Corona-Pandemie Restaurant, Hotel, Schwimmbad: Mitarbeiter dringend gesucht

Schwimmbäder öffnen nur halbtags, ein Hotel muss Zimmer sperren und Restaurants schließen wegen fehlendem Personal. So sieht es an vielen Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus – und die Corona-Pandemie hat das Problem noch verschärft. Doch wie kann es gelöst werden?

In vielen Schwimmbädern werden Mitarbeiter dringend gesucht.
In vielen Schwimmbädern werden Mitarbeiter dringend gesucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tropenbad und Strandbad – damit lockt das Waikiki in Zeulenroda-Triebes. Doch in dieser Bäderwelt in Thüringen ist kein fröhliches Planschen zu hören. Dabei sind Ferien und es ist zwölf Uhr mittags. Viele Monate lang war das Bad wegen Corona geschlossen. Viele Beschäftigte suchten sich in dieser Zeit woanders Arbeit. Jetzt fehlen sie. Ein Problem, das an vielen Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen herrscht.

Weil das Waikiki kein neues Personal findet, wird das Bad aktuell nur im Ein-Schicht-Betrieb gefahren. Das bedeutet: Es öffnet erst um 13 Uhr und schließt schon um 19:30 Uhr. Die Folge: deutlich weniger Einnahmen und eine erheblich höhere Belastung für das verbliebene Personal.

Denn früher konnten die Schichten gewechselt werden, sagt Badleiter Nico Rosskopp. "Jeder Mitarbeiter hatte ein paar Tage Frühschicht, ein paar Tage Spätschicht, zwischendrin frei." So habe es mal vormittags und mal nachmittags Zeit für die Familie gegeben. "Das war ein sehr wichtiger Punkt." Das ginge nun nicht mehr und das sei kritisch für das Bad. "Wir könnten Mitarbeiter, die Familie haben, dadurch verlieren. Weil einfach das Familienleben nicht mehr mit der Arbeit zu verbinden ist."

Wir könnten Mitarbeiter, die Familie haben, dadurch verlieren. Weil einfach das Familienleben nicht mehr mit der Arbeit zu verbinden ist.

Nico Rosskopp Leiter Waikiki

Im Extremfall hieße das wohl: Schließung auf Zeit. Eine solche Erfahrung mussten andere Bäder schon machen. Wenn man etwa bei der Bäderwelt der Körse-Therme in Sachsen, in der Nähe von Bautzen anruft, bekommt man niemanden an die Leitung, sondern nur eine Ansage auf Band: "Liebe Badegäste, leider sind auch wir nicht verschont geblieben und müssen auf Grund von akutem Personalmangel unseren Thermenbetrieb vom 5. Juli bis einschließlich 15. September 2022 einstellen."

Größte Personalnot in Gastronomie- und Hotelbranche

Die Recherchen von MDR exakt haben ergeben: Niemand hat derzeit einen Überblick, wie viele Bäder in Deutschland solche Schwierigkeiten haben. Es gibt bisher auch keine belastbaren Zahlen dazu, wie viele Bäder in den vergangenen Jahren schließen mussten, wie viele neu dazugekommen sind. Klar ist allerdings: Am stärksten betroffen vom Mangel an Personal ist die Hotel- und Gastronomiebranche.

Die Terrasse am Hotel "Villa Viktoria Luise" in Blankenburg im Harz.
Die Terrasse am Hotel "Villa Viktoria Luise" in Blankenburg im Harz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Beispiel: Das Hotel "Villa Viktoria Luise" in Blankenburg (Sachsen-Anhalt). Von der großen Terrasse der Jugendstil-Villa blickt man auf das barocke Schloss der Stadt sowie den angrenzenden Harz. Das könnte ein idealer Platz zum Verweilen sein. Aber sehr viel mehr als ein Kaffee kann hier meist nicht serviert werden. Gerne würde Isabelle Bank auch ein Mittagessen auftischen oder auch nur einen Eisbecher. Aber "das kann ich aktuell einfach nicht abdecken!" So kümmert sich die Buchhalterin nicht nur um die Zahlen, sondern muss in allen Bereichen mit anpacken: Frühstück zubereiten, Zimmer putzen, im Service aushelfen.

Im Hotel wird ein Koch gesucht, eine Servicekraft und eine Aushilfe. Doch es finden sich einfach keine Bewerber. "Viele, die in der Hotellerie waren, haben in der Corona-Zeit gesagt: Ja dann bin ich halt irgendwo Helfer und habe aber meine geregelten Arbeitszeiten und muss nicht in die Gastronomie", beschreibt Isabelle Bank. Das sei inzwischen relativ häufig.

