Sinkende Inzidenzen So sehen die Öffnungsstrategien der Länder aus

Der positive Abwärtstrend bei den Infektionszahlen setzt sich fort. Insbesondere der Einzelhandel, die Tourismusbranche, die Gastronomie und Familien mit Schulkindern hoffen auf weitere Öffnungsschritte. Gleichzeitig warnen Fachleute vor einem Jojo-Effekt bei zu schnellen Lockerungen. Ein Überblick, was in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit möglich und geplant ist.

Sonnenschirme stehen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche vor einem Restaurant.
Die Außenbereiche der Gastronomie dürfen bereits vielerorts öffnen - je nach Inzidenz könnte regional bald auch wieder die Innengastronomie Gäste empfangen. Bildrechte: dpa

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Ende Mai ist die bundesweite Inzidenz erstmals seit Oktober wieder unter die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Menschen gesunken. Am Dienstag lag der Wert nach Daten des Robert Koch-Instituts bei 35 - die RKI-Zahlen sind entscheidend für mögliche regionale Öffnungsschritte. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen entspannt sich die Corona-Lage zunehmend.

Mit einer Inzidenz von 48 hat Thüringen nach wie vor den höchsten Wert bundesweit. Sachsen liegt bei 43, Sachsen-Anhalt bei 29. Die meisten Kommunen erreichen an fünf Werktagen in Folge einen Inzidenzwert unter 100, sodass die Bundesnotbremse unwirksam ist und erste Lockerungen in Kraft treten. Für weitere Öffnungsschritte sind stabile Inzidenzwerte unter der Marke von 50 und 35 entscheidend.

In Sachsen-Anhalt ist die bisherige Corona-Verordnung für Regionen mit niedrigen Fallzahlen angepasst worden. Die neuen Regeln treten am 2. Juni in Kraft. In Thüringen gibt es ebenfalls ab 2. Juni neue Corona-Regeln. In Sachsen trat am 31. Mai eine neue Corona-Schutz-Verordnung in Kraft.

Schulen

Sachsen

Die Schulbesuchspflicht ist weiterhin für alle Schularten ausgesetzt. Kinder und Jugendliche, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, müssen aber zu Hause lernen. Wer ein Schulgebäude betritt, muss sich weiterhin zweimal wöchentlich testen. Ab Klasse 5 besteht nach wie vor Maskenpflicht.

In Städten und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 50 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen gilt ab dem übernächsten Tag wieder Regelbetrieb an Schulen und Kitas. Mit der folgenden Corona-Verordnung ab dem 14. Juni sollen zudem grundsätzlich wieder Schulfahrten möglich sein.

Sachsen-Anhalt

Seit dem Ende der Pfingstferien haben alle Schulen in Sachsen-Anhalt wieder geöffnet. Schüler und Lehrpersonal müssen sich aktuell an zwei Tagen in der Woche "vor Schulbeginn und unmittelbar nach Betreten des Schulgeländes" selber auf Corona testen.

Spätestens ab dem 31. Mai sollten alle Grundschulen in den Regelbetrieb zurückkehren. Für die weiterführenden Schulen gilt zunächst das Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht. Ab 7. Juni sollen dann auch diese Schulen in den Regelbetrieb wechseln. Dieser soll dann bis zu den Sommerferien, die am 22. Juli beginnen, aufrechterhalten werden. So sollen die Schulen Planungssicherheit bekommen.

Inzidenzgrenzen sollen in dem Modell keine Rolle spielen. Die Präsenzpflicht bleibt jedoch wie schon in den zurückliegenden Monaten ausgesetzt.

Thüringen

Seit Dienstag sind Lockerungen der Corona-Regeln an Schulen in Kraft. Bei einer stabilen Inzidenz unter 50 entfällt der Wechselunterricht und normaler Präsenzunterricht findet statt. Für die Klassen 1-6 gibt es keine Maskenpflicht im Klassenzimmer mehr.

In Landkreisen und Städten, die fünf Tage in Folge eine Inzidenz unter 35 haben, entfällt die Maskenpflicht für alle Klassenstufen. Abstand und Lüften gelten dann aber weiterhin. Auch die Testpflicht bleibt weiter bestehen. Wer sich nicht testen lassen will, muss demnach zu Hause bleiben. Damit bleibt es beim Betretungsverbot für Ungetestete. Ausnahmen gibt es nur für Abschlussklassen.

Bei einer stabilen Inzidenz von unter 35 sind Klassenfahrten wieder möglich. Auch Tagesausflüge und Wandertage können dann angeboten werden.

Tourismus

Sachsen

Bei einer stabilen Inzidenz unter 100 dürfen Camping- und Caravanplätze wieder Gäste empfangen. Auch Ferienwohnungen können dann wieder vermietet werden. Übernachtungen in Hotels oder Pensionen bleiben nur in Ausnahmefällen wie für berufliche, soziale oder medizinische Anlässe erlaubt.

Sinkt die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 50, können Übernachtungen in allen Beherbergungsbetrieben angeboten werden. Voraussetzung sind eine vorherige Terminbuchung, die Kontakterfassung der Gäste sowie ein tagesaktueller Negativtest bei der Anreise. Ab einer 14-tägigen Inzidenz unter 35 entfällt die Testpflicht.

