Equal Pay Day Frauen verdienen noch immer ein Fünftel weniger

Noch immer verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen – 4,16 Euro brutto weniger, um es in Zahlen zu beziffern. Damit herrscht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch immer eine Lohnlücke von 18 Prozent zwischen den Geschlechtern. Der sogenannte Equal Pay Day, ein bundesweiter Aktionstag, soll auf diesen Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern aufmerksam machen.

Demonstrantin mit Fahne "Equal Pay Day".
Der Equal Pay Day ist ein bundesweiter Aktionstag, der auf die Ungerechtigkeit bei der Bezahlung von weiblichen und männlichen Arbeitnehmern aufmerksam machen soll. In diesem Jahr fällt er auf den 10. März. Bildrechte: IMAGO

Frauen in Deutschland haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 18,62 Euro brutto die Stunde verdient und damit 4,16 Euro weniger als Männer. Diese Zahl geht aus Erhebungen des Statistischen Bundesamtes hervor, die anlässlich des sogenannten Equal Pay Day veröffentlicht wurden. Mit dem Aktionstag soll bundesweit auf den Missstand bei den Löhnen von Frauen und Männern hingewiesen werden.

2019 hatte die Differenz noch 4,28 Euro betragen. Das Bundesamt weist aber darauf hin, dass Sondereffekte durch Kurzarbeit in der Corona-Krise die Veränderung dieser Lohnlücke, die sogenannte Gender Pay Gap, beeinflusst haben könnten.


Großes Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland

Während die Lohnlücke im bundesweiten Durchschnitt bei rund 18 Prozent liegt, variiert die Differenz in den einzelnen Bundesländern deutlich: Thüringen weist mit fünf Prozent den geringsten Unterschied auf, dicht gefolgt von Sachsen mit sieben Prozent. In Sachsen-Anhalt verdienten Frauen acht Prozent weniger als Männer. Am größten ist der Unterschied bei der Bezahlung mit 23 Prozent in Baden-Württemberg, Bayern und Bremen kommen auf jeweils 22 Prozent.

Während beim unbereinigten Gender Pay Gap auch strukturelle Unterschiede erfasst werden – etwa schlechtere Zugangschancen von Frauen zu manchen Berufen – gibt der bereinigte Gender Pay Gap den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien an. Dieser bereinigte Wert wird nur alle vier Jahre erhoben.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verharrte die bereinigte Gender Pay Gap 2018 mit sechs Prozent auf dem Wert des Jahres 2014. Im Jahr 2010 hatte der Unterschied sieben Prozent betragen und 2006 acht Prozent.

Teaserbild für GRIMBERG – Die Kolumne am 14. November 2018: Schriftzug "14/11". 1 min
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Die Bezahlung klafft bei Männern und Frauen oft noch ziemlich auseinander. Auch in den Medien. MEDIEN360G wird mal nachschauen, wie stark.

Mi 14.11.2018 14:57Uhr 01:27 min

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Frauenberufe sind immer noch strukturell benachteiligt

Obwohl Thüringen die kleinste Lohnlücke aufweist, kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte des Bundeslandes, Gabi Ohler, die nach wie vor schlechtere Bezahlung vieler Frauen vehement. Es sei eine Schande, dass Frauen im Schnitt immer noch über zwei Monate länger arbeiten müssten als Männer, um auf ein vergleichbares Jahresgehalt zu kommen. Sogenannte Frauenberufe würden immer noch strukturell benachteiligt. Dass deutschlandweit zwischen April und Juli 2020 rund 9.000 Beschäftigte ihren Pflegeberuf verlassen haben, führt sie neben den belastenden Arbeitsbedingungen auch auf die schlechte Bezahlung zurück.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht angesichts der Pandemie sogar eine Verschlechterung der Situation. "Der Umgang mit der zusätzlichen Sorgearbeit in der Corona-Pandemie war für Frauen in der Bundesrepublik ein gleichstellungspolitischer Rücksturz um Jahrzehnte", sagte Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB in Berlin und Brandenburg. Bereits nach dem ersten Lockdown hätten zwei Drittel der Frauen angegeben, sich alleine um die zusätzliche Betreuung ihrer Kinder gekümmert zu haben.


