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Freiheiten für GeimpfteImpfverweigerer fühlen sich in aktueller Debatte nicht ernstgenommen

von Raja Kraus, MDR AKTUELL

Stand: 29. April 2021, 08:53 Uhr

Über das Impfen gegen Corona wird viel berichtet – über schleppende Terminvergabe, Lieferengpässe beim Impfstoff und jetzt über die Rücknahme von Einschränkungen für Geimpfte. Was dabei aber in den Hintergrund rückt: Nach den aktuellsten Umfragen des RKI sind auch gut 20 Prozent der Menschen nicht bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen oder noch unentschlossen. Finden die sich in den aktuellen Debatten überhaupt noch wieder?

Sie möchte lieber anonym bleiben – zu sehr polarisiert das Thema Impfen. Aber sie macht sich Sorgen, vor allem über Langzeitschäden: "Ich bin da sehr unsicher, ich lasse mich auch nie gegen Grippe impfen. Deshalb habe ich da schon die Tendenz zum Nein-Sagen zu der Impfung." Dass Geimpfte nun womöglich schneller als andere all ihre Grundrechte wieder ausüben können sollen, verunsichert die Leipzigerin zusätzlich. In der Debatte fühle sie sich nicht mehr wohl: "Also es fühlt sich wie so eine Bestechung an: Wenn ich mich impfen lasse, dann bekomme ich meine Grundrechte wieder. Aber das ist ja auch eine Impfpflicht durch die Hintertür."

So sehen es auch viele Patientinnen und Patienten von Claudia Ruth Günther. Die Dresdnerin ist Psychologin und arbeitet als Heilpraktikerin in Dresden. Spezialisiert hat sie sich auf klassische Homöopathie. Bei der Corona-Impfung gebe es in ihrer Praxis zwei große Gruppen: die, die sich sicher impfen lassen wollen und die, die es sicher nicht wollen. Beraten ließen sich beide Gruppen eher nicht: "Sonst ist auch die Gruppe derer, die Beratung wollen, größer. Also die Polarisierung, die dieses Thema mit sich bringt, kann ich auch aus meiner Praxis bestätigen."

Freiheitsdebatte setzt Impfverweigerer unter Druck

Die Politik hatte in den letzten Monaten immer beteuert: keine Ausnahmen für Geimpfte. Aber jetzt, wo immer mehr Menschen geimpft sind, sollen sie bald doch mehr dürfen als Nicht-Geimpfte. Matthias Kaufmann ist im Direktorium des Interdisziplinären Wissenschaftlichen Zentrums Medizin-Ethik-Recht an der Universität Halle. Dass sich der Diskurs von "alle gleich behandeln" jetzt zur "Zurückerlangung der Grundrechte für Geimpfte" hin verschoben hat, stört ihn nicht, aber: "Es ist natürlich ein Problem, dass sich da nebenbei ergibt, dass jemand sich möglicherweise unter Druck gesetzt fühlen kann." Aber man sei ja frei, sich stattdessen für Corona-Tests zu entscheiden.

Homöopathin Claudia Ruth Günther sagt, die, die sich nicht impfen lassen wollen, seien wütend über den Paradigmenwechsel: "Das macht eher Feuer unterm Kessel. Die Leute fühlen sich angegriffen und nicht ernstgenommen." Es gebe eben nicht nur schwarz und weiß – Pauschalaussagen wie "Impfen oder Erkranken" von Karl Lauterbach, ärgern auch die Heilpraktikerin.

Privatwirtschaft könnte Nicht-Geimpfte einschränken

Wäre da eine klare gesetzliche Corona-Impfpflicht von vornherein nicht ehrlicher beziehungsweise "ethischer" gewesen? Nein, sagt Matthias Kaufmann: "In diesem Fall, denke ich, wäre das sehr voreilig und eine unnötige Einschränkung, wenn es einen Weg gibt, sich nicht zu gefährden und andere nicht zu gefährden, indem man sich testen lässt und dann eben, wenn man positiv getestet würde, in Quarantäne geht." Es sei deshalb nicht sinnvoll, die Menschen zur Impfung zu verpflichten.

Was allerdings passieren könnte: Dass die Privatwirtschaft im Sinne ihres Hausrechts Einschränkungen für Nicht-Geimpfte macht. Die Leipzigerin, die sich eigentlich nur ungern impfen lassen möchte, würde dann pragmatisch handeln: "Wenn man mir wirklich alles nimmt und sagt: Du kannst dann nicht mehr reisen, du kannst dann keine Konzerte mehr besuchen, du kannst nicht in die Kneipe gehen, wenn du dich nicht impfen lässt, dann werde ich wahrscheinlich irgendwann sagen: Okay, ich tu's jetzt." Mit einem guten Gefühl wohl aber eher nicht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2021 | 06:55 Uhr

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