Freizeit- und Erholungseinrichtungen sollen ab dem 31. Mai wieder Gäste empfangen dürfen. Bereits jetzt sind Stadt-, Gäste- und Naturführungen unter freiem Himmel mit maximal zehn Teilnehmenden möglich. Sie müssen allerdings getestet, geimpft oder genesen sein. Zudem ist auch hier die Erfassung von Kontaktdaten erforderlich.

Sachsen-Anhalt

Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe dürfen wieder öffnen, sobald die Bundesnotbremse gefallen ist. Die Verantwortlichen müssen zur Kontaktnachverfolgung sogenannte Anwesenheitsnachweise führen. Übernachtungsgäste müssen vor Betreten der Unterkunft und danach alle 48 Stunden einen aktuellen Test vorweisen. Beim "autarken Tourismus" z.B. auf Camping- und Wohnmobil-Plätzen sowie in Ferienhäusern gilt die Testpflicht nur einmalig bei der Ankunft.

Thüringen

Touristische Übernachtungen in Hotels sind nun auch bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 möglich. Die Betriebe dürfen allerdings nur zu maximal 60 Prozent ausgelastet werden. Camping und Urlaub in einer Ferienwohnung sind auch wieder erlaubt. Bei Ankunft und alle 72 Stunden muss ein negativer Test vorgezeigt werden.

Sinkt die Inzidenz unter 50 konnen die Übernachtungsbetriebe vollständig öffnen. Pro Übernachtung ist ein Test notwendig. Auch mehrtägige touristische Busreisen sind spätestens ab dann erlaubt.

Gastronomie

Sachsen

Städte und Landkreise mit einer stabilen Inzidenz unter 100 dürfen die Außengastronomie öffnen. Bedingung dafür ist die Kontakterfassung der Gäste. Sitzen Personen aus mehreren Hausständen an einem Tisch, benötigen sie einen tagesaktuellen Negativ-Test - außer sie sind geimpft oder genesen.

Fällt die 7-Tage-Inzidenz weiter unter 50, darf regional auch die Innengastronomie öffnen. Die Kontakterfassung und die Testpflicht bestehen weiterhin. Auf einen Test kann erst verzichtet werden, wenn die Inzidenz an 14 aufeinanderfolgenden Tagen unter 35 liegt.

Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Landesregierung plant Lockerungen in Kreisen und kreisfreien Städten mit geringer Inzidenz in der Gastro. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte, die Zahlen rechtfertigten einen Schritt zurück in die Normalität. Voraussetzung ist eine Inzidenz von weniger als 35.

Für die Außengastronomie soll die Pflicht zu einem negativen Test demnach wegfallen. Den Gastronomiebetrieb in Innenräumen können Gäste weiterhin nur mit einem aktuellen negativen Test nutzen. Die Lokale sollen wieder länger als 22 Uhr öffnen dürfen. Es gelten folgende Vorgaben: Pro Gast ist eine Fläche von 2,5 Quadratmetern vorzusehen, Tische müssen mit einem Abstand von mindestens 1,5 Metern aufgestellt werden. Außerdem müssen die Gäste ihren Besuch dokumentieren. Bei Mitnahme von Speisen oder Außer-​Haus-Verkauf gilt keine Testverpflichtung.

Thüringen

Besuche im Biergarten, in Außenbereichen von Cafés, auf Terrassen von Restaurants sind möglich, wenn die Inzidenz stabil unter 100 liegt. Bisher mussten die Gäste einen Termin für ihren Besuch buchen und einen negativen Test vorlegen. Diese Regelung entfällt künftig.

Ab einer Inzidenz unter 50 dürfen die Innenräume in Gastrobetrieben öffnen. Corona-Tests und Kontaktnachverfolgung bleiben Voraussetzung, Termine sind nicht nötig. Ab einer Inzidenz unter 35 fällt auch die Testpflicht weg.

Handel

Sachsen

Liegt die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 100, darf der gesamte Einzelhandel öffnen. Kundinnen und Kunden müssen einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen - außer in Supermärkten, Baumärkten und weiteren Geschäften der Grundversorgung. Bei einer Inzidenz unter 35 an 14 aufeinanderfolgenden Tagen entfällt die Testpflicht im gesamten Einzelhandel.

Sachsen-Anhalt

Der Einkauf in Ladengeschäften ist wieder ohne Terminvereinbarung möglich. Bei einer Inzidenz unter 35 fällt die Pflicht zur Kontaktnachverfolgung weg. Die Maskenpflicht gilt weiter, die Kundenzahl bleibt begrenzt.

Thüringen

Einzelhandelsgeschäfte und Anbieter körpernaher Dienstleistungen wie Nagelstudio, Kosmetik-, Tätowier-, Piercing- und Wellness-Massagestudio oder Solarien in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt dürfen bei stabil niedrigen Inzidenzwerten unter 100 wieder öffnen. Für Friseursalons galt das schon bisher und gilt weiter. Für Kunden, sofern sie nicht bereits geimpft oder genesen sind, entfällt unterhalb einer Inzidenz von 50 die Testpflicht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2021 | 13:30 Uhr

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