Tourismus Camping liegt im Trend – doch die Sorgen sind groß

Geimpft, genesen oder getestet. Die berühmten 3G beherrschen vielerorts den Tourismus in Deutschland im Sommer 2021. Das ist deutlich mehr Aufwand als im vergangenen Sommer – den ersten in der Corona-Pandemie. Doch seit dem Ausbruch des Virus liegt Camping im Trend. Doch reicht das, um eine angeknockte Branche zu retten?

Eine Frau und ein Mann am Strand am See in Hohenmölsen.
Ein Urlaub in Deutschland liegt klar im Trend. Das zeigt sich vor allem beim Camping. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es ist schon sehr zeitintensiv", sagt die Rezeptionistin des Campingparks Mondsee in Hohenmölsen im südlichen Sachsen-Anhalt. Sie muss bei jedem Gast überprüfen, ob er eines der 3G erfüllt. Doch die Gäste nehmen die erhöhten Anforderungen gern in Kauf. Die Urlaubssehnsucht ist bei vielen groß.

"Durch Corona sind wir viel zu Hause gewesen. Die Schule ist ja ausgefallen und die Kinder waren zu Hause", erklärt Melanie Jäckel, die zum ersten Mal mit ihrer Familie campen geht. Also "haben wir gesagt: Wir fahren mal wohin an die frische Luft und so kommen wir an diesen See." Sie sind Erstcamper – wie so viele in dieser Saison.

Die Betreiberin des Campingparks Mondsee in Hohenmölsen, Cornelia Holzhausen.
Die Betreiberin des Campingparks Mondsee in Hohenmölsen, Cornelia Holzhausen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt gilt die 3G-Regelung schon den ganzen Sommer. Das findet die Betreiberin des Parks, Cornelia Holzhausen, unfair. Denn im benachbarten Sachsen und Thüringen war das bis Ende August lockerer. Außerdem sei es "völlig realitätsfremd gerade im Bereich des Campings". Es gebe keine abgeschlossenen Zimmer oder Flure auf denen man sich begegnen könnte. Für die Sanitäranlage gebe es Hygienekonzepte und die Wagen hätten immer fünf Meter Abstand.

Bald nur noch 2G statt 3G?

Seit dem 23. August gilt deutschlandweit einheitlich die 3G-Regelung für alle Beherbergungsbetriebe ab Inzidenz 35. Doch einige Bundesländer diskutieren bereits über eine weitere Verschärfung - die 2G-Regel: geimpft und genesen.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Sachsen-Anhalt hält es für falsch Getestete auszuschließen. "Wir hatten nach dem zweiten Lockdown die Öffnung der Innengastronomie für getestete Leute. Damit war im Prinzip die 3G-Regelung schon als Standard für die Branche genehmigt worden", meint Michal Schmidt. Die derzeitige Diskussion wäre ein Widerruf dessen.

Campen ist der Trend im zweiten Coronajahr

Doch abseits der Diskussion liegt vor allem Campen in Deutschland im Trend. "Sonst sind wir Ägyptenfahrer", sagt Familie Kunze, die aus Bayern nach Hohenmölsen gereist ist. "Aber man weiß ja nicht, was morgen wieder ist. Und dann kommst du vielleicht nicht zurück oder mit Quarantäne." Deshalb hätten sie sich entschieden in der Heimat zu bleiben.

Die Saison fürs Campen ist extrem kurz. "Wir haben durch das weggebrochene Pfingst- und Ostergeschäft und Männertag – das sind so unsere drei Highlights – in diesem Jahr im Vergleich zu 2019 80.000 Euro verloren", sagt Park-Betreiberin Cornelia Holzhausen. Zudem sei das Wetter in diesem Jahr nicht besonders gut gewesen.

Also es ist schon ganz, ganz schwierig für uns, das überhaupt zu kompensieren.

Cornelia Holzhausen Campingpark-Betreiberin

Verlust in der Branche bei 71 Milliarden Euro

Es ist ein Problem für die gesamte Branche. Deutschlandweit liegt der Verlust im Beherbergungs- und Gastgewerbe seit März 2020 bei 71 Milliarden. Euro. "Da bleibt jetzt nur zu hoffen, dass wenn Corona mal vorbei ist, dass der Boom auch anhält und dann nicht wieder alle ins Ausland fahren", sagt Cornelia Holzhausen.

Der Trend zum Deutschlandurlaub zeigt sich beim Campen, aber nicht jeder Beherbergungsbetrieb kann davon profitieren. "Wo man Fahrradfahren kann, wo man Wandern kann, wo man Baden kann, wo man aktiv unterwegs ist, dort haben wir eine starke Auslastung gehabt", sagt DEHOGA-Präsident Michael Schmidt. Doch in den ländlichen oder abgeschiedenen Bereichen, wo es wenig gebe, was die Leute anlocke, da sehe es anderes aus.

Platz zum Campen gibt es eigentlich genug. Doch mussten etwa in Hohenmölsen am Wochenende Gäste abgewiesen werden – zu wenig Toiletten. Jedes zweite WC ist zur Einhaltung der Mindestabstände gesperrt. Bereits vor Corona sollte eine neue Anlage gebaut werden. Doch jetzt fehlt das Geld. "Es ist natürlich nur möglich, falls nächstes Jahr kein Corona ist. Sonst fallen wieder die Einnahmen weg, dann ist das Projekt dann endgültig gestorben", sagt Betreiber Cornelia Holzhausen.

Quelle: MDR exakt/ mpö

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 25. August 2021 | 20:15 Uhr

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