Mietpreise Berlin: Tausende demonstrieren gegen hohe Mieten

In Berlin haben sich am Samstag Tausende Menschen an einer Demonstration gegen hohe Mieten beteiligt. Die Veranstalter wollen einen Kurswechsel – nicht nur für den stark angespannten Berliner Wohnungsmarkt, sondern allgemein für Mieten- und Wohnungspolitik in Deutschland. Sie fordern unter anderem einen Mietendeckel und die Enteignung großer Immobilienkonzerne.

Bei einer Demonstration gegen hohe Mieten in Berlin halten Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift Wohnen für Alle!
Tausende sind in Berlin unter anderem gegen hohe Mieten und Zwangsräumungen auf die Straße gegangen. Bildrechte: dpa

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Berlin für eine Kehrtwende in der Wohnungs- und Mietenpolitik in Deutschland demonstriert. Mehr als 7.000 Menschen gingen nach Schätzung der Polizei gegen hohe Mieten auf die Straße. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich 20.000 Menschen.

Die Demonstration für eine sozialere Wohnungspolitik zog vom Alexanderplatz über die zentrale Achse Unter den Linden über das Brandenburger Tor bis zur Siegessäule. Aufgerufen zum Protest hatten unter anderem das "Aktionsbündnis gegen Verdrängung & Mietenwahnsinn" und die bundesweite Kampagne "Mietenstopp".

Bundesweiter Mietendeckel gefordert

Sie fordern unter anderem einen bundesweiten Mietendeckel, keine Umwandlungen in Eigentum und keine Eigenbedarfskündigungen, keine Räumungen. Entsprechend war auf Transparenten bei der Kundgebung zu lesen: "Für eine Stadt mit bezahlbaren Mieten für alle" und "Mieter, spürt eure Macht". Ein Sprecher des Berliner Bündnisses forderte in seiner Rede, dass bundesweit alle Mietkonzerne enteignet werden müssten. Wohnraum dürfe nicht an die Börse.

Stefan Körzell
Stefan Körzell Bildrechte: imago images / Mauersberger

Bei der Demonstration waren auch Vertreter mehrerer Parteien und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Dessen Vorstandsmitglied Stefan Körzell forderte anlässlich der Demo, dass es einen bundesweiten sechsjährigen Mietenstopp geben müsse. "Von der neuen Bundesregierung fordern wir eine neue Wohnungsbaupolitik, die auf mehr bezahlbaren und sozialen Wohnraums setzt", sagte er. Der Sprecher der bundesweiten Mietenstopp-Kampagne, Matthias Weinzierl, erklärte in dieser Woche die "Mietenfrage" zur wichtigsten sozialen Frage der Gegenwart.

Initiative will Deutsche Wohnen enteignen

Bei einer Demonstration gegen hohe Mieten in Berlin halten Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift Deutsche Wohnen & Co enteignen
Demo-Teilnehmer der Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" Bildrechte: dpa

Mit eigenem Wagen und Kostümen beteiligte sich außerdem die Berliner Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" an der Demonstration. Die Teilnehmer warben dabei für den von ihnen angestrengten Volksentscheid über die Vergesellschaftung von 240.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen, Vonovia, Akelius und anderen Konzernen.

Falls die Berliner am 26. September neben den Wahlen zum Bundestag und zum Abgeordnetenhaus für den Volksentscheid stimmen sollten, hofft die Initiative nach eigener Aussage damit Druck auf die Politik ausüben zu können.

Mieten steigen weiter

Deutschlandweit werden die Mieten von Bestandwohnungen immer höher: Einer Studie des Immobilienportals immoscout24 vom Mai zufolge sind sie Anfang des Jahres so stark angestiegen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Im vergangenen Jahr stiegen nach Angaben des Portals immowelt allein in Berlin die Mieten um fünf Prozent, im sogenannten Speckgürtel um bis zu 17 Prozent. Nach dem Aus für den Berliner Mietendeckel erwarten Experten weitere Preissteigerungen.

Quelle: dap, AFP, epd (cga)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2021 | 15:00 Uhr

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