Auschwitz Holocaust-Überlebende Esther Bejarano gestorben

Esther Bejarano, deutsch-jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau
Esther Bejarano beschrieb in ihrem autobiographischen Roman, dass sie mit dem Mädchenorchester in Auschwitz am Tor spielen mussten, wenn die Arbeitskolonnen ein- und ausmarschierten. Bildrechte: dpa

Die Sängerin, Aktivistin und Holocaust-Überlebende Esther Bejarano ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Wie der Vorstand des Auschwitz-Komitees bestätigte, starb sie "nach kurzer, schwerer Krankheit" in ihrer Wahlheimat Hamburg.

Sendungsbild
Esther Bejarano ist 19 Jahre alt, als sie nach Auschwitz deportiert wird. Bildrechte: MDR/BR Alpha, honorarfrei

Die 1924 in Saarlouis im Saarland geborene Bejarano wurde als junge Frau von den Nationalsozialisten ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort spielte sie Akkordeon in einem Mädchenorchester, was für sie Verschonung von der Zwangsarbeit und eine bessere Versorgung bedeutete. Bejarano überlebte ebenfalls das KZ Ravensbrück sowie einen der berüchtigten NS-Todesmärsche. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Engagement und Aufklärung

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie zunächst nach Israel, kehrte aber später nach Deutschland zurück und ließ sich in Hamburg nieder. Als Zeitzeugin besuchte sie fortan unter anderem Schulen. Sie gehörte zu den Gründern des Auschwitz-Komitees in Deutschland und setzte sich zuletzt dafür ein, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum Feiertag zu erklären. Bis zu ihrem Tod engagierte sich Bejarano in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Bejarano, die auch als Sängerin auf der Bühne stand, wurde für ihr Wirken unter anderem mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Darüber hinaus verfasste sie mehrere autobiografische Romane. 2013 erschien im Hamburger Laika-Verlag ihre Biografie "Erinnerungen".

Würdigung durch Politiker

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Bejarano als "mutige Persönlichkeit, die sich bis zuletzt für die Verfolgten des Naziregimes eingesetzt hat". Er denke in großer Dankbarkeit und Hochachtung an Esther Bejarano, schrieb Steinmeier an deren Kinder. "Mit ihrem Tod haben wir einen großen Verlust erlitten. Sie wird immer einen Platz in unseren Herzen haben."

Bundesaußenminister Heiko Maas nannte Bejarano eine "wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus". Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdige Bejaranos "unschätzbaren Beitrag zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte". Die Holocaust-Überlebende habe sich "ein Leben lang dem Schmerz des Erinnerns gestellt" und alles dafür unternommen, dass die Gräueltaten der Nazis nicht in Vergessenheit geraten.

Quelle: dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2021 | 11:00 Uhr

Mehr aus Deutschland