Coronavirus Alten- und Pflegeheime: So soll die vierte Welle verhindert werden

Lange wütete das Coronavirus in Alten- und Pflegeheimen besonders schlimm, zehntausende Menschen starben. Durch die Impfungen hat sich die Lage entspannt – doch wie bereiten sich die Heime im Mitteldeutschland auf die vierte Welle vor?

Eine Altenpflegerin in Schutzkleidung hält die Hand eines Bewohners.
Die Alten- und Pflegeheime bereiten sich auf den Herbst und die vierte Corona-Welle vor. Bildrechte: dpa

Wenn Thomas Dewor auf die gerade begonnene vierte Corona-Welle blickt, dann sieht er sich und sein Team gut gerüstet. "In den ersten drei Wellen wurde viel gelernt. Es gibt jetzt genaue Konzepte, an die wir uns halten können und genug Schutzmaterialien", sagt er. Thomas Dewor ist Leiter des Augusta-Viktoria-Stifts in Erfurt. In zwei Pflegeeinrichtungen werden dort insgesamt 84 ältere Menschen betreut. Doch was ihnen natürlich am meisten Sicherheit gäbe, sagt Dewor, seien die Corona-Impfungen: 98 Prozent der Bewohner und 90 Prozent der Mitarbeiter seien inzwischen geimpft.

Coronavirus: Katastrophale Folgen für die Heime

Die Pflege- und Altenheime waren besonders stark betroffen von der Pandemie. Im Frühling 2020 mussten sie monatelang von der Außenwelt abgeschottet werden. Im Herbst und Winter starben viele Menschen in den Einrichtungen, im März schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf die Gesundheitsämter der Länder von insgesamt fast 30.000 Toten in den Heimen.

Auch die Einrichtungen des Augusta-Viktoria-Stifts traf es im Winter. An Weihnachten wurde ein Ausbruch bekannt. Er sei zwar schnell eingedämmt worden, sagt Thomas Dewor, drei Bewohner seien aber dennoch an oder mit dem Virus gestorben. Kurz darauf begannen die Impfungen. "Insgesamt sind wir für diesen Herbst besser gerüstet als im vergangenen Herbst", sagt Dewor.

In Mitteldeutschland ging die Zahl der Coronatoten in den Heimen seit dem Frühling stark zurück. Dennoch: Alleine in Thüringen starben im Zeitraum vom 17. März bis 28. Juli insgesamt 1.584 Menschen an oder mit Covid-19 in stationären Pflegeeinrichtungen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Sachsen-Anhalt nannte in dem Zusammenhang keine Zahlen. Sachsen wiederum lediglich für den Zeitraum vom 31. Mai bis 25. Juli – in der Zeitspanne gab es 27 Infektionen in sächsischen Pflegeeinrichtungen, zwei Menschen starben.

Alten- und Pflegeheime: Vorbereitungen auf den Herbst

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) blickt auf den Herbst. Ende Juli gab das RKI das Papier "Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/2022" heraus. Darin warnt das RKI vor neuen Gefahren: "Ein denkbares Szenario ist, dass bei hochbetagten Menschen mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Impfung vermehrt Impfdurchbrüche auftreten können, so dass es in Pflegeheimen zu schweren Covid-19 Ausbrüchen kommen kann", heißt es.

Für die Alten- und Pflegeheime gibt das RKI Empfehlungen. Konkret rät das Institut zu mehr Personal, einer Prüfung und Vorbereitung der technischen und organisatorischen Maßnahmen wie Luftfilter und Besucher-Tests, den Einsatz von Schutzmasken sowie weiteren Impfungen.

Die Empfehlungen entsprechen weitestgehend denen der Gesundheitsministerien in Mitteldeutschland, wie eine Abfrage des MDR ergab. In Sachsen-Anhalt etwa existiert zudem eine Task Force des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration, des Medizinischen Dienstes, der Landesverbände der Pflegekassen und der Heimaufsicht beim Landesverwaltungsamt im Land, um stationäre Pflegeeinrichtungen im Land bei Bedarf zur Vermittlung von Personal zu unterstützen.

Außerdem gibt es dort einen Erlass des Ministeriums an die Heimaufsicht, wonach bei einer Notlage von den normalen Personalschlüsseln abgewichen werden kann.

Sachsen verweist in dem Zusammenhang lediglich auf die Bundesagentur für Arbeit oder regionale Initiativen zur Gewinnung von Freiwilligen. Thüringen äußert sich dazu gar nicht. Und: Weitere Unterstützung der Landesregierungen für die Alten- und Pflegeheime gibt es derzeit kaum.

Auffrischimpfung für Ältere kommt

Einig sind sich sowohl RKI als auch die Ministerien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darüber, dass vor allem die Impfkampagne weitergehen muss. Dort gab es bis Montag noch Unsicherheiten bezüglich einen dritten Impfung der sogenannten Booster- oder Auffrischimpfung.

Doch inzwischen liegt ein Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vor. Dieser sieht ab September "in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung in der Regel mindestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie" vor. Die Impfungen sollen – unabhängig von den ersten beiden Impfungen – mit mRNA-Impfstoff durchgeführt werden.

Thüringen bereitet sich bereits auf die Boosterimpfungen vor, wie es aus dem Gesundheitsministerium heißt. Die mobilen Impfteams könnten im September kurzfristig von 15 auf 25 Teams aufgestockt werden. Auch Sachsen-Anhalt verweist in dem Zusammenhang auf mobile Impfteams.

In Sachsen laufen nach Aussage des Sozialministeriums zur Vorbereitung für eventuelle Boosterimpfungen bei Heimbewohnern bereits Abstimmungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS), um die Impfung organisatorisch zu unterstützen. Allerdings: Sachsen setzt statt mobilen Impfteams vor allem auf die Hausärzte.

Mehr Sicherheit mit der dritten Impfung?

Mit der dritten Impfung könnte auch in den Einrichtungen des Augusta-Viktoria-Stifts noch etwas mehr Sicherheit eintreten. Denn bisher gab es wegen der unklaren Lage zur Länge des Impfschutzes Unsicherheiten bei den Bewohnern und Mitarbeitern. Dass die Gefahr nicht komplett vorüber ist, zeigt ein Vorfall vor rund einem Monat. Damals gab es in einer der Einrichtungen des Stifts erstmals seit Längerem wieder mehrere Infektionen. Sieben Bewohner seien infiziert gewesen, allerdings nur mit leichten Erkältungssymptomen.

Sorge hat Stifts-Leiter Dewor derzeit noch aus zwei Gründen. Zum einen befürchtet er, dass für pflegebedürftige Senioren in Einrichtungen schnell aus Infektionsschutzmaßnahmen freiheitsbeschränkende Maßnahmen werden könnten. "Auch in der vierten Welle sollte auf den Erhalt der bestehenden Kontakte von Senioren dringend geachtet werden", sagt er.

Zum anderen sorgt er sich wegen des Ende September auslaufenden Pflegerettungsschirms des Bundes. Über diesen wurden Corona-Schutzmaßnahmen wie Tests oder Schutzausrüstung erstattet. Das sächsische Sozialministerium schrieb dem MDR aber, dass davon auszugehen sei, dass die Regelungen bei Bedarf erneut verlängert würden.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 03. August 2021 | 19:30 Uhr

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