So kann zurzeit die Terrasse nicht gastronomisch genutzt werden und von den insgesamt 15 Zimmern muss ein Drittel leer bleiben. "Wir können es tatsächlich nicht komplett auslasten, weil wir das mit dem Personal nicht schaffen", so Isabelle Bank.

Restaurant in Quedlinburg seit Monaten geschlossen

Eine ähnliche Situation herrscht im nur 15 Kilometer entfernten "Anno 1560" in Quedlinburg. Das Unternehmen vermietet neun Appartements – doch das zugehörige Restaurant in einem Fachwerkhaus ist seit Mai geschlossen. "Ich kann Ihnen was zu trinken anbieten. Aber wir haben keinen Koch, keine Restaurantkräfte – leider haben wir deshalb zu", sagt Geschäftsführer Detlef Massow. Auch er findet derzeit kein Personal.

Fest steht: Der ohnehin vorhandene Fachkräftemangel im Hotel- und Gaststättengewerbe hat sich während der Pandemie extrem verstärkt. Für das Corona-Jahr 2020 hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit analysiert. Kein anderes Berufsfeld hat demnach so viele Beschäftigte verloren: Fast216.000 Beschäftige verließen 2020 das Berufsfeld – das sind 27,4 Prozent, also mehr als jeder vierte Beschäftigte. Durch Neueinsteiger und Auszubildende kamen aber lediglich rund 117.000 dazu. Das ergibt insgesamt ein Minus von rund 100.000 Beschäftigten allein in 2020. In keiner anderen Branche ist die Personallücke so groß.

Zum Vergleich: Das Berufsfeld Recht und Verwaltung hingegen hat von der Pandemie profitiert. Hier kamen fast 42.200 mehr Beschäftigte hinzu als abgewandert sind. Zu diesem Berufsfeld gehören Behörden wie zum Beispiel die Gesundheitsämter.

Die meisten Abwanderer aus dem Gastgewerbe wechselten in einen Verkaufsberuf, zum Beispiel an die Kasse im Supermarkt: fast 35.000. Gut 27.000 gingen in die Logistikbranche, arbeiten heute als Paketzusteller oder Lagerlogistiker. Ähnlich viele arbeiten inzwischen im Bereich Unternehmensorganisation, zum Beispiel in Sekretariaten.

"Also langfristig ist es halt so, dass der Fachkräftemangel immer stärker wird aufgrund des demografischen Wandels", sagt Droktor Anika Jansen vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, die diese Zahlen analysiert hat. Denn mehr als eine Millionen Menschen gingen in den kommenden zehn Jahren in Rente und zu wenige Junge würden nachkommen. "Das heißt auf lange Sicht: Der Fachkräftemangel wird weiter steigen. Das heißt, wir brauchen eigentlich Zuwanderung nach Deutschland." Dafür würden die entsprechenden Rahmenbedingungen benötigt, damit dies schnell und unbürokratisch gehen könne.

Eine Lösung aus Sachsen-Anhalt

Die 22-jährige Chi ist eine von drei vietnamesischen Auszubildenden bei den CK Domstadt Hotels in Naumburg.
Die 22-jährige Chi ist eine von drei vietnamesischen Auszubildenden bei den CK Domstadt Hotels in Naumburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Hotel- und Gastronomiebetrieb, der stark auf ausländische Auszubildende gesetzt hat, sind die CK Domstadt Hotels mit drei Häusern in Naumburg. Die 22-jährige Chi ist eine von drei vietnamesischen Auszubildenden, und für das kommende Lehrjahr kommen drei weitere Vietnamesen in den Betrieb hinzu.

"Aktuell haben wir halt eine sehr multikulturelle Teambesetzung", erzählt der Marketingleiter des Hotelbetriebs, Enrico Beyer. Neben den drei Lehrlingen aus Vietnam gebe es in der Küche eine Kraft aus Gambia und eine aus Albanien – beide würde bald ihre Lehre erfolgreich beenden. Auch eine Mitarbeitende aus dem Iran verstärke das Team. Ohne Kräfte aus dem Ausland gehe es nicht, so Enrico Beyer. "Wir müssten sonst ein Haus schließen. Wir haben drei Häuser hier in Naumburg – und das würde nicht mehr funktionieren!"

Quelle: MDR exakt/ mpö

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 20. Juli 2022 | 20:15 Uhr

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