Lohnlücke steigt mit dem Alter

Betrachtet man die Gender Pay Gap über das Alter, kann man gut erkennen, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen nicht konstant ist, sondern mit dem Alter ansteigt. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach liegt die Lohnlücke in Deutschland zwischen Männern und Frauen bei den 25- bis 30- Jährigen noch bei etwa neun Prozent, steigt danach kontinuierlich bis zum Alter von 49 Jahren an und pendelt sich bei 28 Prozent ein. 

Betrachtet man Ostdeutschland differenzierter, relativiert sich der Trend etwas: Die Verdienstlücke bei den unter 30-Jährigen liegt in den ostdeutschen Bundesländern bei sechs Prozent, steigt bis zum Alter von 42 Jahren auf 15 Prozent an und stabilisiert sich dann bei zwölf Prozent.


Nach Familiengründung wechseln Frauen oft in Teilzeit

Als Gründe für diese altersbedingten Unterschiede führt die DWI-Studie an, dass Frauen im Schnitt längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen haben und häufiger in Teilzeit arbeiten. Oftmals ist es sogar eine Kombination der beiden Faktoren, sagt Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dresden, MDR AKTUELL. "Wenn Frauen nach ihrer Elternzeit zurück in den Beruf kommen, nehmen sie sogar eine Änderung ihrer bisherigen Arbeitstätigkeit in Kauf, um in Teilzeit arbeiten zu können", beschreibt Stanislaw-Kemenah. "Männer hingegen nehmen ein bis zwei Monate Elternzeit und kehren dann in ihrer Positionen zurück, ohne einen Bruch auf ihrer Karriereleiter."

Dass dieser Unterschied in Ostdeutschland weniger ausgeprägt ist, sei der gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet. "Frauen waren und sind in Ostdeutschland überwiegend in Vollzeit tätig, weil sie das Kind versorgt wissen", erklärt Stanislaw-Kemenah. Doch sie seien eben auch verstärkt in systemrelevanten Berufen tätig, die häufig schlechter bezahlt werden.


In Dessau-Roßlau verdienen Frauen mehr als Männer

Es gibt aber auch vier Orte in Ostdeutschland, in denen die Lohnverhältnisse umgekehrt sind. Einer von ihnen ist Dessau-Roßlau. Dort existiert mit -3,1 Prozent die niedrigste Gender Pay Gap innerhalb Sachsen-Anhalts – Frauen verdienen dort also mehr als Männer. "Das liegt wohl vor allem dran, dass sehr viele Verwaltungen ihren Sitz in Dessau-Roßlau haben", sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Claudia Heß MDR AKTUELL. "Wir haben hier viele große Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes und da sind Frauen oft auch in Führungspositionen zu finden." Zudem seien mit den Tarifverträgen im Öffentlichen Dienst die Lohnentgelte transparent für alle.


Grüne fordern Offenlegung der Lohnlücke

Um den bundesweiten Missstand bei der Bezahlung politisch zu lösen, fordern die Grünen eine verpflichtende Offenlegung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen für Unternehmen. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte dem Portal "t-online", Firmen sollten "verpflichtend über die Bezahlung von Frauen und Männern und ihre Maßnahmen zum Schließen des eigenen Pay Gaps berichten". Mit einer solchen Offenlegung könne die geschlechtergerechte Bezahlung flächendeckend überprüft sowie Lücken geschlossen werden.

Die zuständige Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) plant derzeit keine neuen gesetzlichen Änderungen, verkündete am Mittwoch aber, dass die Bundesregierung grünes Licht für die Errichtung einer "Bundesstiftung Gleichstellung" gegeben hat. Wenn der Bundestag diesem Vorhaben zustimmt, soll die Stiftung künftig Informationen zum Stand der Gleichberechtigung von Frauen bereitstellen, Engagement vernetzen und gemeinsam mit Verbänden und Interessierten Ideen für mehr Gleichstellung entwickeln.

Zudem lobt das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in diesem Jahr erstmal den German Equal Pay Award aus. Unter www.entgeltgleichheit-foerdern.de können sich Unternehmen bewerben, die die Lohnlücke ganz freiwillig und transparent schließen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2021 | 11:30 Uhr

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