Verkaufsverbot Wenige Fälle mit illegalem Feuerwerk an Grenze

Wie schon 2020 ist der Verkauf von Feuerwerk in Deutschland verboten, um die Krankenhäuser nicht durch Böllerunfälle weiter zu belasten. Die Feuerwerksbranche befürchtet, dass viele Menschen nun auf illegale Böller aus dem Ausland ausweichen und es so zu mehr Verletzten kommt. An den Grenzen zu Polen und Tschechien gab es noch keinen Anstieg beim Transport von illegalem Feuerwerk.

Schild für Feuerwerksverbot
Vielerorts ist das Böllern erneut komplett verboten. Bildrechte: imago images/xcitepress

Jedes Jahr dasselbe: Kurz vor Silvester stelle man an den Grenzen zu Polen und Tschechien illegales Feuerwerk sicher, sagt der Sprecher der Bundespolizei in Pirna, Holger Uhlitzsch. "Allerdings haben wir noch keinen vermehrten Anstieg feststellen können. Im vergangenen Jahr haben wir im Bereich vor Silvester knapp 20 Feststellungen gehabt, wo es um verbotene Pyrotechnik ging. Aktuell bewegen wir uns ebenfalls auf diesem Level", sagt Uhlitzsch.

Gesundheitsministerium: Umgehen des Verkaufsverbots sei unvernünftig

Auch der Zoll teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass man bisher keine außergewöhnliche Zunahme feststellen könne. Im letzten Jahr habe das Verkaufsverbot ebenfalls nicht zu einem spürbaren Anstieg von illegalen Einfuhren geführt. Doch Feuerwerk aus dem Ausland kann auch legal nach Deutschland eingeführt werden, nämlich dann, wenn es auch für den deutschen Markt zugelassen ist. Schließlich ist der Warenverkehr in der EU frei.

Laut Zoll lässt sich nur spekulieren, wie viele Menschen diese Möglichkeit nutzen. Auch wer noch Feuerwerk aus den Vorjahren zu Hause hat, darf es zünden. Das Verkaufsverbot zu umgehen, sei zwar unvernünftig, teilt das Thüringer Gesundheitsministerium auf Nachfrage mit, gleichwohl lasse sich nicht jede Unvernunft staatlich reglementieren.

Leipziger Polizei rechnet mit deutlich weniger Pyrotechnik

Allerdings haben andere Länder schärfere Vorgaben gemacht. In Sachsen verbietet die Landesregierung im gesamten öffentlichen Raum pyrotechnische Gegenstände mit sich zu führen oder abzubrennen. Thüringen und Sachsen-Anhalt überlassen es den Kommunen, Verbotszonen festzulegen. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa wollen viele Kommunen darauf aber verzichten und auf dem eigenen Grundstück ist Böllern ohnehin erlaubt.

All das macht es für Polizei und Ordnungsamt schwierig, die Regeln zu kontrollieren. Leipzigs Polizeisprecher Olaf Hoppe ist angesichts der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr trotzdem guter Dinge: "Die Stadt war deutlich ruhiger und die Menschen haben sich überwiegend daran gehalten. Deshalb rechnen wir schon mit deutlich weniger Bewegung in der Öffentlichkeit und mit deutlich weniger Einsatz von Pyrotechnik."

2020: weniger Silvesterunfälle durch Böller

Die wenigsten Verletzungen zu Silvester hätten jedoch mit Feuerwerk zu tun, sagt Dirk Burkard von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt. Das Böllerverbot halte er daher nicht für eine besonders entlastende Maßnahme. Ganz anders sieht das die Krankenhausgesellschaft Sachsen.

Vize-Geschäftsführer Friedrich München sagt, am Leipziger Uniklinikum habe es vergangenes Silvester zum Beispiel keine Kinder mit Böllerverletzungen gegeben – in den Vorjahren seien es bis zu 20 gewesen. "Auch auf der zentralen Notaufnahme kann man sehen, dass im letzten Jahr doch erheblich weniger Patienten zu versorgen waren aufgrund von Böllerverletzungen. Das ist schon eine erhebliche Entlastung für die Krankenhäuser und das hört man auch aus anderen Krankenhäusern so", sagt München.

Auch eine Umfrage der Barmer-Krankenkasse ergab, dass es im vergangenen Jahr deutlich weniger Silvesterunfälle gab. Bundesweit sank die Zahl von 6.200 auf rund 3.800 Fälle. Das entspricht einem Rückgang um etwa 40 Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Dezember 2021 | 06:07 Uhr

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