie ein Ticket im Zug zu kaufen oder sich im Auto anzuschnallen.

Und das Testen müsse möglichst einfach sein: Zum Beispiel mit Teststellen in Grenznähe und Hinweisen entlang der Strecken, wie das etwa auch bei der Maut-Vignette der Fall sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2021 | 06:09 Uhr

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