Schule in der Pandemie Länder schaffen Möglichkeiten für freiwilliges Wiederholen

Distanzunterricht, der mal besser und mal schlechter läuft, Prüfungen aus dem Kinderzimmer, obendrauf vielleicht noch schlechtes Internet – Schüler sein in Pandemiezeiten ist zweifelsohne eine Herausforderung. Lohnt es sich da vielleicht, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen? Diese Frage stellen sich Eltern und ihre Kinder auch in Mitteldeutschland.

Viel Abstand, wenige Schüler: So läuft der Unterricht für eine Abschlussklasse an einer Hauptschule in Wolfsburg während der Corona-Pandemie.
Wiederholen oder nicht wiederholen – das fragen sich zurzeit vor allem Schüler in den Abschlussklassen. Bildrechte: imago images / regios24

Fanny Brähler besucht die zehnte Klasse eines Gymnasiums in Leipzig. Freiwillig ein Jahr wiederholen? Darauf hat sie keine Lust: "Also mich nervt es halt auch, weil ich weiß, mir fehlt ein ganzes Stück Stoff. Aber ich will halt auch mit meinen Freunden meinen Abschluss machen."

Würde die 16-Jährige die Klassenstufe freiwillig wiederholen, würde das in Sachsen außerdem als "nicht versetzt" gelten. So teilt es das Sächsische Kultusministerium MDR AKTUELL mit. Nur Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen dürften wegen der Pandemie freiwillig ein Jahr wiederholen, ohne dass dies auf die Schulbesuchsdauer angerechnet werde – wenn sie sich vor der letzten mündlichen Prüfung dafür entschieden.

Länder regeln Schülerversetzung unterschiedlich

Nadine Eichhorn ist die stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrats in Sachsen. Sie findet es nicht fair, dass die Sonderregel nur für Abschlussklassen gilt: "Man merkt gerade auch bei diesem Thema, wie abhängig man gerade vom Wohnort ist, wie die Schullaufbahn weitergeht."

In Thüringen zum Beispiel ist es so: Wie schon im vergangenen Jahr haben die Schülerinnen und Schüler nach der Ausgabe der Sommerzeugnisse eine Woche lang Zeit, einen Antrag auf freiwilliges Wiederholen zu stellen. Bildungsminister Helmut Holter erklärt, für wen das nicht gilt: "Also diejenigen, die vergangenes Jahr schon mal freiwillig wiederholt haben, dürfen das nicht nochmal. Sogenannte Kettenwiederholungen sind ausgeschlossen." Und wer dieses Jahr die Schule mit einem Abgangszeugnis verlasse, dürfe ebenfalls nicht freiwillig wiederholen. Im vergangenen Jahr hätten schon einige die Möglichkeit genutzt. Zahlen dazu hat Holter allerdings nicht.

Claudia Koch ist die Sprecherin der Landeselternvertretung Thüringen. Freiwilliges Wiederholen beschäftige gerade viele Eltern und ihre Kinder: "Also die Anfragen sind auf jeden Fall da. Und es werden sicherlich auch viele davon Gebrauch machen." Nach dem zweiten Corona-Schuljahr mehr als im Vorjahr, glaubt sie. Besonders an den Regelschulen, wo über die Versetzung in Haupt- und Realschulklassen entschieden werde, sei das aktuell ein großes Thema. Aber auch in den vierten Klassen, wo es um die Frage "Regelschule oder Gymnasium?" gehe. Und noch etwas fällt Claudia Koch auf: "Eltern überlegen, ob sie ihr Kind dieses Jahr einschulen oder ob sie die Kinder nicht noch ein Jahr länger in der Tageskinderstätte lassen."

Bildungsrückstände mit langen Auswirkungen

In Sachsen-Anhalt solle die geänderte "Versetzungsverordnung" in den nächsten Tagen in Kraft treten, sagt Bildungsminister Marco Tullner. Von ihr sollten alle Jahrgangsstufen profitieren können: "Also wir haben es jetzt erstmal für ein Schuljahr auf den Weg gebracht. Aber wir müssen das beständig begleiten, weil das Thema Lernstandsdefizite und Umgang mit Corona-Folgen, ja ein Thema sein wird, das den Bildungsbereich noch über Jahre prägen wird und prägen muss." Tullner geht deshalb davon aus, dass solche Sonderregelungen auch in den kommenden Jahren immer wieder auf den Weg gebracht werden könnten, um die entstandenen Bildungslücken dauerhaft auszugleichen.

Dafür plädiert auch Matthias Rose, Vorsitzender des Landeselternrats Sachsen-Anhalt: "Weil das eben den Leuten, die jetzt so hin- und hergerissen sind, ein bisschen den Druck nehmen würde zu sagen: Okay, wenn es nicht so ist, wiederhole ich das nächste Schuljahr."

Schülerin Fanny Brähler aus Sachsen ist dagegen einfach nur froh, wenn der ganze Spuk für sie bald ein Ende hat: "Ich gehe in die Elfte und dann habe ich es irgendwann weg zum Glück und dann bald mein Abi. Und dann will ich davon nichts mehr hören."

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2021 | 06:11 Uhr

8 Kommentare

Freiheit stirbt mit Sicherheit vor 6 Wochen

Sehr geehrter Agnostiker,

wenn Sie als Lehrer nicht mitbekommen, ob und wie Ihre Schüler "schwimmen", dann ist das ganz allein Ihre Problem und sehr traurig!
Aber stützen Sie sich ruhig auf Ihre "empirische(n) Daten".

Ich spreche aus Erfahrung im Bekannten- und Verwandtenkreis!

Agnostiker vor 6 Wochen

Lieber MDR, schön das sie die Überschrift überarbeit haben. Es wäre aber wünschenswert, dies auch zu kommentieren und dies nicht stillschweigend zu tun, sodass andere Leser gar nicht wissen, worum es mir ging.

Agnostiker vor 6 Wochen

Einfach mal richtig lesen. In meinem Beitrag geht es darum, ob der Lernstoff /Lehrplan geschafft wurde oder nicht. Haben Sie genaue empirische Daten zum Lernrückstand. Also ich habe keine. Ich habe aber, zumindest für meine Schule, einen Überblick darüber, wer im letzten Jahr sitzen geblieben ist oder dieses Jahr versetzungsgefährdet ist. Ich habe auch Informationen darüber, wer freiwillig wiederholen will. Im Moment sind es genau null Schüler.

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