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Inzwischen wird in immer weniger Arztpraxen in Mitteldeutschland geimpft. Bildrechte: dpa

ImpfkampagneImmer weniger Arztpraxen in Mitteldeutschland melden Corona-Impfungen

von Sophia Spyropoulos, MDR AKTUELL

Stand: 19. August 2021, 12:50 Uhr

An den Spitzentagen der Corona-Impfkampagne wurden 1,5 Millionen Menschen geimpft. Inzwischen fällt die Kurve stetig. Ende September werden viele Impfzentren geschlossen oder stillgelegt. Gleichzeitig sinkt aber auch die Zahl der Arztpraxen, die impfen. Und ein Kölner Arzt verkündet in einem Zeitungsinterview, das Impfen sei ein Minusgeschäft und rentiere sich nicht – er stellt die Impfungen in seiner Praxis offiziell ein. Wie ist die Lage in Mitteldeutschland – gibt es auch hier solche Fälle?

20 Euro pro Impfung seien zu wenig – erst ab 38 Euro pro Spritze wäre das Geschäft kostendeckend, das hat sich ein HNO-Arzt aus Köln ausgerechnet. Für ihn ein Grund, keine Impfungen mehr in seiner Praxis anzubieten. Die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Thüringen, Annette Rommel, hat für dieses Verhalten kein Verständnis: "Ich glaube, das ist überhaupt kein Thema für Ärztinnen und Ärzte in Thüringen, ob das ein Minus- oder Plusgeschäft ist. Also das ist wirklich das Allerletzte, diese monetäre Thematik." Genauso sieht das ihr Amtskollege in Sachsen, Claus Heckemann: "Also das hat mich ein bisschen gestört, diese Äußerung dort."

Impfkampagne im Sommerloch

Fest steht aber: Die Zahl der Praxen, die Impfungen melden, sinkt. Bundesweit seien es Mitte Juni rund 43.000 gewesen, in dieser Woche rund 29.000, teilte das RKI auf Anfrage mit. In Thüringen und Sachsen meldeten heute jeweils nur halb so viele Praxen wie zu Spitzenzeiten, berichten die beiden KV-Vorsitzenden der Länder. Annette Rommel erklärt den Rückgang so: "Das hat was zu tun mit der Urlaubszeit, das hat auch was zu tun mit dem Impfwillen der Bevölkerung. Es kommen weniger Anfragen an die Praxen."

Auch Claus Heckemann spricht vom Sommerloch und davon, dass viele Menschen derzeit im Urlaub seien: "Und damit kommen eben so wenige Patienten, dass es auch passieren kann, dass eine Praxis, die eigentlich da ist und impfen würde, eine ganze Woche keine Impfmeldung macht. Und sobald eine Praxis eine Woche lang keine Impfmeldung macht, zählt die als nicht impfende Praxis." Dass sich Ärztinnen und Ärzte aktiv aus dem Impfgeschäft zurückzögen, könne man deshalb nicht aus den Zahlen ablesen.

Aussicht auf Anstieg der impfenden Praxen bei dritter Impfung

Anders sehe das bei den Fachärztinnen und -ärzten aus, sagt deren Verbandsvorsitzender Uwe Kraffel. "Viele fachärztliche Kollegen haben Patienten aus ihrer Praxis geimpft, die wegen irgendwelcher Grunderkrankungen dringend versorgt und geimpft werden mussten, und haben diese Patienten jetzt durch, sodass dann nur noch Laufkundschaft kommen würde."

Und die komme in vielen fachärztlichen Praxen eben nicht. Er kenne deshalb viele Fälle, in denen Praxen das Impfen einstellten. Wenn eines Tages eine dritte Impfung anstehe, kämen die aber schnell wieder ins Geschäft.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2021 | 08:05 Uhr